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Nach der Serie ist vor der Serie.
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Nach der Serie ist vor der Serie.

KOLUMNE

Das nächste Drama, bitte!

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Serien können süchtig machen. Wenn man es schafft, aus einer auszusteigen, dann winkt die nächste schon. Die Kolumne.

Schon seit jungen Jahren haben es mir Serien angetan. Damals schaffte mein Vater einen Fernseher an, vor dem wir Kinder lagerten, um die nächste Episode mit „Fury“ oder „Lassie“ zu schauen. Der Geschmack änderte sich, der Reiz, eine Lieblingsserie zu verfolgen, nicht.

Noch so und so viel mal „Shiloh Ranch“, dann haben wir Abitur, kritzelten wir auf die Klassentafel, allwöchentlich aktualisiert um die korrekte Zahl, was genauso regelmäßig unseren Geschichtslehrer auf die Palme brachte.

Später war es „Dallas“, der „Denver-Clan“ oder deutsche Endlosschleifen wie „Verbotene Liebe“, die ich ungern verpasste. Derzeit hat es mich besonders hart erwischt. Infolge eines Probeabos bin ich bei der dritten Staffel von „Fauda“ (arabisch für Anarchie) gelandet, und das in vier Wochen. Ein israelischer Exportschlager, höchst erfolgreich auf Netflix seit fünf Jahren, der aus dem Palästinakonflikt eine Thrillerserie macht.

An Skrupellosigkeit nehmen es die Undercoveragenten, Terroristen und andere Killer durchweg miteinander auf, während sie sich nebenher in Liebesangelegenheiten verheddern. Die Handlungsdramaturgie entspinnt sich entlang an Attentatsplänen und geheimdienstlichen Operationen, die jeweils aus dem Ruder laufen. Der Nachtruhe auch deswegen wenig bekömmlich, weil man am Ende jeder Folge geneigt ist, die nächste anzuklicken.

„So was muss man sich nicht antun“, meint eine Jerusalemer Freundin beim Dinner im Gartenlokal. Ihr reichten schon die Nachrichten hierzulande. „Aber man will doch wissen, wie es ausgeht“, hält die andere israelische Freundin dagegen. Auch palästinensische Bekannte können sich, einmal von „Fauda“ angefixt, der Hochspannung schwer entziehen. Dabei ahnt jede(r) längst, dass das Drehbuch kein Happy End vorsieht.

Können Serien süchtig machen und wenn ja, wieso eigentlich?

Psychologische Deutungen, sie befriedigten unser Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit, erscheinen mir in meinem Fall abwegig. Das erklärt schließlich nicht, warum ich trotz feministischer Überzeugungen eine Brutaloserie wie „Fauda“ verfolge, in der Machos den Ton angeben, mit denen ich nichts zu tun haben möchte. Diverse weibliche Charaktere spielen zwar auch zentrale Rollen, aber machen entweder bei den Männerbünden mit oder geraten in deren Fänge.

Ein weiterer Schwachpunkt, bereits von dem arabisch-israelischen Schriftsteller Sayed Kashua beißend kritisiert: Die fiktive Parallelwelt von „Fauda“ blendet aus, was den Alltag der Besatzung bestimmt. Weder die israelische Siedlungspolitik noch die Konfiszierung von palästinensischem Land kommen vor. Keine Schikanen an Militärcheckpoints, kein Häuserabriss, keine Siedlerübergriffe und schon gar kein Hinweis auf eine mögliche Lösung.

Von alldem losgelöst, fasziniert „Fauda“ dennoch. Nicht nur wegen des Nervenkitzels, auch wegen des realistisch anmutenden hebräischen und arabischen Slangs der Akteure (trefflich übersetzt in den englischen Untertiteln).

Und nicht zuletzt, weil man/frau mit all jenen auf beiden Seiten zittert, die sich teils unverschuldet, aber fast immer fatal in diesem vermaledeiten Nahostkonflikt verstricken – ähnlich einer griechischen Tragödie, bloß eben als Serie.

Es soll Leute geben, die schon jetzt der fünften Staffel entgegenfiebern. Ich hoffe ernsthaft, vorher auszusteigen, um mich lieber mal wieder von einer Seifenoper fesseln zu lassen.

Denn Hauptsache ist: Fortsetzung folgt.

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