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Durch die Lockdowns werde das Grundrecht auf den Zugang zu öffentlichen Toiletten und solchen in Kaufhäusern, Baumärkten, Restaurants, Cafés, Museen, Bibliotheken und Spielhallen verwehrt.
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Durch die Lockdowns werde das Grundrecht auf den Zugang zu öffentlichen Toiletten und solchen in Kaufhäusern, Baumärkten, Restaurants, Cafés, Museen, Bibliotheken und Spielhallen verwehrt.

Kolumne

Corona-Politik: Der Lockdown und die Lokusse

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Die Corona-Politik verbannt uns auf die heimischen Toiletten. Dagegen sollen selbsternannte „Querdenker“ jetzt Front machen, wie zu hören ist. Die Kolumne.

Eigentlich ist dies ja mal wieder ein typisches Beispiel dafür, wie ähnlich sich Tier und Mensch doch sind. Mäuse zum Beispiel koten sich nie ins Nest, sondern immer ein paar Meter weiter. Steinadler erleichtern sich im Flug; sind sie noch nicht flügge, strecken sie ihre Bürzel aus dem Horst und prusten hinab ins tiefe Tal.

Auch wir Menschen unterschieden lange zwischen Heim und Klo. Zuerst krochen wir aus unserer Höhle und kauerten uns in den Farn, später stapften wir auf den Misthaufen, schließlich bauten wir uns Häuschen in den Hof und sägten Herzchen in die Tür. Erst als uns der Wohlstand ereilte, begannen wir, Aborte in unseren Wohnbereich zu integrieren.

Schnell geriet das Geschäft zum Geschäft, aus Scheiße wurde Geld gemacht. Sogar eine Fachmesse entstand, in Kennerkreisen auch „Interklo“ genannt. Der Siegeszug des heimischen Abtritts schien unaufhaltsam.

Die Nena, der Wendler und die Heimscheißer-Diktatur: Wer zahlt uns die neue Klobrille?

Mittlerweile aber verspüren viele beim Gedanken an das Wasserklosett in der eigenen Wohnung ein leises Grummeln im Magen. In der Tat, wer sich einmal die Mühe gemacht hat, die jährlichen Aufwendungen für Wasser, Strom und Toilettenpapier zu ermitteln, kommt schnell auf ein hübsches Sümmchen. Von Folgekosten für Brillen, Bürsten, Reinigungsmittel und Raumsprays ganz zu schweigen. Das fiel lange nicht auf – doch dann kamen Corona und die Lockdowns, die uns auf die heimischen Lokusse bannten.

So tut es nicht Wunder, dass sich viele der inhäusigen Latrinensitzung kategorisch verweigern. Die selbsternannten „Querdenker“ in Baden-Württemberg sollen sogar schon eine Unterbewegung gegründet haben, die in höchst seriösen Netzwerken wie „Telegram“ gegen die von ihnen so bezeichnete „Heimscheißerle-Diktatur“ Front macht.

Überregional bekannte Persönlichkeiten wie Xavier Naidoo, Nena, der Wendler und der IQ-strotzende Fußballphilosoph Thomas Berthold sollen schon ihre bindungslose Unterstützung signalisiert haben. Wendler: „Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschissen!“

Wendler: „Die Politiker scheißen kostenlos in den Reichstag, aber wir müssen für teures Geld daheim kacken“

Kern des Protestes sind die Maßnahmen gegen die Pandemie. Durch die Lockdowns werde das Grundrecht auf den Zugang zu öffentlichen Toiletten und solchen in Kaufhäusern, Baumärkten, Restaurants, Cafés, Museen, Bibliotheken und Spielhallen verwehrt, zudem seien Millionen Deutsche zum Homeoffice verdonnert und somit genötigt, dort auch ihre Notdurft zu verrichten.

Die immensen Mehrkosten dafür seien durch keine Corona-Hilfe gedeckt, von dem Verlust an persönlicher Freiheit ganz zu schweigen. „Die Politiker scheißen kostenlos in den Reichstag, aber wir müssen für teures Geld daheim kacken“, wird der Wendler zitiert.

In einem „Telegram“-Forum schildern zahlreiche Betroffene ihr Leid. Jahrzehntelang hätten sie allmorgendlich ihr Gedärm in Büros, Schulen, Ämtern, Läden und Werkstätten geleert – damit sei es nun vorbei. Der Klopapiermangel zu Anfang der Pandemie sei demzufolge kein Zufall.

Die Haushalte seien auf den plötzlichen Bedarf schlicht nicht vorbereitet gewesen, während die Bestände an den Arbeitsstätten unangetastet verrotteten. Für sie ein neuerlicher Beweis der Unfähigkeit der Bundesregierung und ein weiterer Grund für ein vorzeitiges Abtreten der Kanzlerin. Ein Anonymus im Netz: „Die Merkel hat sich kurz vorm Abort in die Hose geschissen.“

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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