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Auch wenn Youtube dem Propagandasender im September zwei Zugänge sperrte, weil die dort verbreiteten Falschinformationen über Covid 19 nicht mehr zu übersehen waren: Die RT-Strategen in Moskau und in der Redaktion in Berlin-Adlershof wissen sich immer schnell zu helfen.
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Auch wenn Youtube dem Propagandasender im September zwei Zugänge sperrte, weil die dort verbreiteten Falschinformationen über Covid 19 nicht mehr zu übersehen waren: Die RT-Strategen in Moskau und in der Redaktion in Berlin-Adlershof wissen sich immer schnell zu helfen.

Kolumne

Ein Sender und die Hetzer

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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RT DE sollte viele Kommentare von Nutzerinnen und Nutzern löschen. Bei einigen Elaboraten könnte auch ermittelt werden. Die Kolumne.

Die Informationsfreiheit kennt keine Grenzen. Jeder kann sehen und hören, was er will. Was nicht über Kabel und Satellit ins Haus kommt, findet man im Internet. Wem das Gratisangebot nicht genügt, der zahlt Abogebühren. Da wundert es schon, welcher Wirbel gemacht wird, weil RT DE, ein russischer, staatlich finanzierter Propagandasender, keine deutsche TV-Lizenz für eine Satellitenübertragung bekommt.

Freilich, Youtube, nicht gerade für Sensibilität in seinen Onlineinhalten bekannt, hat RT im September zwei Zugänge gesperrt, weil die dort verbreiteten Falschinformationen über Covid 19 nicht mehr zu übersehen waren. Somit fiel ein wichtiger Kanal plötzlich aus, aus dem deutsche Querdenker und Impfverweigerer Argumentationshilfe erfuhren.

Aber die RT-Strategen in Moskau und in der Redaktion in Berlin-Adlershof wissen sich immer schnell zu helfen – RT läuft jetzt zum Teil über die Plattform Odyssee, wo man sich auch viele Videoschnipsel der „Corona-Spaziergänger“ ansehen kann. Die Internetseite RT DE ist immer auf dem aktuellen Stand. Dort erfährt man, warum die Menschenrechtsorganisation Memorial als „ausländischer Agent“ verboten werden musste und dass „alle langsam wach werden sollten“ – im Sinne der deutschen Impfkritikerinnen und -kritiker.

Man sollte RT nicht wichtiger nehmen, als es für die Mehrheit der deutschen Mediennutzer:innen tatsächlich ist. Und dennoch darf man nicht die giftigen Sumpfblasen ignorieren, die der Sender zulässt, wenn nicht sogar kultiviert. Die Rede ist von den Verfasserinnen und Verfassern von Kommentaren, die frei von jeder redaktionellen Verantwortung oder gar ethischen Maßstäben im Untergrund arbeiten.

Jeder Beitrag kann kommentiert werden. Wer einmal eingestiegen ist, die Elaborate der RT-Konsumenten zu lesen, der muss gute Nerven haben, um aus dieser Tour durch Hass-, Ekel-, Tötungs- und Verschwörungsphantasien unbeschadet wieder aufzutauchen. Vieles davon lässt sich nicht mal in dieser Kolumne zitieren, weil Fäkalsprache und Hetze jedes Maß überschreiten.

Als Portal für die Kommentarfunktion wird „Disqus“ genutzt – wie auch bei der FR, nur dass hier die Redakteurinnen und Redakteure Verantwortung tragen und Strafbares konsequent gelöscht wird. Ganz anders bei RT. Ein Extremist, der es in den letzten vier Monaten auf mehr als dreitausend Einträge gebracht hat, nennt sich „Gopfrid Stutz“. Was man im Schweizerdeutsch mit „Gottverdammt“ oder schlimmer übersetzen kann.

Der Autor lebt in Baden-Württemberg, ist nach eigener Aussage promovierter Jurist, 66 Jahre alt und müsste wissen, was Paragraf 130 und 111 zum Inhalt haben. Nämlich „Volksverhetzung“ und „Öffentliche Aufforderung zu Straftaten“.

„G. S.“ möchte mehrere Ministerinnen und Minister der neuen Regierung „am nächsten Baum aufgeknüpft“ sehen. Den bayerischen Gesundheitsminister sollte man hängen, statt mit ihm zu reden. Das ist ein Tötungsaufruf, was sonst?

Provokateurinnen und Provokateuren, die mit Fackeln vor die Wohnhäuser von Politikerinnen und Politkern ziehen, findet er inkonsequent, weil sie die Häuser nicht abbrennen. Erst vor wenigen Tagen wünschte er den beiden Kindern einer Politikerin den Tod. Es dürfte nicht schwerfallen, den Klarnamen des Rufmörders zu ermitteln und ihm den Prozess zu machen, bevor schlimmeres passiert.

Mittäterinnen und Mittäter gäbe es dann auch in der RT-Redaktion. Ihre Selbstverpflichtung, Kommentare zu löschen, die Gewalt verherrlichen, zu kriminellem Verhalten aufrufen, Obszönität verbreiten, steht im Kleingedruckten – in der Praxis wird sie sträflich missachtet.

Klaus Staeck ist Autor und Grafiker.

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