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Wir können uns in Europa und Nordamerika dumm und dämlich impfen – solange dies aber in Afrika, Asien und Südamerika nur spärlich geschieht, kriechen uns die Mutationen schneller in die Kapillaren, als wir sie erforschen können.
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Wir können uns in Europa und Nordamerika dumm und dämlich impfen – solange dies aber in Afrika, Asien und Südamerika nur spärlich geschieht, kriechen uns die Mutationen schneller in die Kapillaren, als wir sie erforschen können.

KOLUMNE

Eigennützig gönnerhaft

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Die Immunisierung der „Dritten Welt“ ist so etwas wie die Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch. Nur deshalb gewähren Pharmakonzerne den Armen billigen Impfstoff.

Eigentlich klingt das ja ganz hübsch. Da setzen sich in Rom ein paar Reiche zusammen und beschließen, ein paar Armen zu helfen. Uneigennützig, aus reiner Menschenliebe und ohne Hintergedanken. Kann das wahr sein? Sollte tatsächlich kurz vor Pfingsten der Heilige Geist in sie gefahren sein und ihnen einen Kübel Altruismus verimpft haben? Wenn es wenigstens ein Märchen wäre, könnte man es zumindest Kindern und „Querdenkern“ erzählen. Einigermaßen Erwachsenen und gedanklich Sortierten hingegen kommen leise Zweifel – und die werden immer lauter.

Beim „Gesundheitsgipfel“ saßen Gesandte der 20 reichsten Länder der Erde zusammen und beschlossen, ärmeren Staaten einige Milliarden Impfdosen gegen Covid-19 zukommen zu lassen. Nicht umsonst, doch zum „Selbstkostenpreis“. Die Hersteller, drei der größten Pharmamultis der Erde, nickten den Plan generös ab, selbstredend unter Beibehaltung der Patentrechte. Also alles gut? Na ja. Denn woher der plötzliche Sinneswandel? War da tatsächlich ein fahrender Geist im Spiel? Wenn ja, war das doch eher einer von der unheiligen Sorte. Denn dieses scheinbar so famose Hilfsangebot müffelt schon etwas nach Scheinheiligkeit.

Denn – sieht man einmal davon ab, dass Pharmaunternehmen so ziemlich alles machen, nur nichts umsonst – sorgen Tempo und Einmütigkeit des römischen Beschlusses für Stirnrunzeln. Denn es handelt sich hier nicht um eine rasche Hilfe nach einer Naturkatastrophe, sondern – so man es wirklich ernst meint – um eine lange und kostspielige Maßnahme. Und gerade wenn es um Unterstützung sogenannter Drittweltländer geht, ist man ja seit Jahrzehnten anderes gewohnt. Traditionell nämlich versorgt man diese Staaten vornehmlich mit Waffen, Giftmüll, Schrottautos, Altkleidern und den für uns minderwertigen Teilen von Hühnern. Was also sind die wahren Beweggründe?

Die sind recht simpel. Die römische Runde hat schlicht und endlich erkannt, dass eine globale Pandemie eine globale Pandemie ist. Der heilige Geistesblitz schenkte ihnen die Erkenntnis „Huch, wir sind ja doch eine Welt!“. Eine dritte gibt es plötzlich nicht mehr. Folglich können wir uns in Europa und Nordamerika dumm und dämlich impfen – solange dies aber in Afrika, Asien und Südamerika nur spärlich geschieht, kriechen uns die Mutationen schneller in die Kapillaren, als wir sie erforschen können. Also ist eine Immunisierung der „Dritten Welt“ so etwas wie die Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch – nur in diesem Fall keine tumbe Phrase, sondern nackte Wahrheit. Ergo muss da Impfstoff hin.

Also einfach welchen liefern? Ja. Anfangs. Doch dann soll Hilfe zur Selbsthilfe helfen. Man werde Afrika ermöglichen, eigenständig Vakzine herzustellen, hieß es gönnerhaft aus Rom. Das klingt nobel, entspringt jedoch der während der Pandemie gewonnenen Weisheit, dass eine Abhängigkeit von den Arzneifabriken Indiens riskant ist. Und die Pharmariesen werden gegen einige Werke in Ländern mit noch niedrigeren Löhnen gewiss nichts einzuwenden haben. Erst recht nicht, wenn sie sie nicht selbst bauen müssen.

Da liefert man doch auch gerne mal einige Milliarden Impfdosen zum Selbstkostenpreis – zumal man den entgangenen Gewinn doch gewiss steuermindernd geltend machen kann.

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