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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro.
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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro.

Kolumne

Jair Bolsonaro will Straßenbau in Nationalparks legalisieren: Eine Straße für die Siedler

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro will mit einem Gesetz den Straßenbau in Nationalparks legalisieren und könnte damit deren Zahl verdoppeln. Die Kolumne.

Er hat viel illegale Waldzerstörung zu verantworten. Aber jetzt scheint der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro auf die Straße des Rechts zurückkehren zu wollen. Im ureigensten Wortsinn. Denn mit dem Gesetzesvorhaben 984/2019 will er eine neue Kategorie für Nationalparks einführen, wohlklingend genannt Estrada-Parque.

Das völlig absurde Gesetz soll es legal machen, Straßen in Nationalparks zu bauen. Als erstes Bauprojekt stünde eine Straße durch den Nationalpark Iguaçu auf dem Programm, wo derzeit noch die letzten Reste der Mata Atlantica geschützt werden, des Waldes im Südosten Brasiliens.

Dort wimmelt es nicht nur von Tieren und Pflanzen, die sonst nirgends mehr vorkommen, sondern mittendrin liegen auch die berühmten Wasserfälle. Sie sind ungeheuer beeindruckend, bilden eine der bedeutendsten touristischen Attraktionen Brasiliens und sind wirtschaftlicher Motor der ganzen Region.

Jair Bolsonaro: „Die Straße des Siedlers“ klingt wie eine Einladung zur Plünderung.

Der Nationalpark und die Wasserfälle liegen unmittelbar an der Grenze zu Argentinien, das dort auch einen Nationalpark eingerichtet hat und zu dem ein Teil der stürzenden Wassermassen des Rio Iguaçu gehört. Und selbst Paraguay als das dritte Land in diesem Dreiländereck profitiert vom Ansturm der Iguaçu-Touristen.

NameJair Messias Bolsonaro
PositionPräsident Brasilien (seit 1. Januar 2019)
ParteiAliança pelo Brasil (APB)
Alter66 Jahre (21. März 1955)
GeburtsortGlicério, São Paulo, Brasilien

Die brasilianischen Behörden hatten vor über 20 Jahren eine illegale Trasse im Nationalpark, die Estrada do Colono, geschlossen. Die soll jetzt legal wieder eröffnet werden. Schon der Name, „die Straße des Siedlers“, klingt wie ein destruktives Programm, eine Einladung zur Plünderung. Die Bundespolizei und die Nationalparkbehörde hatten damals eine massive Zunahme der Wilderei an Holz und Tieren verzeichnen müssen.

Ebenso viele Kadaver von Tieren, die es nicht geschafft hatten, ohne Unfälle mit Autos von einer Seite des Waldes in die auf der anderen Straßenseite zu wechseln. Nach der Schließung hatte sich der Wald auf der rund 18 Kilometer langen Trasse wieder einigermaßen erholt, und die Jaguar-Population hat sich zur besten in der ganzen Mata Atlantica entwickelt.

Jair Bolsonaro will im Regenwald bauen lassen: Das irrsinnige Projekt trifft auf Widerstand

Doch nun könnte der wieder aufgelegte Plan der ganzen Region ökologisch schwersten Schaden zufügen und damit auch der Wirtschaft. Das wäre dann, sollte das Gesetz das Parlament und den Senat passieren, allerdings ganz legal.

Doch das irrsinnige Projekt trifft auf Widerstand. Nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, den Nichtregierungsorganisationen und der Nationalparkbehörde. Auch bei lokalen staatlichen Funktionären des Tourismus und all denen, die vom Tourismus leben, stößt es auf Ablehnung.

Die älteste und größte Zeitung des betroffenen Bundesstaates Paraná, die „Gazeta do Povo“, titelte: „Die Wiedereröffnung der Estrada do Colono ist gut für niemanden“. Nun beginnt das Hoffen, denn die für diese Woche vorgesehene Parlamentsabstimmung über das Gesetz wurde kurzfristig verschoben. Auf wann, ist nicht bekannt.

Brasilien: Präsident Jair Bolsonaro leitet Niedergang von Nationalpark

Sollte das Gesetz hingegen wider alle Logik, Proteste und Widerstände die parlamentarischen Hürden passieren, ist der Niedergang dieses wirklich einmaligen Nationalparks und seiner tierischen Bewohner vorprogrammiert.

Man könnte zynisch anmerken, dass Jair Bolsonaro mit diesem Gesetz die Zahl der Nationalparks verdoppeln könnte, sozusagen aus eins mach zwei. Je einen Nationalpark links der Straße und einen rechts davon. Viel wert wären aber beide nicht mehr. (Manfred Niekesch)

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