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Ein Nerz mit Vorahnung? Die „Lösung“ wie im vergangenen Jahr mit den coronainfizierten Nerzen in Dänemark umgegangen wurde, war keine.
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Ein Nerz mit Vorahnung? Die „Lösung“ wie im vergangenen Jahr mit den coronainfizierten Nerzen in Dänemark umgegangen wurde, war keine.

Kolumne

Der Nerz im Tank

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Mit Illusionen an Umweltprobleme heranzugehen, brachte weder Lösungen bei gekeulten Pelztieren noch bei Glyphosat und Atomkraft.

Manchmal platzen Illusionen einfach so. Das liegt mitunter daran, dass man sich etwas Falsches erhofft hat. Oder dass einem absichtlich etwas vorgegaukelt wurde, das sich später als falsch herausstellte.

Da gab es die schöne Illusion, dass Glyphosat eigens so entwickelt wurde, dass es ausschließlich solchen Pflanzen schadet, die man auf dem Acker nicht haben will. Dass Glyphosat, sachgemäß seiner Zweckbestimmung auf den Feldern zugeführt, die Nahrungsbasis für die Insekten schmälert und damit mitverantwortlich ist für deren katastrophale Bestandsrückgänge, zeichnete sich schnell ab.

Jetzt entdeckten unabhängige Forschende eine weitere Facette der Rolle des Giftes bei der Bedrohung der artenreichsten aller Tierklassen. Nein, es killt sie nicht direkt. Es stört ihre Melaninproduktion, darüber ihre Immunabwehr und so werden sie sozusagen mit einem kleinen Umweg um die Ecke gebracht.

Seltsam, dass die raffinierten Schöpferinnen und Schöpfer des Teufelszeugs diese Wirkzusammenhänge in ihren Laboren nicht erkannt haben. Und dies bei einem Produkt, das bis heute als eines der bestuntersuchten Herbizide gilt. Das „bestuntersucht“ war wohl auch so eine Illusion. Wie mag das erst bei weniger gut wirkungsanalysierten Produkten sein? Einmal ganz abgesehen von dem unsäglichen juristischen Ränkespiel, ob Glyphosat nun beim Menschen krebserregend ist.

Eine Illusion war es wohl auch, zu glauben, man könne vier Millionen wegen Corona gekeulte Nerze einfach vergraben und vergessen. Nun ploppen die Kadaver, angetrieben von ihren eigenen Verwesungsgasen, grausig durch die Bodenoberfläche, wodurch der Gestank, den sie schon von ihrem unterirdischen Lager aus verströmten, jetzt die Luft im dänischen Norre Felding vollständig verpestet.

Netter Rat der Behörden: Man solle die Fenster geschlossen halten und keine Wäsche im Freien aufhängen. Als ob nur der frühlingsfrische Duft von luftgetrockneten Bettlaken gefährdet sei. Dabei dürfte es wesentlich komplizierter sein, die Kontamination von Grund- und Trinkwasser durch die vielen Tausend Tonnen verrottenden Fleisches zu verhindern. Hier stinkt so einiges zum Himmel, nicht nur die eiligst vergrabenen Keulungsopfer. Schon vor der pandemiebedingten Massentötung war im wahrsten Sinne des Wortes ruchbar geworden, dass die Leichen dänischer Nerze, hatte man ihnen erst einmal das Fell über die Ohren gezogen, in Deutschland in der Biodieselproduktion landeten.

Nur extrem kühl rechnende Geister werden hier von gelungener Ressourcenverwertung sprechen. Suggerierte einst der Werbeslogan vom Tiger im Tank Dynamik und Superpower, so dürfte die werbliche Nutzung von Nerzkadavern im Tank auch den besten Koryphäen des Marketings kaum zielführend erscheinen. Es erweist sich ein weiteres Mal als völlige Illusion, dass die wohlklingende Silbe „Bio“ im Treibstoff mit umweltpolitisch begrüßenswerten Inhalten besetzt ist.

Naja, man hat sich ja auch lange der Illusion hingegeben, die Risiken der Kernkraft seien beherrschbar, sie löse unsere Energieprobleme und man fände schon irgendwann, irgendwie, irgendwo auch ein Endlager für Abfälle aus den Atomkraftwerken.

Es ist höchste Zeit, Umweltprobleme und ihre Lösungen konsequent zu Ende zu denken, statt sie sich mit Illusionen schönzufärben.

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