Der Mannheimer Schmusebarde Xavier Naidoo eignet sich beispielsweise hervorragend als Protestsonglieferant.
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Der Mannheimer Schmusebarde Xavier Naidoo eignet sich beispielsweise hervorragend als Protestsonglieferant.

Kolumne

Die Corona-Schwurbler-Parade: Wenn Querdenker bei Linken räubern

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Wenn Rechte linke Lieder singen, dann ist das eine dreiste Annexion - etwa von antifaschistischen Inhalten. Die Kolumne.

  • Die Rechten haben ihre eigenen Lieder auf den Querdenker-Demos. Oder etwa nicht?
  • So recht wie die Gesinnung ist die Auswahl des Liedgutes nicht immer.
  • Ganz allgemein sollte man in „Zeiten wie diesen“ (sic!) das Singen besser lassen.

Jede Protestbewegung hat ihren eigenen Soundtrack. Im besten Fall einen, der die politische Aktion von der subjektiven Ebene sinnstiftend in einen kollektiven Mitmachmodus überführt. „Ton Steine Scherben“ etwa werden seit den 70er-Jahren auf jeder Häuserkampf-Demonstration gespielt. Erinnert sei auch an den Protestsong der Umweltbewegung um den Käfer Karl („Gänsehaut“) – die Älteren mögen sich erinnern –, der humorlos und ungefragt aus seinem, womöglich dem Frankfurter Stadtwald gejagt wurde.

Die Rechten singen - natürlich „Das Lied der Deutschen“

Auch die extreme Rechte marschiert nicht ohne musikalische Untermalung. Gerne bedient die sich der deutschen Nationalhymne, bevorzugt der Strophen eins und zwei. Wobei die Kameraden von der AfD, vermutlich aus kosmetischen Gründen, gerne erst in die dritte Strophe einsteigen. Das ist jedoch völlig ausreichend, um ihren Nationalismus als blaubraunes Kollektiverlebnis erfahrbar zu machen.

Soweit, so passend. Schräg ist hingegen, was sich in Pandemie-Zeiten so abspielt. Marius Müller-Westernhagens auf Anti-Corona-Demos gerne gespielte „Freiheit“ lässt sich ja noch an das „Wir leben in einer Diktatur“-Geschwurbel andocken. Aber die italienische Partisanenhymne „Bella ciao“?

Corona-Querdenkende kommen auch bei der Wahl des Liedgutes vom geraden Weg ab

Die wurde in Frankfurt bei den „Querdenkern“ intoniert, was nur als dreiste Annexion antifaschistischer Inhalte gewertet werden kann. Denn, liebe Corona=Grippe-Verharmloser: „Bella ciao“ ist explizit ein Lied gegen die Rechte. Und das sind nun einmal die, die regelmäßig eure Demos mit ihren Reichskriegsflaggen bereichern.

Aber weshalb bei den Linken räubern, wenn das Gute inhaltlich so nah liegt? Der Mannheimer Schmusebarde Xavier Naidoo eignet sich beispielsweise hervorragend als Protestsonglieferant. Der bezeichnet gerne Volksvertreter als „Volksverräter“, womit die extreme Rechte bedient wäre. Dass Deutschland längst Corona-„Diktatur“ ist, schüttelt er nebenbei aus dem Ärmel, womit auch der schwer verstrahlte Anti-Merkel-Hildmann-Clan abgedeckt ist.

Was macht der Wendler so, außer Gatte zu sein?

Oder Michael Wendler. Zugegeben, dass der Mann Sänger ist, dürfte vielen gar nicht bewusst sein, wurde Wendler doch vielmehr in diversen Reality-Shows als Gatte von Laura Müller bekannt. Auf Wikipedia wird er aber als „Sänger“ geführt: „Sie liebt den DJ“ ist wohl sein größter Gassenhauer – der sich aber lässig umschreiben ließe, beispielsweise in „Sie liebt Attila“.

Und selbst wenn das so manchen Neue-Deutsche-Welle-Nostalgiker schmerzen mag: Die 99-Luftballons-Nena wäre auch nicht ungeeignet. Immerhin will die Wahlhamburgerin „hypnotisiert von Angst“ nicht sein, sich bloß nicht „in die Dunkelheit ziehen“ lassen: „Lasst uns ins Licht gehen und für die Liebe.“

Dieser Kitsch auf Instagram gefällt natürlich Naidoo, und Nena gefällt, dass es dem Xavier gefällt. Zwar will sie sich nicht als Corona-Leugnerin verstanden wissen, sagt aber übersetzt nicht viel anderes als ihre Kollegen: Dunkelheit = Maßnahmen = Merkel-Diktatur vs. Licht = Widerstand = Freiheit = Liebe. Wäre die Frau nicht seit bald 40 Jahren im Business, es ginge eventuell als Naivität durch.

Man könnte noch Robbie Williams ins Spiel bringen, der „das ganze Mediensystem“ von einer „dämonischen Energie“ durchdrungen sieht. Der singt aber englisch, was sich mit den Reichskriegsflaggen beißen könnte.

Wie auch immer, selbst singen – und das auch noch ohne Schutzmaske – ist schon rein aus ästhetischen Gründen die schlechteste aller Ideen. (Katja Thorwarth)

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