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Ein Frosch zur Belohnung

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Von: Manfred Niekisch

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Unter die täglich wachsenden Sorgen mischt sich die Neugier, wohin der neue König die Monarchie entwickelt und ob die Umwelt sein Thema bleibt.

Was drückt derzeit nicht alles auf die Stimmung! Genervt, wenn nicht gar erkrankt durch Corona, litten so viele zudem unter den virusbedingt eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten. Der Streik der Lufthansa-Pilotinnen und Piloten warf dann zusätzlich so manchen Reiseplan durcheinander. Das Verständnis für diesen Lohnkampf hielt sich, wie die Stimmen der Straße zeigen, doch in sehr engen Grenzen.

Und jetzt, da es fast danach aussah, als ob zumindest tageweise wieder Alltag im Büro Einzug halten könnte, mit Aug-zu-Aug-Gesprächen und Flurfunk am Kaffeeautomaten, dräut neues Ungemach, und das ganz unabhängig von der schon im Aufbau befindlichen nächsten Corona-Welle. Büros wollen und werden die Raumtemperaturen senken, um Energiekosten zu sparen. Die darf dann jede Arbeitnehmerin, jeder Arbeitnehmer selber tragen, zu Hause, schon wieder im Homeoffice.

Das alles wird überlagert von der Last steigender Preise für eben diese Energie und für Lebensmittel fast jeglicher Art. Dass beim Einkauf jetzt ausgerechnet dort gespart wird, nämlich bei Produkten aus biologischem Anbau, wo wir aus Umweltgründen eigentlich mehr als je zuvor Steigerungen und Zuwächse brauchen, mutet an wie ein Treppenwitz.

Das alles paart sich mit dem andauernden Entsetzen über den grauenhaften Krieg, in den die Ukraine gezwungen wurde, und der Meldungen von Grausamkeit und Folter in Myanmar in den Hintergrund drängt.

Bei aller Trauer vermitteln da die Bilder der feierlich-bunten, berührenden, ästhetischen Rituale zum Tod der britischen Monarchin eine Mischung aus stillen Gedanken, Wehmut und Nostalgie. Und Neugier auf den neuen König.

Nach langen Jahren als royaler Lehrling und trotz seines hohen Bekanntheitsgrades darf man gespannt sein, wie er seine Rolle gestaltet und wohin er die Monarchie entwickelt. Hoffentlich vergisst er vor lauter Königsein nicht, dass ihm der biologische Landbau und der Artenschutz bisher ein Anliegen waren.

Da kann er gewichtige Botschaften aussenden, mit denen all die Menschen Rückenwind bekommen würden, die sich dem Thema verschrieben haben. Und er kann vielleicht sogar bei denen punkten, die der Monarchie als Staatsform eher kritisch gegenüberstehen. Oder die ihren neuen König einfach nicht für geeignet halten, aus welchen Gründen auch immer. Sie manifestieren ihre ablehnende Haltung gegenüber Charles selbst anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für die verstorbene Queen.

Sein bisheriger Einsatz für den Schutz von Natur und Umwelt und speziell tropischer Wälder dürfte kaum ausreichen, um Skeptikerinnen und Skeptiker zu überzeugen, dass da der Richtige auf dem Thron sitzt. Als Anerkennung für dieses Engagement wurde immerhin eine Laubfroschart aus dem Regenwald Ecuadors zu seinen Ehren Hyloscirtus princecharlesi genannt.

Damals war er noch Prince of Wales und es war überhaupt nicht absehbar, ob er denn jemals King werden würde. Das war im Jahre 2012, aber der Name hat auch nach den Krönungsfeierlichkeiten Bestand und wird natürlich nicht aktualisiert. Die Regeln zoologischer Nomenklatur sind da ziemlich strikt.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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