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Das Große Moor nordöstlich von Gifhorn.
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Das Große Moor nordöstlich von Gifhorn.

Kolumne

Den Ernst von Krisen einschätzen

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Julia Klöckner verhindert als Ministerin für Landwirtschaft den Schutz der Moore. Die Bundesregierung scheint auch hier den Ernst der Lage zu verkennen.

Manche Bilder brennen sich in das Gehirn ein und rufen weitreichende Reaktionen hervor. Eine tränenüberströmte Olympia-Reiterin, die ihr überfordertes Pferd mit der Gerte über Hindernisse zu prügeln versucht, löst Rufe aus, die Regeln zu ändern, Pferde nicht weiter als Sportgeräte zu missbrauchen bis hin Behauptungen von Tierrechts-Fundamentalisten, Pferde seien überhaupt nicht dazu da, geritten zu werden.

Zu den Bildern gehören verwüstete Orte mitten in Deutschland mit Flutopfern, die nicht wissen wohin mit dem ganzen Schutt und mit ihrer Existenz. Grundlegendes Neudenken keimt auf zum Management von Naturkatastrophen, plötzlich auch zur künftigen Prävention.

Stärkere Restriktionen für Baugebiete, die Erkenntnis, dass weitere Deicherhöhungen irgendwann schlichtweg unmöglich sind, dass Gewässer mehr Raum brauchen angesichts der Zunahme von Wetterextremen. All das wurde seit langem zaghaft propagiert und blieb weitgehend wirkungslos. Bedurfte es einer solchen Katastrophe, um das Umdenken ins Rollen zu bringen?

Wer die Bilder gesehen hat, als 1975 auf dem Dach der US-Botschaft in Saigon Menschen in Panik versuchten, sich an den letzten Helikopter zu klammern, sieht nun ähnliche Panik in Kabul als Fanal eines krachend verlorenen Krieges des Westens gegen die Taliban.

Plötzlich werden Einsichten öffentlich, dass dieser Krieg von Anfang an nicht zu gewinnen war, ähnlich wie der Krieg der USA gegen Vietnam. Es herrscht schockierendes Chaos um die Evakuierungen. Dramatik und Zuspitzung dieser Ereignisse lassen fast zwangsläufig keinen Raum für Nachrichten, denen der unmittelbare Schrecken fehlt.

Kann man angesichts großen menschlichen Leides daran herummäkeln, dass die Regierungsparteien in ihrem Koalitionsvertrag Dinge vereinbart haben, die sie einfach nicht einhalten? Dort steht auf Seite 139: Wir wollen eine Moorschutzstrategie erarbeiten und die ersten Maßnahmen noch in dieser Legislaturperiode umsetzen. Keine akute Notlage, kein Geldmangel hat das verhindert.

Lediglich hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wieder einmal vor den Karren uneinsichtiger Bauernfunktionäre spannen lassen und das Zustandekommen der Strategie zu Fall gebracht. Logischerweise setzte die Bundesregierung dann auch keinerlei Maßnahmen um, obwohl tote, weil entwässerte Moore zumal unter landwirtschaftlicher Nutzung wesentliche Emittenten von Treibhausgasen sind, lebende Moore aber das Gegenteil leisten (oder realitätsnah als irrealer Konjunktiv ausgedrückt: leisten würden).

Die Initiativen einiger Bundesländer im Moorschutz entlassen die Bundesregierung keinesfalls aus der Pflicht. Dass die Bundesregierung trotz Koalitionsvertrag die Moorschutzstrategie nicht auf den Weg brachte, mag als eine winzige Nebensache erscheinen neben all den derzeitigen großen Aufregern, Emotionen und Tragödien.

Aber es ist ein deutliches Zeichen, dass CDU/CSU und SPD den Klimawandel nicht wirklich ernst nehmen. Maisanbau und Subventionen für die konventionelle Landwirtschaft sind dem Kabinett Merkel offenbar immer noch wichtiger.

Selbst die Vereinbarung im Koalitionsvertrag ist nichts wert. Von Kabul bis Klima: Die Bundesregierung hat offenbar Probleme, den Ernst von Krisen richtig einzuschätzen.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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