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 Der Internationale Tag des Tigers  soll auf die Bedrohung der gestreiften Großkatzen aufmerksam machen.
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Der Internationale Tag des Tigers soll auf die Bedrohung der gestreiften Großkatzen aufmerksam machen.

Kolumne

Die Erdüberlastung und die Tiger

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Zwei alarmierende Gedenktage fallen zusammen. Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun. Die Kolumne.

Manche Gedenktage sind einfach nur albern und bewegen sich hart an der Grenze zum Blödsinn. Oder überschreiten sie sogar. Was soll denn ein National Chickenwing Day, wie er am 29. Juli in den USA begangen wird? Leider gedenkt man da nicht der Hühner, deren Flügel in den Fritteusen landen, sondern eher der Rezepte für die zahlreichen Saucen dazu.

Doch am gleichen Tag überlappen sich dieses Jahr zwei ernstzunehmende Tage, die auf den ersten Blick wenig oder nichts miteinander zu tun haben, die völlig unabhängig voneinander eingerichtet wurden und die doch enge Bezüge zueinander haben.

Es sind der Internationale des Tigers und der Erdüberlastungstag. Der erstgenannte findet alljährlich zum gleichen Datum statt und soll auf die Bedrohung der gestreiften Großkatzen aufmerksam machen. Die wenigen dieser wildlebenden Tiere, die erschossen wurden, weil sie sich als Menschenfresser auf die verkehrte Beute spezialisiert hatten, fallen zahlenmäßig kaum ins Gewicht, ganz im Unterschied zu zwei anderen Faktoren, wegen derer diese einst über weite Teile Asiens verbreitete Tierart am Rand der Ausrottung steht.

Von den in der Kolonialzeit rapide zunehmenden großen Trophäenjagden haben sich die Bestände nie mehr erholt. Gleichzeitig weitete sich die Abholzung der Regenwälder aus und so verloren und verlieren die Katzen ihre Lebensräume. Einige Unterarten sind bereits unwiederbringlich ausgestorben und die Gefahr für die übrigen ist längst nicht gebannt.

Hier findet sich die Verbindung zum zweiten „Gedenktag“ am 29. Juli. Dieser Erdüberlastungstag wird alljährlich vom World Footprint Network neu berechnet. Es ist das Datum, an dem die natürlichen Ressourcen der Erde für dieses Jahr eigentlich aufgebraucht sind.

Konkret heißt das für das heutige Datum, dass seit zwei Tagen die Ökosysteme der Erde nicht mehr in der Lage sind, das zu produzieren, was die Menschheit verbraucht. Wir zapfen also seit gestern das Kapital an, weil wir nicht nachhaltig wirtschaften. Wir konsumieren viel mehr als unser Globus liefern kann. So, als ob wir mehrere Erden zur Verfügung hätten und ihre Schätze, welche unseren Wohlstand und unser Leben sichern, unbegrenzt ausbeuten könnten. Und das seit Jahren.

Im vergangenen Jahr lag der Erdüberlastungstag einen ganzen Monat später, die Wirtschaft hatte pandemiebedingt ein paar Gänge zurückschalten müssen. Schon damals wurde gewarnt, das relativ späte Datum im Jahr 2020 dürfe nicht optimistisch bewertet werden, denn nach Abflauen der wegen Corona verordneten Bremse würde sich dies nicht als Trend fortsetzen. Die Skeptiker behielten recht. Leider. Dieses Jahr sind wir so verschwenderisch im Ressourcenverbrauch wie vor der Pandemie.

Einer der wichtigsten Treiber ist die Vernichtung der Tropenwälder. Und schon wird klar, wie das mit dem Tag des Tigers zusammenhängt. Erde überlastet, Wälder kaputt, Tiger weg. Wir müssen die richtigen Konsequenzen aus dem Erdüberlastungstag ziehen. Runter mit dem Ressourcenverbrauch, runter mit den Emissionen von Treibhausgasen. Wer mag, kann dabei an den Tiger denken. Oder einfach nur an die eigene Zukunft.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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