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Eine Frau in Rot war auch auf Bob Dylans Album „Bringing It All Back Home“ zu sehen.
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Eine Frau in Rot war auch auf Bob Dylans Album „Bringing It All Back Home“ zu sehen.

Kolumne

Das Geheimnis der Frau in Rot

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Zu nicht geringen Teilen leben Pop und alle, die an dessen Sphäre teilhaben, von der Faszination des vergänglichen Augenblicks.

Wenn Pop-Fans ins Schwärmen kommen, kann es passieren, dass sie in der Lust auf Distinktionsgewinne von musikalischen Geschmacksfragen abschweifen und auf die Cover-Kunst zu sprechen kommen. Die auffälligsten Exemplare der Vinyl-Umhüllung hatten natürlich die Beatles und die Rolling Stones zu bieten, keine avancierte Pop-Erzählung ohne sie.

Auf dem Sgt.-Pepper-Album setzten die vier aus Liverpool eine Galerie aus Jahrhundert-Ikonen ins Bild, und wer hat nicht einmal am Reißverschluss gezogen, den Andy Warhol in haptisch-verspielter Direktheit auf das Sticky-Fingers-Album der Stones gebracht hatte? Von Andy Warhol stammt auch das Bananen-Motiv auf dem Cover von Velvet Underground and Nico, das ebenfalls oft genannt wird, wenn es um die Erstellung von Listen der besten Cover geht.

Der einstige Kunststudent Pete Townshend produzierte im Vergleich zu Andy Warhol geradezu Anti-Kunst. „Live at Leeds“, das Album von The Who, wurde in einem schnöden beigen Karton präsentiert, innen fanden sich in einer Plastiktüte allerlei Fan-Devotionalien, Fotos, Eintrittskarten etc. Von Creedence Clearwater Revival und Jeronimo gibt es das Gemeinschaftswerk eines Vinylalbums in Pink, das schon aufgrund der Farbwahl außergewöhnlich war. Der Titel: „Spirit Orgazmus“.

Und Bob Dylan? Auch in seiner Cover-Kunst kam er gern in Rätseln daher. Auf dem Album „Bringing It All Back Home“ aus dem Jahr 1965 blickt er aus einem großen Kaminzimmer herausfordernd in die Kamera, aber das eigentliche Bildgeheimnis lauert im Hintergrund: eine Frau in Rot, mit Zigarette zwischen den Fingern, eine mysteriöse 60er Jahre-Erscheinung, ein bisschen Emma Peel (Diana Rigg), die Agentin aus der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“, ein bisschen Mrs. Robinson (Anne Bancroft in dem Film „Die Reifeprüfung“).

Das Geheimnis der Identität der Frau in Rot war bald gelüftet. Es handelte sich um Sally Grossman, die Ehefrau von Dylans Manager Albert Grossman. Sie war in einem buchstäblichen Sinn die Frau im Hintergrund. Sie soll es auch gewesen sein, die Dylan mit seiner späteren Ehefrau Sara Lowndes bekannt gemacht hat.

Nach Albert Grossmans Tod 1986 hat Sally die gemeinsamen Geschäfte fortgeführt, darunter das Bearsville Studio (wo beispielsweise R.E.M, Meat Loaf und Metallica Alben produzierten). Sally Grossman übernahm auch das Label Bearsville Records und setzte den gemeinsamen Traum um, vor Ort ein Theater zu eröffnen.

1996 ließ sie sich noch einmal für ein Foto auf dem berühmten Sofa aus dem Kaminzimmer nieder, diesmal in Schwarz, eine herausfordernd selbstbewusste Frau, die längst ihre eigenen Spuren in der Pop-Geschichte hinterlassen hatte.

Das berühmte Cover hatte der Fotograf Dan Kramer in der Villa der Grossmans in Woodstock aufgenommen. Ursprünglich war ein Model für das Foto vorgesehen, aber der Instinktmensch Bob Dylan bat Sally Grossman, zu posieren.

In Woodstock, jenem mythischen Ort der Popgeschichte, ist Sally Grossman kürzlich im Alter von 81 Jahren gestorben. Das rote Kleid, verriet sie später einmal, habe sie nur dieses eine Mal getragen. Zu nicht geringen Teilen leben Pop und alle, die an dessen Sphäre teilhaben, von der Faszination des vergänglichen Augenblicks.

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