Zwei Affen mit Maske.
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Kolumne

Donald Trump und Corona: Wider die Gewöhnung

  • vonRichard Meng
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Die Pandemie und die US-Wahl. Andere Themen scheint es nicht zu geben. Das darf nicht sein. Die Kolumne.

Corona und Trump, Trump und Corona – nur das ist, was noch interessiert in diesen Tagen. Die Pandemie und die wankende Traditionsdemokratie, das überschattet alles andere. So ist es in derart historischen Zeiten, insoweit kein Problem.

Ein Problem ist aber die Art, wie solche Megathemen mit der Zeit alles Denken beeinflussen. Wie man sich nach und nach abgewöhnt, das Ganze und den längerfristigen Prozess zu betrachten. Wenn alles sich nur noch um den neuesten Infektionstrend oder um den nächsten Tabubruch in Washington dreht, weil das nun mal so existenziell ist. Vom Tag her betrachtet.

Die Trumps der Welt schwingen die Abrissbirne

Das Ganze? Es ist schwer erkennbar in solchen Phasen. Die Entwicklung der liberalen Demokratien und ihrer Ausstrahlung, bedroht von innen durch die rechten Populisten und von außen durch die Ruchlosigkeit autoritärer Ideologen.

Die Trumps der Welt schwingen die Abrissbirne – und was steht wie dagegen? Dann die Frage sozialer Spaltungen weltweit, durch Corona verstärkt, selbst wenn es so richtig noch nicht zutage tritt, auch weil das „eigene“ Land finanziell derart in die Vollen gehen kann.

In Katastrophenzeiten leben die Menschen immer ganz in der Gegenwart, orientieren sich noch mehr als sonst am näheren Umfeld. Auch das mag dazu beitragen, dass die Trump-Anhänger der Meinung sind, dessen Krisenmanagement sei gut. Während sich selbst in Europas rationalen Schutzreflexen gegen die zweite Viruswelle eher Ratlosigkeit spiegelt als zielbewusstes Vorgehen. Tageshandeln halt.

Corona führt dazu, dass auch der Dezember unerträglich ausfallen wird

Strohhalmtechnisch betrachtet ist das Sehnsuchtsdatum jetzt Weihnachten und drum herum ein erträglicher Dezember. Die Welt der Wünsche ist klein und überschaubar geworden. Die offizielle Erträglichkeitsschwelle: 50 Infektionen wöchentlich pro hunderttausend Einwohner.

Von dem unrealistischen Ziel, Infektionsketten nachzuvollziehen, hat die Politik sich damit aber noch nicht verabschiedet. Was angesichts des Maßstabs 50 wiederum bedeutet, dass auch der Dezember wohl doch eher unerträglich ausfallen wird.

Corna und Trump: Ist sonst noch was?

Sonst noch was? Terror, Klima, CDU-Vorsitz? Wie war das Argument für die Absage des einen oder anderen Parteitags: Ihn durchzuführen, wäre nicht vermittelbar, wenn Menschen Kontaktvermeidung gepredigt werde. Ein zwingendes Argument, aber eben auch eines, das die Demokratie nicht gerade anschlussfähiger macht. Das Ganze des Zusammenlebens: Es ist, als würde es zerhackt und dann teils in die Zukunft verschoben.

Ein anderer Effekt, der massiv wirkt: Jedes Thema wird national gedreht, beiderseits des Atlantiks. Das Wort von der nationalen Anstrengung (Jens Spahn) bezogen auf Corona umschreibt diese Denkwelt. So wie der Wetterbericht sich national versteht, ist es mit den morgendlichen Coronazahlen. So wird definiert, was wir mit dem Wir meinen. Den Geltungsbereich der Zahlen des Robert-Koch-Instituts.

Ja, es gibt sonst noch was. Es gibt weltweit Entwicklungsmodelle, die gerade jetzt vor dem Scheitern stehen, ohne dass jemand hinschaut. Es gibt Krisenverlierer (vor allem in sozialer Hinsicht) und Krisengewinnler (in autoritärer). Es gibt die große Geschichte oberhalb der kleinen. Das Problem ist, den eigenen Horizont nicht zu verengen. Zumal so viel an Kultur ausfällt, deren Wirkung diesbezüglich ja Prophylaxe wäre.

Es bleibt nur, sich nicht an solche Zeiten zu gewöhnen. Auch nicht an die Internet-Pflichtübungen als Ersatz für ausgefallene reale Begegnung. All das nervt, der tägliche Donald Trump sowieso. Ein unerträglicher November? Früher war sonst noch vieles – gewesen. Heute lohnt der Kampf gegen das Vergessen.

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