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Kolumne

Donald Trump: Ein Widerling als Volksfreund in den USA

  • vonRichard Meng
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Wer einen Lügner wie Donald Trump wählt, mag engstirnig sein. Verlogen muss sie oder er aber nicht sein. Die Kolumne.

  • Fast die Hälfte des US-Publikums hat erneut Donald Trump gewählt.
  • Mit Argumenten alleine ist da wohl nichts zu machen.
  • Aber die US-Wahl 2020 zeigt: Offene Demokratien sorgen dafür, dass Gegensätze auf den Tisch kommen.

Es ist verstörend, aber es ist auch ein Moment der bitteren Wahrheit. Die Frau, wahrlich nicht aus der Oberschicht, erklärt dem Reporter irgendwo in der US-Provinz, warum sie weiter für Donald Trump zittert. Weil der so anders sei, so grundehrlich, weil er sich so einsetzt „für uns“. Mit Inhalten hat das wenig zu tun, mit Gefühlen und Leutseligkeit viel. Ja, sie vertraut. Um es mit Barack Obama zu sagen: Wahrheit spielt keine Rolle.

Donald Trump.

Donald Trump beweist: Manch fieser Herrscher wird verehrt

Wer das mit emotionaler Verwirrtheit erklärt, hat Recht und Unrecht zugleich. Widerlinge als Volksfreunde, Verbrecher als Hoffnungsträger: Das hat es immer gegeben, nicht nur im Extremfall der Nazi-Barbarei. Die positiven Gefühle, die sie ausbeuten, sind nicht böse und nicht unehrlich. Unter den Begeisterten und Hinterherläufern sind nicht nur hartgesottene Mittäter, die es im T-Fall freilich auch reichlich gibt.

Manch fieser Herrscher wird verehrt. Unterdrückung und Unfreiheit, von Iran über Russland bis China und erst recht Nordkorea, können dann auf echte, und sei es durch materielle Versprechen geförderte Gefolgschaft zählen. Die unendliche T-Soap zeigt, wie sich solche Mechanismen bis in Demokratien hinein fortsetzen, hin zur offenen Realitätsverweigerung. Mögen manche hinterher, wenn Joe Biden erst im Amt ist, auch sagen, sie seien verführt worden.

Donald Trump zeigt: Mit Argumenten alleine ist nichts zu machen

Es sind dies uralte Mechanismen, die in der digitalen Welt auf neue Weise wieder unantastbarer werden. Die spannende Frage dabei aber bleibt die nach den Chancen von Aufklärung. Da machen viele sich viel vor. Mit Argumenten alleine ist nichts zu machen. Mit Überlegenheitsattitüde, liebe Leute aus den Bildungsmilieus, schon gar nichts.

Fast die Hälfte des US-Publikums hat erneut einen eitlen, hasserfüllten, notorischen Lügner mit psychopathischen Zügen gewählt. Dieses unter der Parole Freiheit und auch gerade weil er die offene Gesellschaft mit Füßen tritt. Diese Leute mögen ignorant, engstirnig und selbstbezogen sein, aber deswegen sind sie noch nicht selbst alle verlogen und psychopathisch.

Donald Trump funktioniert auch charismatisch-väterlich

Das Paradoxon geht weiter: Einer wie Donald Trump hat in seiner persönlichen Ausstrahlung tatsächlich Seiten, die Menschen abholen, weil sie charismatisch-väterlich funktionieren. Erfolgreiche Lügner sind Leute, denen man die Lüge nicht ansieht, sonst wären sie nicht erfolgreich. Etwas Reales wird da bedient. Etwas Kulturelles, sehr Emotionales, tief Reichendes, auf das sich – im T-Fall: rechte – Inhalte draufsetzen wie ein tödliches Virus. Genau deshalb ist es so schwer, damit aufklärerisch umzugehen, in T-Land wie überall.

Abgrenzen oder Dialog führen ist die falsche Alternative, dies so zu sehen, ist geradezu Teil des Problems. Na klar abgrenzen, ganz strikt. Hinhören und Hinfühlen aber auch. In Corona-Deutsch: mit etwas leben, das nun mal vorhanden ist und nicht wegbeschlossen werden kann. Es sich nicht ausbreiten lassen, Immunitäten stärken. Aber das ist nun leider noch keine Handlungsanleitung, sonst wäre die professionelle politische Bildung erfolgreicher. Ist sie aber nicht.

Joe Biden: Eine Art Impfung mit unaufgeregter Normalität

Es wäre viel erreicht, wenn den Trumpisten jetzt möglichst die Emotionspunkte genommen würden, wozu ein Opatyp wie Joe Biden vielleicht gut taugt. Die Anlässe, sich aggressiv auf der richtigen Seite zu fühlen. Eine Art Impfung mit unaufgeregter Normalität wäre das.

Ein Vorteil der offenen Demokratien bleibt: Sie sorgen dafür, dass Gegensätze auf den Tisch kommen, dass Konflikte geregelt ausgetragen, letztlich miteinander durchlebt werden müssen. Ob man es mag oder nicht. Wer über ein gespaltenes Land jammert, sollte bedenken: Spaltung verhindert das nicht, Spaltung schreit danach. (Richard Meng)

Rubriklistenbild: © Susan Walsh/dpa

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