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Ein Lichtlein brennt

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Von: Manfred Niekisch

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Der ist doch viel zu schön um ihn abzuschmücken, oder?
Und was ist mit den Kerzen am Weihnachtsbaum? © Rainer Oettel/epd

Energie zu sparen ist das Gebot der Zeit. Weihnachten bietet viele Möglichkeiten dazu. Polemik gegenüber denen, die Vorschläge machen, ist unangebracht. Die Kolumne.

Irgendwie hat sich die Erkenntnis schon lange angebahnt. Der Energieverbrauch muss runter. Das hat die Klimakrise gelehrt, auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen.

Putins böser Krieg und der Schreck, wie sehr wir uns in die Abhängigkeit von russischen Energieressourcen begeben haben, verschärfen die Situation jetzt schnell und gewaltig. Aber ganz grundsätzlich konnte es sowieso nicht so weitergehen mit der klimaschädlichen Produktion von Energie und dem Schöpfen aus dem Vollen. Die Botschaft bleibt, wir müssen umdenken.

Es ist unübersehbar: Tierheime geraten unter dem Druck steigender Energiekosten in Existenznot, Schwimmbäder schließen, es sei denn, sie wollen zum Eistauchen einladen. Großstädte strahlen ihre baulichen Sehenswürdigkeiten nächtens nicht mehr an, Büros bieten nicht mehr wohlig warme Raumtemperatur, selbst Schulen und Kindergärten müssen mit den Kosten für Wärme kämpfen.

Kulturtempelchen und -tempel von der Kleinkunstbühne bis zu den großen Opernhäusern sollen nach der virusbedingten Durststrecke und eh schon chronischer Unterfinanzierung nun auch noch diese Bürde stemmen, und auf die Privathaushalte rollt eine Art Preis-Tsunami für Strom und warmes Wohnen zu. Da muss man sich einfach Gedanken machen, wo überall Energie gespart werden kann. Und wie.

In diesem Klima kommt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) daher und will den Deutschen das hell erleuchtete Weihnachtsfest vermiesen. So jedenfalls klingt es, wenn man manche Kommentare hört und liest auf die Forderung der DUH, die Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr deutlich zu reduzieren.

Aber ist es wirklich eine Katastrophe für die Weihnachtsstimmung oder den Einzelhandel, wenn zum Ladenschluss in fast menschenleeren Innenstädten die Festbeleuchtung der Straßen ausgeht? Oder gar nicht erst aufgehängt wurde, schon Wochen vorher? Wenn spektakulär üppiger Lichterschmuck von Privathäusern mit kunterbunt flackernden Elementen ausgedient hat und die Beleuchtung weihnachtlich reduziert wird?

Da wird doch niemand gleich depressiv werden wegen Lichtmangel. Oder, wie die DUH das vorschlägt, wenn Gemeinden sich mit nur einem (elektrisch) beleuchteten Christbaum schmücken? Vielleicht träte besinnliche Stimmung an die Stelle von kommerziell getriebenem Einkaufsstress.

Das sind doch Gebote der Vernunft angesichts all der berechtigten Sorgen um sichere und für alle finanzierbare Energie und deren beschränkte Verfügbarkeit. Es könnte zudem ein Zeichen der Solidarität werden mit all denen, in deren Heimatländern politische Dunkelheit, Unterdrückung, Krieg herrschen. Und mit denen, die sich bei uns Strom und Wärme sozusagen vom Munde absparen müssen.

Es mit weihnachtlichen Lichtorgien auch in diesem Jahr wieder so richtig krachen zu lassen, wenigstens an Weihnachten und jetzt erst recht, erscheint gänzlich aus der Zeit gefallen. Ja, die Lichtlein sollen brennen, wie einst, erst eins, dann zwei, dann drei dann vier. Der Vorschlag der DUH kommt rechtzeitig genug, damit jeder sich damit beschäftigen und überlegen kann, welche Ideen man im eigenen wie im kommunalen Haushalt zum weihnachtlichen Energiesparen umsetzen kann. Vielleicht geht manchem ja noch ein Licht auf.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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