Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma (Archivbild).
+
Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma (Archivbild).

Kolumne

Ein Loblied auf Informierende

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

In Südafrika haben Journalistinnen und Journalisten mit sogenannten Whistleblowern das Land vor dem Absturz gerettet. Die Kolumne.

Zur Abwechslung mal ein Loblied in eigener Sache – auf einen Berufsstand, der in den vergangenen Jahren ins Gerede gekommen ist. Man spricht von fake news, dem Niedergang des Journalismus, seiner Trivialisierung und seiner ökonomischen Drainage. Früher konnte ich noch mit einigem Stolz die Frage beantworten: „Und was machst Du im Leben?“ Heute beschämt sie mich eher.

Über den Zustand meiner Branche in Deutschland kann ich mir kein Urteil erlauben, den kriege ich seit einem Vierteljahrhundert nur noch aus weiter Ferne mit. Doch in Südafrika haben Journalistinnen und Journalisten in den vergangenen Jahren das Land, wenn nicht gerettet, so doch zumindest vor dem Totalabsturz bewahrt – mit immer neuen Enthüllungen über die Zersetzung des Staates durch das kriminelle Netzwerk des ehemaligen Präsidenten und prägenden Kopf der Partei African National Congress, Jacob Zuma, des State Capture, wie man hier sagt.

Vergangene Woche veröffentlichte die „Kommission zur Untersuchung des State Capture“ unter Richter Raymond Zondo den ersten Teil ihres Abschlussberichts, der allein mehr als 800 Seiten lang ist und nach vierjähriger Arbeit sowie der Anhörung von mehr als 300 Zeug:innen zustande kam.

Wer den gigantischen Prozess mitverfolgt hat, weiß, dass sein Fundament auf der Arbeit einiger weniger Dutzend an Journalist:innen beruht: Investigative Reporter:innen, die sich tage- und nächtelang durch vage Tipps, umstrittene Verdächtigungen und riesige Mengen an kopierten E-Mails gearbeitet hatten, um aus bloßen Hinweisen belastbare Beweise zu machen.

An dieser Stelle auch eine Verbeugung an die „Whistleblower“. Ohne diese Informant:innen, die zumindest noch über ein Fünkchen an Moral verfügen, wären selbst die spitzfindigsten Enthüllungsjournalistinnen und -journalisten aufgeschmissen gewesen.

Die Whistleblowerinnen und Whistleblower setzen meist ihren Job, oft ihre Gesundheit und nicht selten auch ihr Leben aufs Spiel. Zwei Informant wurden in Südafrika bereits umgebracht, andere flohen außer Landes, wieder andere leben physisch und psychisch angeschlagen am Rand der Gesellschaft.

Richter Raymond Zondo machte kein Geheimnis daraus, dass seine Untersuchung fast ausschließlich auf den Berichten der Whistleblower und der investigativen Journalistinnen und Journalisten basierte. Seine Kommission habe von der Arbeit der Reporterinnen und Reporter „enorm profitiert“, pries der Richter die recherchierende Zunft: „Ohne sie hätten wir von vielen schmutzigen Dingen gar nichts gewusst.“

Das war Balsam für die Ohren der Journalistinnen und Journalisten, die sich jahrelang die Schelte des Präsidenten anhören mussten: Zuma hatte für alles, was vom Kurs der Währung bis zum Wetter schlecht lief, die Medien verantwortlich gemacht.

Nun sind die Heldentaten einiger Dutzend Reporterinnen und Reporter keine Ehrenrettung eines ganzen Berufsstands. Ein Fünfsterne-Koch kann auch kein verpfuschtes Steak aus der Welt schaffen.

Doch sollten Sie sich das nächste Mal wieder grundsätzlich über die Journaille ärgern, denken Sie bitte kurz an meine südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen. Ohne sie wäre das Kap der Guten Hoffnung heute ohne sein Prädikat.

Johannes Dieterich berichtet für die FR aus und über Afrika.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare