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Kolumne

Ein Tag mit „Querdenkern“ in Frankfurt: Corona-Tote wären „sowieso“ gestorben

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Weil ihr Aufmarsch verboten wurde, tun die Corona-Leugnerinnen und -Leugner in Frankfurt so, als sei ihr Treffen in der Stadt bloß Zufall. Die Kolumne.

  • In Frankfurt wurde eine „Querdenken“-Demo verboten. Doch es kamen viele zum „Weihnachtsshopping“.
  • „Querdenker“ in Frankfurt zogen Vergleiche zu Weltkriegen und beschwerten sich über die Polizei.
  • Corona-Leugner:innen behaupteten, dass alle Covid-19-Toten „sowieso gestorben wären“.

Frankfurt - Es war ein ungemütlicher Samstag; nasskalt und grau waberte die Luft durch die Frankfurter Innenstadt. Auf der Zeil tummelten sich dennoch die Leute, Corona und dem unwirtlichen Wetter zum Trotz.

Schnell noch ein paar Einkäufe vor dem nächsten Lockdown erledigen, werden die sich gedacht haben – immerhin hatte OB Peter Feldmann das Volk für den Samstag in die City gelockt. Erwachsene sollten sich „wie Kinder“ fühlen und in Scharen ermäßigt den öffentlichen Nahverkehr frequentieren … was bei den steigenden Corona-Neuinfektionen im Land eine prima Idee ist.

„Querdenker“ in Frankfurt: Zum „Weihnachtsshopping“ trotz Corona zusammengeschlossen

Doch jenseits der einkaufswilligen Stadtbummler:innen hatte sich noch ein weiteres Grüppchen angekündigt, das gerne zu 40 Tausenden am Start gewesen wäre: der Frankfurter Ableger der sogenannten Querdenker.

Einfach immer den Wasserwerfern nach.

Bis zuletzt wollten sie ihren Aufmarsch ins Legale klagen – hat nicht geklappt, weshalb der bewegte Corona-Leugner schließlich zum „Weihnachtsshopping“ anreisen sollte. Das könne ja nicht verboten sein, hieß es auf „Telegram“ verschmitzt, und tatsächlich sammelte sich in der Stadt ein äußerst diverses Völkchen.

Corona: „Querdenker“ in Frankfurt ziehen Vergleiche zu Weltkriegen

Da waren die älteren Herrschaften, berucksackt und offenbar aus dem Schwäbischen stammend, die in der B-Ebene suchend die Hälse reckten. Wo sie denn jetzt sei, die Zeil, raunte es durch die Reihe. Tatsächlich mussten sie nur der Polizei ins Licht folgen, dorthin, wo der Wasserwerfer vor der Katharinenkirche einen hübschen Stilbruch bildete. Blechschalen und Sitzkissen trugen sie unter den Armen, wobei sich mir Letzteres nicht erschloss. War etwa ein Sitzstreik gegen die Maskenpflicht angedacht? Bei diesem Wetter?

Eine Gruppe grobschlächtiger Männer mit Nikolausmützen schien zum gleichen „Weihnachtsshopping“ zu wollen. Sitzkissen hatten die nicht dabei, dafür aber offensichtlich ihre Reichskriegsflaggen vergessen. Aber „quer denken“ überwindet bekanntlich alle Grenzen: Man schaute sich an, lächelte sich zu: ein Ziel, ein Team, so soll es sein.

„Querdenker“ in Frankfurt: „Dieses Corona, so eine Lüge“

„Mein Vater hat noch in den Schützengräben gelegen. Gell, das war ein Deutschland. Und was machen die hier?“, fragte ein etwas abseits stehender Mittfünfziger und wedelte erbost in Richtung Polizei: „Alles junge Burschen, es ist eine Schande.“ Wahrlich, denn glorreich müssen sie gewesen sein, die Zeiten, als Männlichkeit danach definiert wurde, ob man auf Führerbefehl nur zwei Beine oder gleich sein Leben verlor. Entsprechend starr blickte der Mann in die Exekutive der kommunistischen Merkel-Diktatur, verzerrt vor Angst und Abscheu.

Natürlich war er sich mit einem anderen Herrn, altersdefiniert zur Corona-Risikogruppe gehörend, einig, der lautstark ausrief, was den Nenner all der „quer Denkenden“ ausmacht. „Dieses Corona, so eine Lüge. Nachdenken müssen wir, nicht alles glauben. Schlimm, was wir Deutschen so mitmachen“, sprach’s und meinte mit „wir“ die Schlafschafe, die nicht wüssten, dass alle Covid-19-Toten „sowieso gestorben wären“.

„Menschen sterben“ - Querdenkende feixen über Corona-Todesfälle

Yep, das ist richtig quer gedacht, und „quer“ ist nun einmal das Geschäftsmodell derjenigen, die Gedanken jenseits der „fremdbestimmten Einbahnstraße“ als außergewöhnlich behaupten.

„Menschen sterben“, feixte denn auch eine Gruppe dem Mann zu, der gerne über den Corona-Tod seiner Mutter gesprochen hätte. Wollten sie nicht, denn dazu sind sie viel zu sehr Sand im Getriebe. Wie diejenigen mit den Sitzkissen. Oder die mit den vergessenen Reichsflaggen: Was „Querdenkende“ eint, kann die Vernunft nicht trennen. (Katja Thorwarth)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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