US-Präsident Donald Trump
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Mit der Wahrheit nimm es US-Präsident Donald Trump nicht ganz genau.

Kolumne

Donald Trump und die Wahrheit: Die Blindflüge des Präsidenten

Donald Trump nutzt jede Chance, Wahrheiten durch seine Meinung zu ersetzen. In der Arktis setzt er auf Erdöl statt auf Zukunft.

  • Donald Trump ist es egal, wie die Wahrheit aussieht.
  • Der US-Präsident setzt sich über jegliche Expertenmeinungen hinweg.
  • Die Realität der Corona-Pandemie und des Klimawandels wird ständig verdreht.

Im Westen toben verheerende Feuer, im Osten Hurrikane und Überschwemmungen. Der Süden der USA erlebt Extreme, welche die Schlagzeilen beherrschen. Das sind ausgezeichnete Gelegenheiten, den Klimawandel zu leugnen. Dass die Wissenschaft weiter bei ihren Fakten bleibt, braucht man als Machthaber nicht zu berücksichtigen. Und im ganzen Land hat Corona keine Chance mehr, denn der Impfstoff soll rechtzeitig zur Präsidentenwahl verfügbar sein, versichert Donald Trump.

Der Chef der Gesundheitsbehörde denkt anders, aber Wahlkämpfer Trump erklärt der Presse, Robert Redfield habe die Frage falsch verstanden und (unter Eid!) entsprechend falsch geantwortet. Wenn ein Polizist oder rechtsnationaler Waffennarr jemanden von hinten anschießt oder auch erschießt, kann man schon einmal von Notwehr sprechen. Es ist ziemlich egal, wie die Wahrheit aussieht, wenn man statt ihrer eine klare Meinung markig äußert und die Macht hat, sie zu verbreiten.

US-Präsident Donald Trump: Wie die Wahrheit aussieht, ist egal

Völlig unbedeutend ist auch, wie sich wohl ein gelernter Förster fühlt, wenn ihm der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in wenigen Sätzen die Feuerökologie von Wäldern erklärt. Zumal wenn dieser der oberste Herr über die Bundesbehörde ist, die für die meisten kalifornischen Wälder und ihr Management zuständig ist. Auch fragt sich, was sich ein ausgebildeter Feuerwehrmann denken mag, wenn er aus seines Präsidenten Mund erfährt, dass es sowieso bald kühler wird. Darf er, soll er jetzt das Löschen einstellen?

Wir vermissen zudem eine Stellungnahme von Präsident Trump zum Abbruch des Rieseneisbrockens vom größten Gletscher der Arktis in Grönland. Das haben die Dänen nun davon, dass sie seinem Wunsch nicht entgegenkamen, ihm Grönland zu verkaufen. Eine Schuldzuweisung etwa an die Chinesen wäre zwar sehr weit hergeholt, aber das sind andere präsidentielle Äußerungen ja auch. Derweil geht es im hohen Norden der USA um die nationale Energiesicherheit. Zu der sollen 16 Milliarden Barrel Erdöl beitragen, die unter dem Arktischen Nationalen Wildtier-Schutzgebiet (ANWR) liegen.

US-Präsident Donald Trump: Erdölförderung in Alaska

Mit seinen fast 80.000 Quadratkilometern beherbergt es unter anderem eine rund 200 000 Köpfe zählende Karibupopulation, die mit 2400 Kilometern im Jahresverlauf weitere Wanderungen unternimmt als jede andere Landtierart. Indigene Stammesgruppen wie die Gwich’in sind auf diese wildlebende Rentierart als Ressource angewiesen. Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts währt der Streit um die Ölförderung, welche die Tiere erheblich gefährden und die von ihnen lebenden Menschen in wirtschaftliche Bedrängnis bringen würde. Verlängerte George H.W. Bush als Präsident noch das seit 1982 bestehende Verbot jeglicher Exploration und Nutzung, kippte sein Sohn als Präsident 2008 die entsprechende Regelung.

Gleich nach Amtsantritt drehte Barack Obama das Rad wieder zurück. Trump aber stellte die Weichen so, dass noch in diesem Jahr Bohrlizenzen im ANWR vergeben werden können. Ein weiteres letztes Stück intakter Natur droht geopfert zu werden für die Energiequelle Erdöl, welche den Klimawandel anheizt. Es hilft wohl nur ein Regierungswechsel, um solche und andere zukunftsfeindlichen Blindflüge stoppen.

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