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Hat der ehemalige Präsident Donald Trump die Lüge salonfähig gemacht?
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Hat der ehemalige Präsident Donald Trump die Lüge salonfähig gemacht?

Kolumne

Donald Trump und die Sache mit der Wahrheit

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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So unterschiedlich Giordano Bruno und Donald Trump sind, sie eint ein spezielles Verhältnis zur Lüge. Die Kolumne.

Frankfurt am Main - Eigentlich – so könnte man denken – haben die beiden ja herzlich wenig miteinander zu tun. Handelt sich doch um zwei vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, Donald Trump und Giordano Bruno.

Der eine wurde der Verbreitung von Unwahrheiten und Manipulation beschuldigt, der andere war Priester, Dichter, Philosoph und Astronom. Der eine war Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und entzieht sich trotzig und beständig diverser Gerichtsverfahren in den USA, der andere wurde am 17. Februar des Jahres 1600 auf dem Campo dei Fiori in Rom verbrannt, weil er trotzig und beständig behauptete, Jesus sei nicht Gottes Sohn und das Jüngste Gericht Mumpitz (wohl nicht wörtlich, aber sinngemäß).

Donald Trump ein selbstgefälliger Schurke

Was soll der Vergleich? Der eine war schließlich ein Ehrenmann, der früh die Scharlatanerie der Geistlichkeit erkannte und als solche benannte und bis zu seinem Tod nicht davon abwich. Er wurde sogar im wahrsten Sinne des Wortes mundtot gemacht, denn damit er nicht zu den anwesenden Schaulustigen sprechen konnte, hatte man ihm bei seiner Hinrichtung die Zunge festgebunden. Der andere war und ist ein selbstgefälliger Schurke, der nicht nur zu Zeiten Giordano Brunos einen veritablen Kirchenfürsten hätte abgeben können.

Und doch eint die beiden etwas: ein spezielles Verhältnis zur Lüge. Trump hat Lügen nach Ansicht des Psychoanalytiker Otto Kernberg salonfähig gemacht. Kernberg: „Aus Trumps Sicht dient das Lügen der Wahrheit, einer Wahrheit, die er – und nur er – kennt. Es ist demnach echt, wenn er behauptet, er sei so großartig.“ Demnach lügt Trump nicht, wenn er lügt.

Giordano Bruno hingegen wird das gottvolle Zitat „Se non è vero è ben trovato“ zugeschrieben, „wenn es nicht wahr ist, ist es schön erfunden“. In welchem Zusammenhang er das gesagt haben soll, ist allerdings nicht überliefert.

Donald Trump steht die Ehre, die Lüge salonfähig gemacht zu haben, nicht zu

Man könnte sich jedoch vorstellen, dass er all die schönen Geschichten in der Bibel für nett hielt, unterhaltsam, spannend, lehrreich und dramaturgisch geschickt erzählt – aber halt erfunden. Das wären dann gleich zwei Tatbestände der Ketzerei. Die sogenannte „Heilige Schrift“ als launige Bettlektüre und die Lüge nicht als Sünde zu bezeichnen, was eben einem der zehn Gebote widerspricht.

Demnach ist festzustellen, dass Donald Trump selbst die Ehre, die Lüge salonfähig gemacht zu haben, nicht zusteht. Die Lüge und ihre kleine Schwester, die Flunkerei, sind seit Jahrhunderten Bestandteil unseres täglichen Lebens, wenn nicht gar der Kitt unserer Gesellschaft.

Mit Donald Trump ist es wie mit Beton

Denn „das Unwahre bietet schlicht eine Möglichkeit, unsere Persönlichkeit zu erweitern“, erkannte Oscar Wilde. Und Voltaire stellte bereits fest: „Lügen ist ein Laster, wenn man damit Schaden anrichtet, aber eine Tugend, wenn man damit nützt.“ Es ist also wie beim Beton. „Es kommt darauf an, was man daraus macht“, lautete mal ein Slogan der Zementhersteller.

Aber ist das wahr? War Werbung überhaupt jemals wahr? Ist nicht ihre ureigenste Aufgabe „aus Scheiße kleine Zwerge zu backen“, wie ein alter Spruch der Branche besagt? Lassen wir es dabei. Wir kommen an dieser Stelle der Wahrheit sowieso nicht auf den Grund.

Widmen wir uns abschließend doch lieber einer weiteren Persönlichkeit, Rio Reiser. Denn wie sang der mal so schön? Richtig. „Alles Lüge“. (Michael Herl)

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