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Ein Blick in den weiten Himmel über Baumärkten und Möbelhäusern offenbart, wie viel Luft nach oben ist, die man bei intelligenter Planung doch wunderbar mit Wohnraum füllen könnte.
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Ein Blick in den weiten Himmel über Baumärkten und Möbelhäusern offenbart, wie viel Luft nach oben ist, die man bei intelligenter Planung doch wunderbar mit Wohnraum füllen könnte.

Kolumne

Der Himmel über dem Baumarkt

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Ein schädlicher Paragraf wird wiederbelebt und beschleunigt den Flächenfraß. Chinas Hochhäuser für Schweine sind keine Lösung. Die Kolumne.

Er ist wieder da, der Paragraf 13b des Baulandmobilisierungsgesetzes. Gegen den massiven Protest von Umweltorganisationen war er im Jahr 2017 eingeführt worden und galt zunächst bis Ende 2019. Schwupps, mit der Novelle des Baugesetzbuches, wird er jetzt wieder eingeführt. Er vereinfacht es, Randbereiche von Siedlungen zu bebauen.

Das ist schlimm, denn es fördert den Flächenfraß. Und der steht in krassem Widerspruch zur verbindlichen deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Mit ihr soll der Flächenverbrauch bis zum Jahr 2030 auf weniger als 30 Hektar begrenzt werden, und bis 2050 sollen dann netto gar keine weiteren Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke beansprucht werden. Flächenkreislaufwirtschaft würde das zielführende Zauberwort heißen.

Da schlägt der „13b“ wie ein Torpedo ein und jagt das Ziel in die Luft. Wie, sollen etwa keine Wohnungen mehr gebaut werden, lautet die panikmachende Frage. Doch, aber nicht durch die Erschließung immer neuer Flächen, denn die sind endlich und der leidige Paragraf wurde bisher auch dort angewandt, wo gar kein angespannter Wohnungsmarkt besteht.

Gerade hat die Bundesregierung vom Bundesverfassungsgericht eine heftige Ohrfeige bekommen wegen ihrer defizitären Klimapolitik. Für den Flächenfraß-Paragrafen hätte sie gleich den nächsten Rüffel verdient. Denn das Recht künftiger Generationen auf eine intakte Umwelt wird schon wieder viel zu wenig berücksichtigt.

Ein Blick in den weiten Himmel über Baumärkten und Möbelhäusern offenbart, wie viel Luft nach oben ist, die man bei intelligenter Planung doch wunderbar mit Wohnraum füllen könnte. Für Menschen. In China wird aus Platzmangel gerade viel Raum nach oben geschaffen, aber leider für Schweine. Hochhäuser mit bis zu 13 Stockwerken, zum Beispiel bei Nanyang, für über zwei Millionen Tiere.

Kein Schwein kann sich dort wohlfühlen, denn dazu fehlt es an allem. Geräumige Boxen, Substrat zum Graben, frische Luft, abwechslungsreiches Futter und ein bisschen Tageslicht werden für die Tiere lebenslang Fremdworte bleiben. Ganz zu schweigen von einigermaßen natürlichen Beziehungen zwischen den Sauen und ihren Ferkeln. Eine Haltung also fast wie in Deutschland, nur mehr und höher. Futterinput und Fäkalienoutput sind die beeindruckenden Verbindungen der Anlagen zur Außenwelt. Man darf schon deswegen Übles auch für die Umwelt befürchten.

In zukunftsorientierter Wohnungs- und Städtebaupolitik hingegen ist die bessere Ausnutzung der Höhe eine von vielen Konzepten und Möglichkeiten, lebenswerten Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen mit reichlich grünen Flächen für gutes Stadtklima, Lebensqualität, Erholung und auch gegen den Klimawandel.

Zur endlich tiergerechten Schweinehaltung benötigen wir die Freiräume nicht. Zumindest nicht mitten in der Stadt. Die Senkung des Fleischverzehrs täte unserer Gesundheit, dem Klima und der Umwelt gut. Dann bräuchten wir weniger Schweine und anderes Vieh zu züchten, und denen können wir dann mehr Platz gönnen, mehr Aufenthalt auf Wiesen und Weiden, draußen auf dem Land. Also weg mit dem Paragrafen 13b, der macht zu viel wertvolle Fläche kaputt.

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