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Die Corona-Warn-App alarmiert bei einer risikoreichen Begegnung.
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Die Corona-Warn-App alarmiert bei einer risikoreichen Begegnung.

Kolumne

Wenn die Corona-App plötzlich rot zeigt

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Der Alarm der Corona-App kam unverhofft und ich konnte mich der Schockwirkung nicht erwehren. War ich gefährdet oder war es ein technischer Fehler? Die Kolumne.

Plötzlich ist alles rot. Ich habe mir erst vor wenigen Wochen die Corona-App eingerichtet und mich einmal täglich dessen vergewissert, dass alles im grünen Bereich ist. Der Alarm kam unverhofft und ich konnte mich der Schockwirkung nicht erwehren. Elf Begegnungen mit erhöhtem Risiko, stand da in beschämender Nüchternheit.

Keine Panik, redete ich mir ein, befand mich aber bereits in einem Zustand erhöhter Verunsicherung. Von diesem Moment an war die Corona-App kein hilfreiches Vorsorgeinstrument mehr, sondern ein Stachel im Fleisch der angeratenen Gelassenheit.

Corona-Warn-App: Wie funktioniert das Ding eigentlich?

Erst jetzt begann ich, mich intensiver mit der Funktionsweise der App zu beschäftigen. Ich informierte zwei Kollegen, mit denen ich mich ein paar Tage zuvor zu einem längeren Gespräch getroffen hatte. Vorsorglich unterrichtete ich das für mich zuständige Gesundheitsamt – per E-Mail, ein telefonischer Kontakt ist bekanntlich schon lange kaum mehr möglich.

Elf Begegnungen? Was war los in meinem Leben? Was hatte ich übersehen? Schaute B. mich misstrauisch an? Hatte ich etwas zu verheimlichen? Obwohl ich davon überzeugt war, dass etwas nicht stimmen konnte, da ich mich mehr oder weniger streng an die Kontaktbeschränkungen gehalten habe, suchte ich nach Erklärungen.

Ohne dass ich es explizit ausschloss, hatte ich an die Möglichkeit eines technischen Fehlers nicht gedacht. Der Philosoph Günter Anders hat dieses Phänomen unter dem Begriff der prometheischen Scham beschrieben. Angesichts der Perfektion unserer technischen Hervorbringungen verstummen wir vor diesen und scheinen uns in das Schicksal schuldbewusster Mängelwesen zu begeben.

Corona-Alarm ohne Symptome

Freunde, die wir informiert hatten, sparten nicht mit Tipps, wie ich an einen Test gelangen könnte. Am neuen Flughafen BER beispielsweise, weil dieser noch nicht in die urbanen Bewegungsroutinen aufgenommen sei.

Ich hatte keine Symptome, also behielt ich mir vor, der möglichen Infektion erst einmal mit konventionellen Mitteln zu trotzen: abwarten. Den Tag über suchte ich nach Chats über die Funktionsweise der Corona-App. Früh war darauf aufmerksam gemacht worden, dass Bluetooth möglicherweise auch zwei Telefone miteinander verbinden könne, die sich gar nicht im selben Raum befunden haben – durch Glasscheiben oder durch Wohnungswände.

Hätten wir dann aber nicht längst davon erfahren müssen, dass unsere unmittelbaren Nachbarn positiv getestet worden waren? Es war schon spät geworden. Wir mochten nun niemanden mehr fragen, zumal die Scham, möglicherweise zu den Infizierten zu gehören, eine Anrede schwer machte. „Sag mal!“

Corona-Warn-App: Am Abend die Gewissheit

Am nächsten Tag dann die schrittweise Aufklärung. Unsere Nachbarin in der Wohnung unter uns sei positiv getestet und erkrankt. Es gehe ihr aber schon wieder besser, wusste jemand im Haus. Aber verfügt sie überhaupt über eine Corona-App? Und hat sie ihre Erkrankung registrieren lassen? Das sind die Dinge, die es nun vom Nachbarn zu wissen gilt.

Ja, hat sie. Am Abend hatten wir Gewissheit, Erleichterung machte sich breit, beinahe sogar ein kleines Triumphgefühl, dass ich der prometheischen Scham ein Schnippchen geschlagen hatte. Aber hatte ich das überhaupt? War ich nicht gerade der zwanghaften Ergebnishaftigkeit einer Technologie verfallen, deren einziger Sinn darin besteht, Daten zu liefern?

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