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Ein Bild von der Tiefsee im Mariannengraben.
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Ein Bild von der Tiefsee im Mariannengraben.

Kolumne

Die „Sonne“ und die tiefe See

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Wir wissen mehr über die Oberfläche des Mondes als über den Grund unserer Meere. Ein Forschungsteam will das ändern. Die Kolumne.

Eine Diva nennt man sie. Nein, es geht nicht um Greta Garbo, sondern um die „Ice Diva“. Der Kurzname steht für eine Forschungsexpedition, deren Bezeichnung ausgeschrieben umständlicher kaum sein könnte: „Icelandic marine Animals meet Diversity along latitudinal gradients in the deep sea of the Atlantic“. Selbst mit guten Englischkenntnissen lässt sich allenfalls ansatzweise erkennen, worum es geht: Von Island bis zu den Azoren soll die See untersucht werden, in Tiefenbereichen zwischen 4000 und 5000 Metern. Vom Schiff „Sonne“ aus, unter der Leitung des Forschungsinstitutes mit der klangvollen Bezeichnung „Senckenberg am Meer“, erkunden 21 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf Wochen lang die Beschaffenheit des Meeresbodens und die biologische Vielfalt dort unten. Es ist der Auftakt zur Dekade der Ozeane, welche die Vereinten Nationen ausgerufen haben, um bis 2030 die Erforschung und den Schutz der Weltmeere voranzutreiben.

Es ist schon absurd, dass wir über die Oberfläche des Mondes besser Bescheid wissen als über den Grund unserer Meere. Denn während die Entnahme von ein paar Kilo Steinen, welche die Astronauten vom Mond mitbrachten, dem fernen Erdsatelliten kaum geschadet haben dürfte, richtete der Tiefseebergbau den Meeresgrund bereits übel zu.

Dabei steht die Erschließung gerade erst am Anfang. Es locken Erdöl, Erdgas, viele Metalle, darunter das begehrte Mangan, das sich für den Batteriebau und zur Durchhärtung von Stahl rapide steigender Nachfrage erfreut, sofern man hier von Freude reden kann.

Schon vor Jahren hat eine Expedition mit der gleichnamigen Vorgängerin des hochmodernen Forschungsschiffes „Sonne“ vor den Küsten Perus die Folgen des Aberntens der Manganknollen im weichen Tiefseeboden dokumentiert. Das Leben dort ist zerstört, auf viele Jahrzehnte oder gar für immer. Die Trübungswolken aus dem aufgewirbelten Sediment können noch in dreißig Kilometern Entfernung Korallen und andere Meereslebewesen überdecken und ersticken.

Diese Belastungen bürden wir den Ozeanen noch zusätzlich auf, nachdem wir ihnen mit Überfischung, Verlärmung, welche den selten gewordenen Walen die Kommunikation erschwert, Versauerung, Versenkung von Kriegswaffen, Chemikalien und all dem anderen Müll, Mikroplastik und Anstieg der durch den Klimawandel bedingten Wassertemperatur schon erheblich an die Substanz gegangen sind. Recht sorglos, ganz so, als ob die Meere für unsere Ernährung und das Weltklima keine Rolle spielten.

Man fühlt sich an das Schicksal der tropischen Wälder erinnert. Sie erschienen noch vor wenigen Jahrzehnten als unerschöpflich und, wie heißt es so ausdrucksstark, unkaputtbar. Bevor wir verstanden haben, wie sie funktionieren und wie bedeutsam sie für den Globus sind, hat ihre vorsichts- und rücksichtslose Ausbeutung Arten, Hoffnungen und Chancen zunichte gemacht.

Wenn das Forschungsschiff „Sonne“ im Februar in den Hafen von Emden zurückkehrt, dürfte es reichlich wissenschaftliche Erkenntnisse an Bord haben, wie die Meere besser geschützt werden können. Allerdings zeigt sich an den Tropenwäldern wie auch an der mit dem Jahr 2020 zu Ende gegangenen „UN-Dekade biologische Vielfalt“, dass gesichertes Wissen nicht unbedingt das notwendige politische Handeln auslöst. Wider alle Vernunft.

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