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Auf dem Land war es jahrzehntelang so, dass für alle, die Abitur und Studium anstrebten, der Abschied unabweisbar wurde.
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Auf dem Land war es jahrzehntelang so, dass für alle, die Abitur und Studium anstrebten, der Abschied unabweisbar wurde.

KOLUMNE

Ein neuer Blick aufs Land

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Wegen Corona reift in den Städten die Erkenntnis, dass das Umland nicht nur öde Wohngegend für Pendler sein darf. Die Kolumne.

Es soll in der ersten Öffnungseuphorie ja Leute gegeben haben, die Ausflüge aufs Land nur deshalb machten, weil dort die Gartenlokale schon wieder offen waren. Sei’s drum: Sie haben bei dieser Gelegenheit mehr gesehen als die lange vermissten Speisekarten. Neue Baugebiete zum Beispiel. Oder leerstehende Ladenlokale und Dorfkneipen. Oder interessanterweise beides nebeneinander.

Da lohnt sich ein neuer Blick – und sogar das hat mit Corona zu tun, genauer: mit dem dadurch ausgelösten Trend zum mobilen Arbeiten, umgangssprachlich Homeoffice genannt, über dessen Zukunft zwischen den Interessengruppen gerade ein wichtiger neuer Streit ausgetragen wird. Wenn nicht alles täuscht, beginnt auch wegen des Themas Homeoffice gerade eine neue Phase im Verhältnis Stadt-Land. Weil nicht nur die Verkehrsströme beherrschbarer wurden. Es entstehen neue Möglichkeiten, was den Wohnsitz betrifft.

Schreibtischarbeit auf Distanz ist neu denkbar geworden

In den Städten ist das Inseldenken noch weitverbreitet, in der städtischen Politik zumal. Da geht es fast immer nur ums Städtische selbst, der Rest der Welt ist uninteressantes Umland. Das hat stets die eine oder andere Borniertheit gefördert. Aber schon der Zuwanderungsdruck führte zu der Frage, ob dieses Umland nicht vielleicht auch ein Segen sein könnte, weil dort noch Flächen für den Wohnungsbau frei sind. In der einen oder anderen einschlägig geeigneten Gemeinde baute sich prompt eine neue Abwehrhaltung auf gegen das, was früher mal Verstädterung hieß.

Umgekehrt, Richtung Stadt: Auf dem Land war es jahrzehntelang so, dass für alle, die Abitur und Studium anstrebten, der Abschied unabweisbar wurde. Ganze Teilgenerationen verschwanden im ländlichen Raum, mit Konsequenzen von der Wirtschaftskraft bis hin zu den Sozialstrukturen. Auch da dreht sich jetzt vielleicht etwas um. Wegen der horrenden Wohnpreise in den Städten, aber auch, weil mindestens Schreibtischarbeit auf Distanz neu denkbar geworden ist.

Die alten Siedlungssterne werden immer attraktiver

Es sind dies spannende, teilweise alte, aber neu gewendete Fragen. Wer ihnen gerecht werden will, wird über Entwicklungskonzepte reden müssen. Die alten Siedlungssterne, meist entlang der wichtigen Bahnlinien, werden immer attraktiver. Aber es muss jetzt auch zwischen diesen Strängen dringend mehr Vernetzung geben, vom Verkehr bis zu Kultur und Sport, damit nicht alles weiter sternförmig auf die Metropolen zuläuft.

Ein anderer Punkt: Wenn die alten Ortsmittelpunkte aussterben, weil Geschäfte schließen und Kneipen keine Nachfolge mehr finden – muss dann nicht über lokale Zentren neu nachgedacht werden? Etwa, indem die randständigen, oft verwahrlosten Bahnhöfe und noch mehr ihr Umfeld stärker als Zugangstore und Begegnungsorte entwickelt werden, nicht zuletzt zwischen den Generationen?

Eine junge Bürgermeistergeneration könnte offener sein

Die ersten Spuren des Blickwechsels werden sichtbar. Eine junge Bürgermeistergeneration auf dem Land könnte für kreative Wege offener sein als die Vorgänger. In Mainz hat es die Entwicklung der Innenstädte (umständehalber: kleinstädtisch) gerade ins Regierungsprogramm geschafft, in Hessen ist das Thema auch schon aufgeschlagen. In den Städten kommt langsam die Erkenntnis auf, dass das Umland nicht nur öde Wohngegend für Pendler sein darf – im eigenen Interesse, was bedeutet: Augenhöhe statt Herabblicken aufs Land.

Corona als Bewusstseinsbeschleuniger, da stimmt es mal. Für die Zukunft gesucht: ein verändertes, dynamischeres Gleichgewicht zwischen Leben und Arbeiten. Eines, das sogar näher zusammenbringt, was früher mal zusammengehörte. Neugierde aufeinander inklusive. Kein kurzer Weg dorthin, aber ein schöner.

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