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LGBTI-Organisationen haben gegen die verkorkste Diskussionsrunde der SPD protestiert.
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LGBTI-Organisationen haben gegen die verkorkste Diskussionsrunde der SPD protestiert.

Kolumne

Die SPD und die Identitätsdebatte

  • VonJoane Studnik
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Bei einer Debatte ist es wichtig, sich in die jeweils andere Person hineinzuversetzen. Das ist oft leichter gesagt als getan. Die Kolumne.

Frankfurt – Eine verkorkste Diskussionsrunde, veranstaltet vom SPD-Kulturforum und der SPD-Grundwertekommission, erhitzt auch Wochen später die Gemüter von Genossinnen und Genossen. Wenige Tausend Menschen haben online mitverfolgt, wie der von Gesine Schwan moderierte Jour fixe mit der „FAZ“-Feuilletonchefin Sandra Kegel aus dem Ruder lief.

Schon im Vorfeld hatten LGBTI-Organisationen gegen die Veranstaltung protestiert, die auf einen umstrittenen Kommentar Kegels zum Actout-Manifest von 185 queeren Schauspielerinnen und Schauspielern Bezug nahm. SPD-Chefin Saskia Esken und Vize Kevin Kühnert zeigten sich im Nachgang „zutiefst beschämt“ über „die fehlende Zurückweisung von Grenzüberschreitungen und die mangelnde Sensibilität im Umgang mit den Gäst:innen“. So steht es in einer Einladung zu einem Gespräch, in dem Kühnert und Esken kommende Woche Vertretern der LGBTI Empathie und Solidarität demonstrieren wollen.

Kegel bestreitet in ihrem Kommentar die Ungleichbehandlung von queeren Schauspielern mit dem Hinweis auf die „Dauerpräsenz“ bekannter TV-Gesichter wie Ulrich Matthes und Maren Kroymann. Kroymann hatte sich zuvor geoutet, Matthes allerdings erst jetzt. Wenn Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender oder Intersexuelle mal eine Rolle nicht bekämen, findet Kegel, mag das „ärgerlich sein und sicherlich auch kränkend, aber lebensgefährlich ist das nicht“.

Harsche Reaktionen auf diesen flapsigen Umgang mit einem offensichtlichen Problem führt die Journalistin im Jour fixe auf ein von „Nervosität“ geprägtes Debattenklima zurück: „Wir sind alle so empfindlich geworden, dass wir einem robusten Streit lieber aus dem Weg gehen.“

Die Schauspielerin Bettina Hoppe gehört zu denen, die Actout ein Jahr lang vorbereitet hatten. Von Kegel zum Streitgespräch herausgefordert, spricht Hoppe im Jour fixe lieber von ihrer Lebenswirklichkeit: Gerade einmal drei Rollenangebote, die ihrer sexuellen Identität entsprächen, habe sie im Laufe ihrer Theaterkarriere erhalten. Auch Heinrich Horwitz gehört zu den 185 Actout-Gesichtern. 2019 outete sich Horwitz als nichtbinär und beklagt, seitdem auf Rollen reduziert zu werden, bei denen es um „Stigmatisierung“ gehe. „Jeden Tag bin ich mindestens einmal Alltagsdiskriminierung ausgesetzt.“

Die Folgen von Alltagsdiskriminierung für queere Menschen hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gerade ausgerechnet: Dreimal so häufig erkranken diese an Depressionen, erleiden deutlich häufiger Angststörungen und Herzleiden als andere Menschen.

Nollendorfblogger Johannes Kram weist im Jour fixe darauf hin, dass sich gerade einmal jeder dritte queere Mensch im Arbeitsumfeld geoutet habe. Probleme, die nach Lösungen schreien. Diese untragbare Situation zu überwinden, dazu sollte Actout beitragen.

Doch dass solche Probleme überhaupt existieren, bezweifelt Kegel – als Beweis nennt sie das ZDF-Vorabendprogramm, wo queere Rollen sogar überrepräsentiert seien. Dem Blogger Kram wirft sie „Cancel Culture“ vor – und geht auf dessen Argumente gar nicht erst ein.

Zu Recht sorgt sich da Gesine Schwan im Rückblick auf die gescheiterte Gesprächsrunde um das öffentliche Debattenklima. Wie wichtig es sei, sich in die jeweils andere Person hineinzuversetzen, hatte sie da betont. So leicht ist das gesagt, so leicht ist die Chance verspielt. (Joane Studnik)

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