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Corona und Ukraine: Was wirklich bescheuert ist

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Von: Michael Herl

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Bei einer Demo demonstrierten Tausende Gegner einer Impfpflicht gegen die Corona-Maßnahmen.
Bei einer Demo demonstrierten Tausende Gegner einer Impfpflicht gegen die Corona-Maßnahmen. © Christoph Hardt/Imago

Auch wenn es derzeit schwer fällt, gilt es einen klaren Kopf zu bewahren. Dafür sollte man Probleme strukturieren und Ängste sortieren. Die Kolumne.

Eigentlich wusste es wieder mal schon die Oma. „Eins nach dem anderen“, mahnte sie, wenn mal wieder alles auf einmal kam und Nöte, Sorgen und Probleme sich zu einem scheinbar unbezwingbaren Berg aus Widrigkeiten anhäuften. Psychotherapeutisch Versierte nennen das anders und reden von „Strukturierung“. Auch der Volksmund weiß dazu was zu sagen, nämlich „Problem erkannt, Problem gebannt“.

Im Grunde meinen alle das Gleiche. Doch hilft uns das nun weiter? Uns allen? Auf der ganzen Welt? Denn seit wir im Rahmen der Globalisierung alles teilen außer Wohlstand, sind weltweite Probleme entstanden, von denen die einen mehr und die anderen weniger abkriegen. Im jetzigen Fall aber trifft es alle.

Erst kam Corona, dann der Ukraine-Krieg

Aber, Omas Rat folgend, der Reihe nach. Vor fast genau zwei Jahren ereilte uns Covid-19 und überrollte rasch so ziemlich alles. In dankenswertem Tempo entwickelten Fachleute taugliche Vakzine, und wir impften die Welt. Dass dabei mal wieder die Armen die Ärsche waren, versteht sich fast von selbst, ist aber grad nicht Thema. Außerdem raffte das Virus auch Reiche dahin.

Nun dachten wir, einigermaßen über den Berg zu sein (ein Trugschluss, doch davon gleich mehr) – und dann kam ein Krieg. Ähnlich wie Corona bahnte er sich langsam an und brach plötzlich voller Wucht in unser Leben. Nun haben wir Angst. Wie vor zwei Jahren. Angst, weil wir nicht wissen, was kommt, wie schlimm es noch wird, wie es ausgeht.

Das neue Problem: Die alte Angst ist immer noch da. Sie schlummert subkutan, unter der Haut – doch die ist dünn geworden. Wir sind verletzlicher. Vor allem psychisch. Beim Boxen würde man von angeschlagen sprechen. Wir dachten, uns durch die letzte Runde zu retten und den Kampf zu gewinnen. Das setzte Kräfte frei. Wir freuten uns auf das Danach, das mindestens so schön werden sollte wie das, was wir von dem Davor noch in Erinnerung behielten.

Doch nun hat man uns einen Tiefschlag versetzt, wir taumeln und fürchten, uns ohne Pause einem neuen Gegner stellen zu müssen. Was viele ahnen, aber nicht wahrhaben wollen: Der alte ist noch gar nicht besiegt. Er lauert noch immer auf seine Chance und sieht sie nun kommen.

Bewahrt (fast) immer einen klaren Kopf: Gesundheitsminister Karl Lauterbach.
Bewahrt (fast) immer einen klaren Kopf: Gesundheitsminister Karl Lauterbach. © Robert Michael/dpa

Was tun? Eins nach dem andern. Strukturieren. Die Ängste sortieren und klaren Kopf bewahren. Apropos: Wer ist einer der klarsten Köpfe in diesem Land?

Auch wenn Sie mich nun am liebsten verhauen würden – es ist Karl Lauterbach. Der Mann hatte nahezu immer recht und hat es nach wie vor. Nun warnt er vor einer neuen Corona-Welle und allzu sorglosen Lockerungen der Maßnahmen. Und rät Skeptikern dringend zu einer Impfung und Gefährdeten zu weiteren Auffrischungen.

Gegen Putin können wir als Einzelne wenig ausrichten, gegen Corona viel

Was er nicht sagte: Wenn zu dem Krieg mit seinen Kollateralproblemen wie Versorgungsengpässe, steigende Energiekosten und Flüchtlingswelle auch noch eine neue Covid-19-Welle kommt, droht das Meer an Problemen überzuschwappen. Also müssen wir handeln.

Gegen Wladimir Putin können wir als Einzelne wenig ausrichten, gegen das Virus viel. Und übrigens: Es war schon immer bescheuert, an einer Impfgegner-Demo teilzunehmen. Noch bescheuerter ist es, nun dort auch noch eine Ukraine-Flagge zu schwenken. Das ist fast so menschenverachtend, wie im Zusammenhang mit den Impfmaßnahmen den Begriff „Holocaust“ zu erwähnen. (Michael Herl)

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