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Einschlag aus dem All

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Von: Manfred Niekisch

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Grindwale nach Strandung in Neuseeland gestorben
Tote Grindwale säumen am 8. Oktober den Strand von Tupuangi Beach auf den Chatham-Inseln im neuseeländischen Chatham-Archipel. Einige wurden bereits tot angeschwemmt. Die übrigen Tiere mussten eingeschläfert werden. Nach Angaben der Walschutzorganisation Project Jonah verendeten so binnen weniger Tage fast 480 Wale. © Tamzin Henderson/dpa

Die Nasa konzentriert sich darauf, Bedrohungen aus dem All abzuwehren. Für interne Problembereiche wie Umwelt, Klima, Natur und Hunger fehlen aber die Lösungen.

Frankfurt – Wir werden erfolgreich verteidigt. Nicht nur wir in Europa, wie man vermuten könnte. Oder etwa die Menschen in der Ukraine, die derzeit in Kellern und zerbombten Wohnungen ausharren? Nein, wir alle, die ganze Erde. Zumindest behauptet das die Nasa, die Raumfahrtbehörde der USA. Sagte doch deren Leiter großspurig, er glaube, die Nasa habe nun bewiesen, dass seine Institution es als Verteidigerin unseres Planeten ernst meine.

Aber verteidigen wovor, gegen wen? Gegen einen möglichen Meteoreneinschlag, so das Narrativ. Als ob das unser Hauptproblem wäre. Wissenschaftlich ist es sicher spannend, dass die Nasa nun in der Lage ist, die Flugbahn von Meteoren mit gezielten Raketenangriffen zu verändern. Die Trümmer aus dem All können uns also nicht mehr schaden, so wie sie einst durch einen einzigen Einschlag in Mexiko den Dinosauriern und ihren Zeitgenossen den Tod brachten. Zumindest nicht, wenn die Abwehr klappt, sobald so eine seltene Situation tatsächlich eintritt.

Umwelt, Klima, Natur, Hunger: Die Menschheit wird nicht aus dem All bedroht

Wir brauchen jedoch längst keinen Einschlag eines Himmelskörpers mehr, um das Leben auf der Erde nachhaltig zu verändern. Wir schaffen das schon selbst. Dazu bedarf es nicht solch devastierender Ereignisse, die uns aus dem Weltall treffen.

Es wird wohl kein großer Knall sein, der unseren Globus und seine Tiere, Pflanzen, die Menschheit auslöscht. Es ist vielmehr ein schleichender Prozess des Verlustes, des Verfalls, der sich anbahnt und den wir eigentlich noch stoppen können.

Versuche und Pläne dazu gibt es ja genug, aber leider geht es nicht voran, weder national noch global. All die Beschlüsse und Übereinkommen der Weltgemeinschaft zum Thema Umwelt, Klima, Natur, gegen den Hunger, für die Bildung haben noch keine Trendwende gebracht.

Verlust und Verfall auf der Erde: Hunderte Wale stranden erneut

Derweil strandeten gerade wieder Hunderte von Walen an den Meeresufern im Südpazifik. Gleich mehrmals hintereinander ereignete sich das rätselhafte Phänomen. Es gilt als sicher, dass es zu solchen massenhaften Toden kommt, weil die Grindwale sehr soziale Tiere sind.

Für sie scheint das Wichtigste der Zusammenhalt ihrer Familien zu sein. So schwimmen sie gemeinsam ins Verderben. Nicht bei allen Walarten kommt es zu solchen Massensterben, doch auch sie stranden allzu oft. Was die Gründe dafür sind, ist nach wie vor ungeklärt.

Selbstmord aus Verzweiflung über den Zustand der Meere kann wohl ausgeschlossen werden. Dagegen werden Navigationsfehler zur Erklärung herangezogen. Aber was löste die aus? Ihre Häufigkeit ist ebenso auffällig wie beängstigend.

Massenhaftes Walsterben: Klimawandel wird als Ursache untersucht

Verlärmung der Meere durch den Schiffsverkehr, die riesigen Mengen im Meer treibenden Plastikmülls, die industrielle Fischerei, was wirkt nicht alles auf die Umwelt der Tiere ein. Das und mehr kann ihre Wanderrouten und Orientierung stören. Inzwischen werden auch die Folgen des Klimawandels als mögliche Ursache des Fehlverhaltens untersucht, wie etwa die Veränderung der Temperaturverhältnisse und Strömungen im Meer.

Gestrandete Wale zu retten, in ihr Element zurückzubringen, gelingt nur in Einzelfällen. In Neuseeland mussten die meisten Opfer aus den aktuellen fatalen Großereignissen eingeschläfert werden. Da hilft es gar nichts, dass wir jetzt unseren Planeten gegen Meteore von außen verteidigen können. Wir brauchen eher Lösungen für unsere internen Dramen.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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