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Blick in eine ungewisse Zukunft.
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Blick in eine ungewisse Zukunft.

Kolumne

Der Physiknobelpreis ist ein Preis gegen die Trägheit

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Pioniere der Klimaforschung werden geehrt. Spät, aber nicht zu spät. Die Politik hingegen trödelt weiter. Die Kolumne.

Es stimmt, das Klima reagiert träge. Das heißt, es vergeht eine lange Zeit von der Ursache bis zu der Zeit, in der die Auswirkungen erkennbar werden. An Trägheit steht der Mensch dem Klima anscheinend kaum nach. Denn es ist nun schon ein halbes Jahrhundert her, dass ein japanischstämmiger und ein deutscher Wissenschaftler erste Nachweise dafür erbrachten, dass es den Klimawandel wirklich gibt und dass er menschengemacht ist.

Syukuro Manabe und Klaus Hasselmann kamen von unterschiedlichen Ansätzen her. Der eine untersuchte den Einfluss von Treibhausgasen auf die Erderwärmung, der andere entwickelte Verfahren zur Prognose von Klimaveränderungen und zeigte den Unterschied zwischen dem Einfluss von natürlichen Ereignissen wie Vulkanausbrüchen einerseits und der Rolle des Menschen andererseits beim Anstieg der Temperatur auf dem Globus. Politik und Zivilgesellschaften reagierten auf diese Erkenntnisse gar nicht oder nur sehr träge.

Apropos Trägheit, hat das Nobelpreiskomitee da nun nicht auch etwas träge reagiert? Denn es liegt mehrere Jahrzehnte zurück, dass die beiden ihre Forschungsergebnisse zu publizieren begannen. Erst jetzt, in ihrem neunten Lebensjahrzehnt, erhielten Manabe und Hasselmann für ihre Forschung den Nobelpreis für Physik.

Die späte Anerkennung ihrer Verdienste kommt dennoch nicht zur Unzeit. Denn jetzt steht endgültig und unzweifelhaft fest, dass ihre Prognosen stimmen, dass ihre Modelle zutreffend sind.

Schon vor vielen Jahren warnte Klaus Hasselmann vor den Folgen der Erderwärmung. Einer jungen Kollegin, der Physikerin Angela Merkel, ihres Zeichens damals Umweltministerin, erklärte er die Phänomene und war ihr Berater in dem Problemkreis, der schon damals als Klimakatastrophe bezeichnet wurde. Man hätte erwarten dürfen, dass eine so gebriefte Angela Merkel das wertvolle Wissen mit ins Kanzleramt trüge, doch die Hoffnung trog. Statt entschlossenem Regierungshandeln Trägheit auch hier. In der Öffentlichkeit sowieso.

Bis „Fridays for Future“ endlich eine Massenbewegung pro Klima auslöste, was der hochbetagte und hoch verdiente Klimaforscher Hasselmann anlässlich seiner Ehrung ausdrücklich betonte und anerkannte. Der Jugend sei etwas gelungen, was ihnen, den Wissenschaftlern nicht gelungen sei. Nämlich die Öffentlichkeit zu mobilisieren.

Hätte man auf Hasselmann & Co. schon damals gehört, wäre die Situation heute nicht so brenzlig. Er sagte vorher, man könne ohne Reduktion fossiler Brennstoffe an einen Punkt gelangen, an dem es keine Umkehr mehr gebe.

Das Geschachere um den Kohleausstieg und der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 zeigen, dass die Warnungen bis heute politisch zu wenig bewirkt haben. Und es steht zu befürchten, dass im Schmusekurs selbst um die Ampelkoalition Kompromisse herauskommen, die den notwendigen Energiewandel wieder und weiter bremsen.

Nicht vergessen sei der dritte diesjährige Träger des Physik-Nobelpreises, der Italiener Giorgio Parisi, der den Kampf gegen die Klimaerwärmung ebenfalls für vordringlich hält. Er forscht unter anderem über Chaos und das Zusammenwirken von Unordnung und Fluktuationen. Wohlgemerkt: Er bezieht das auf physikalische Systeme, nicht etwa auf Armin Laschet und seine Koalitionsträume.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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