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Rund 16 Millionen Nerze sollen in Dänemark getötet werden.

Kolumne

Corona-Mutation bei Nerzen in Dänemark: Es ist an der Zeit, Pelztierfarmen endlich zu schließen

  • vonManfred Niekisch
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Mit der Corona-Mutation bei Nerzen in Dänemark gibt ein weiteres Argument, Pelztierfarmen zu schließen. Das schützt vor Pandemien und Tierquälerei. Die Kolumne.

  • Millionen Nerze werden in Dänemark wegen einer Coronavirus-Mutation getötet.
  • Die letzte Pelztierfarm in Deutschland hatte 2019 geschlossen.
  • Es ist Zeit, dass alle Pelztierfarmen geschlossen werden. Die Kolumne.

Die Tragödie kam nicht überraschend. Schon im August musste mehr als eine Million Nerze in spanischen und niederländischen Pelztierfarmen getötet werden, weil das Coronavirus dort zugeschlagen hatte. Jetzt hat Dänemark das gleiche Problem, nur in viel größeren Dimensionen. Rund 16 Millionen Nerze sollen dort gekeult werden. Ob die dänische Regierung zu dieser Anordnung berechtigt war oder nicht, müssen Juristen klären.

Corona-Ausbruch in Dänemark: Dass es noch Nerzfarmen gibt, ist skandalös

Der eigentliche Skandal liegt auch nicht darin, dass die Tiere getötet werden sollen. Sie wären wegen ihres Fells in jedem Falle umgebracht worden, nur vielleicht nicht alle auf einmal und ein bisschen später. Wirklich skandalös ist aber, dass es überhaupt noch Nerzfarmen gibt.

Tierschutzverbände fordern seit langem ein völliges Verbot von solchen Pelzzuchtanlagen wegen der dort üblichen Bedingungen, die nur mit Tierquälerei zu bezeichnen sind. Es geht in den Farmen allein um die Qualität des Felles, nicht um das Wohlergehen der Tiere. Und das so billig wie möglich.

In Deutschland machte die letzte Pelztierfarm im Jahr 2019 dicht. Dazu war nicht einmal ein Verbot nötig. Es war für die Betreiber schlichtweg nicht mehr lukrativ, denn neue Auflagen für eine einigermaßen tiergerechte Haltung hätten die Produktionsmethoden zu teuer gemacht.

Corona-Mutation in dänischer Nerzfarm: Massentierhaltung bietet beste Voraussetzungen für neue Pandemien

Nun zeigt sich in Dänemark ein weiteres Mal ganz klar, dass das Virus zwischen Mensch und Tier hin und her springen kann. Wer da wen mit Corona infiziert, ist nicht mehr nachvollziehbar. Jedenfalls bieten Massentierhaltung und niedrige Hygienestandards beste Voraussetzungen für die schnelle Verbreitung von Pandemien.

Wenn der Karneval in Rio und Köln wegen der Corona-Pandemie gestrichen wird, Reiseindustrie, Gastronomie und die Kulturszene praktisch weltweit existenzbedrohende Einschnitte hinnehmen müssen, dann sollte es angesichts der neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse doch zumutbar sein, Pelztierfarmen aus epidemiologischen Gründen ganz zu schließen.

Pelztierfarmen endlich schließen: Dazu hätten wir Corona wirklich nicht gebraucht

Von den Farmen geht noch eine weitere Gefahr aus. Der dort gehaltene amerikanische Nerz, auch als Mink bekannt, verdrängt, wenn er ins Freiland gelangt, den einheimischen Nerz, der unter anderem deswegen zu einem der seltensten Säugetiere Europas wurde.

Wie der Mink bringen auch Waschbär und Marderhund die hiesige Fauna in Bedrängnis, wenn sie aus ihren Gittergefängnissen entweichen oder im Rahmen von vielleicht gut gemeinten, aber jedenfalls illegalen und völlig fehlgeleiteten Befreiungsaktionen ausgesetzt werden.

Wir hätten Corona wirklich nicht gebraucht als ein weiteres gutes Argument gegen Pelztierfarmen. Aber da es nun einmal so gekommen ist, bietet sich die Chance. Bestenfalls erledigt sich das Problem, wenn die jetzt nötigen und längst überfälligen Hygiene- und Tierschutzvorschriften Pelztierfarmen finanziell nicht mehr rentabel machen. In Deutschland hat das ja schon funktioniert.

Corona-Ausbruch in dänischer Nerzfarm: Auch Kunstpelzmäntel belasten die Umwelt

Kunstpelzmäntel belasten mit ihren Fasern die Umwelt und sind daher keine Alternative zum echten Fell. Auch beginnt das Bewusstsein über die miserablen Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhne in der Kleiderindustrie Südostasiens endlich um sich zu greifen.

Da wäre es doch endlich mal an der Zeit, sich einmal grundsätzlich Gedanken zu machen, wie man sich kleiden könnte, ohne dass Menschen, Tiere und Umwelt Schaden nehmen. Nur Nerze würden dann noch Nerzfell tragen. (Manfred Niekisch)

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