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 CDU-Politiker Ruprecht Polenz
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So mancher Parteifreund höhnt gegen Gendersternchen und Minderheitenbelange, Polenz hält dagegen, verteidigt vulnerable Menschen gegen bösartige Angriffe.

Kolumne

Der entfesselte CDU-Influencer

  • VonJoane Studnik
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Befreit von den Zwängen der Bundespolitik, macht sich Ruprecht Polenz auf Twitter und Facebook für Minderheiten stark.

Ich erreiche Ruprecht Polenz telefonisch daheim im westfälischen Münster, sein junger Welsh Springer Spaniel bellt energisch um Aufmerksamkeit. Doch der CDU-Politiker im Unruhestand bewahrt einmal mehr die Ruhe. Wenn die Wogen hochgehen, schlägt die Stunde dieses Mannes der politischen Mitte, wo er sich verortet.

Standhaft zu bleiben, das hatte er einst im bewegten Jahr 1968 an der Uni Münster gelernt, wo ihm als Redner für den Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) ein rauer Wind entgegenblies: „Ich hatte 800 gegen mich und 200, die mir einigermaßen wohlwollend zugehört und manchmal auch geklatscht hatten. Diese Erfahrung hat mich ein Stück weit geprägt.“

Aufgewühlte Diskussionen befriedete er als Kommunalpolitiker, handelte sich als CDU-Generalsekretär den Vorwurf der CSU ein, „Harmonieterror“ zu verbreiten. Als langjähriger Außenpolitiker musste sich Polenz diplomatisch zurückhalten und stets „ein Stück weit für Deutschland“ sprechen. Von diesen Zwängen befreit, gehört er mit nunmehr 75 Jahren zu den meinungsstarken politischen Influencern mit Tausenden Followern auf Facebook und Twitter.

So mancher Parteifreund höhnt gegen Gendersternchen und Minderheitenbelange, Polenz hält dagegen, verteidigt vulnerable Menschen gegen bösartige Angriffe. Deutlich widerspricht er transphoben Äußerungen auf Twitter, macht sich für geschlechtergerechte Sprache stark und wendet sich unverblümt gegen Islamfeindlichkeit. Als „Lackmustest für die Demokratie“ beschreibt er mir die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen werde. „Totalitäre und autoritäre Gesellschaften kennzeichnen sich geradezu durch die Ausgrenzung von Minderheiten, indem sie Minderheiten zu Feindbildern machen.“

Polenz verweist auf sein katholisch geprägtes Werteverständnis und verweist auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Es geht um die Würde eines jeden einzelnen Menschen, egal zu welcher Gruppe sie oder er gehört oder zu welcher Gruppe man sie oder ihn steckt.“

Aber was, wenn aus der eigenen Partei so ganz andere Töne zu hören sind, fundamentale Minderheitenbelange als lästige Identitätspolitik abgetan werden? Polenz erwähnt „Punkte, wo man sich mit den Mehr-heitsbeschlüssen der eigenen Partei schwer tut oder mit Äußerungen von anderen Prominenten, die man nicht teilt“.

Er hält es mit Berlins einstigem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen: Er stimme zu 60 bis 70 Prozent mit der CDU überein, habe der gesagt – das sei doch eine gute Quote. Die Frage sei, wie man mit Dissens umgeht. Belanglose Äußerungen ignoriert er; berührt ihn die Frage, widerspricht Polenz auf Facebook und Twitter: „In den sozialen Medien ist das sehr transparent und gut nachverfolgbar.“

Dort erreicht der meinungsstarke Politiker Reichweiten, die in analogen Veranstaltungen undenkbar wären, allerdings auch einen Streuverlust mit sich bringen. „Aber mir ging es ja darum, eine allgemeine Debatte mit zu bestreiten, auch ein Stück weit zu beeinflussen.“

Da ist er: Ruprecht Polenz, der In-fluencer. Er hofft, dass die Parteivertreter die Online-Plattformen im Wahlkampf nicht wie Plakate nutzen, sondern die Chance zum Dialog ergreifen. „Ich glaube, dass diejenigen das Netz und die Plattformen am besten nutzen, die es quasi als Gespräch verstehen, und die es mit den Wählerinnen und Wählern in einer vorher nicht bekannten Breite führen können.“

Joane Studnik ist Autorin.

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