Dieter Nuhr kommt aus der Sommerpause zurück und hat in der ARD Rassismus, Sexismus und schlechte Witze im Gepäck.
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Dieter Nuhr kommt aus der Sommerpause zurück und hat in der ARD Rassismus, Sexismus und schlechte Witze im Gepäck.

TV-Kritik

Dieter Nuhr (ARD): Rassismus, Sexismus und schlechte Witze - nein danke!

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Dieter Nuhr ist in der ARD zurück. Und mit ihm eine Riege der Stammtisch-Kabarettist*innen im vermeintlichen Kampf gegen Political Correctness. Die TV-Kritik.

Eigentlich reicht der Stammtisch-Kabarettist Dieter Nuhr schon völlig aus, um Netflix dem Öffentlich-Rechtlichen vorzuziehen. Wenn er jedoch mit Lisa Eckhart, Monika Gruber, Florian Schröder und Wolfgang Trepper eine Riege pseudo-revolutionärer Schenkelklopfer*innen um sich sammelt, die sich gegenseitig teils darin überbieten, der links-versifften Political Corectness auf den Keks zu gehen, lohnt sich ein Blick in den Abgrund allemal. Und sei es auch nur dafür, alles im Vorfeld befürchtete zu bestätigen.

Als ein „rassistisch-homophobes Stammtischtreffen“ hat der Theaterregisseur Falk Richter das audio-visuelle Stelldichein in der ARD auf Twitter bezeichnet. Ganz falsch liegt er mit dieser Einschätzung nicht.

Dieter Nuhr und das verharmloste Coronavirus

Dieter Nuhr ließ sich, wie es so seine kumpelhafte Art ist, erst einmal deshalb abfeiern, weil er „noch da“ ist. Seine ganze „Systemkritik“ habe es sozusagen nicht geschafft, ihm den Sendeplatz zu nehmen; Nuhr hat halt nu(h – voll lustig)r ein Sommerpäuschen gemacht. Schade eigentlich, geistert es durch den Kopf, aber wir leben in einer Demokratie, und in einer solchen gibt es eben einen Nuhr.

Der bashte zunächst einmal Karl Lauterbach – „Im Haushalt kommen jährlich 10.000 Menschen um“ –, weil die Verharmlosung des Coronavirus aktuell voll angesagt ist. Aber den smarten rechten Stammtisch-Versteher geben, darauf ist Nu(h – voll lustig)r ja spezialisiert.

Kabarett für die gequälte Volksseele

Monika Gruber hingegen war nett, aber harmlos. Dann wieder nur Nuhr. Dann Wolfgang Trepper, auch nett und auch harmlos. Dann wieder der „alte weiße Mann“ (Nuhr) Nuhr, der sich schon lange fühlt, als wäre er „ein junger lesbischer Kirgise“. Was haben wir gelacht über die natürlich voll satirisch und voll ironisch gemeinte Abwertung von Menschen mit einer Identitätsbestimmung jenseits des Nuhrschen Stammtisch-Baukastens. Dann ging es noch, ungefähr auf dem Niveau von Birgit Kelle, gegen den verfluchten Gender: Warum Prostata-Kranke nicht gendern? Ach, und bei dem Vergleich „Vagina = Tiefgarage“ soll dann doch bitte nicht geklatscht werden. Er ist halt einfach nu(h)r lustig – „in der Mitte der Gesellschaft…heimatlos“, der nicht unclevere Stammtisch-nu(h)r-Nuhr.

Florian Schröder, das ist der, der diesen voll lustigen Podcast mit Serdar Somuncu mit zu verantworten hat, versuchte mit dem Rassismus-Thema sich seinem Gastgeber in Sachen ‚Anbiedern an die deutsche Volksseele‘ anzunähern: „…Ich kann über Rassismus sprechen… auch als weißer Mann, denn ich bin frei… das ist das Schöne.“ Er kaufe ausschließlich in Läden, wo er die Schrift über dem Geschäft nicht lesen könne. Aber es geht noch besser: „Neulich war ich bei Saturn, da sprach mich ein deutscher Verkäufer an. Da habe ich gesagt: ‚Hau ab, gib mir den Türken‘.“ Das ist so krass satirisch, wie es der Deutsche gerne hat. Wir sind formvollendet antirassistisch, da dürfen wir uns alles erlauben, egal auf wessen Kosten es geht. Auch dass die „Afrikaner ja so toll“ sind. Dass Satire von unten nach oben besser funktioniert, haben sie bei Nuhr nu(h-voll lustig)r einfach noch nicht mitbekommen.

Lehrerbashing mit Dieter Nuhr

Und schon wieder Nuhr. Bisschen Lehrerbashing. Warum sollte er sich auch auf ein Terrain wagen, dass weniger Lacher bringt als die Klassiker Lehrer und Kuschelpädagogik. („Alles außer Lob gilt heute als strukturelle Gewalt… Wenn sie in die Hose machen, bleiben sie (die Kinder) zu hause“ - übrigens wie die Lehrer während Corona (Nuhr).

Dann kam, als wäre das alles nicht schon schlimm genug, Lisa Eckhart. Also jene, die mit folgendem Satz bekannt wurde: „Juden, da haben wir immer gegen den Vorwurf gewettert, denen ginge es nur ums Geld, und jetzt plötzlich kommt raus, denen geht’s wirklich nicht ums Geld, denen geht’s um die Weiber, und deshalb brauchen sie das Geld.“ Natürlich voll Satire, kann man auch machen und sich im Nachhinein als missverstandenes Genie in Szene setzen.

Bei Geschmacklosigkeit darf Lisa Eckhart nicht fehlen

Aber Geschmacklosigkeit ist ja bekanntlich Geschmacksache. Lisa Eckhart wurde frenetisch begrüßt. Um dann, ganz die smarte Wienerin, zu flöten, wie viele durch Corona denn Freunde verloren hätten: „Nicht weil sie tot sind, sondern anderer Meinung.“ Meinte sie etwa Attila Hildmann? Fällt das eigentlich auch unter ihre Satire, dass sie konsequent – „ich bin Österreicher“ – nicht gendert? Ist eigentlich wurscht, denn ihre Rolle ist dermaßen affektiert, dass das Anschauen sowieso eine Qual ist.

Aber sie passt perfekt in Nuhrs Gruselkabinett, in dem der allerdings mit großem Abstand die Nummer 1 stellt als unlustigster Volksunterhalter seit …äh, die Leserin möge diese Lücke selbst füllen. Mir fällt gerade niemand ein. (Von Katja Thorwarth)

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