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Thomas Berthold spricht während einer Kundgebung der Initiative „Querdenken 711“. (Archivfoto)
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Thomas Berthold spricht während einer Kundgebung der Initiative „Querdenken 711“. (Archivfoto)

Kolumne

Thomas Berthold bei den „Querdenkern“: Politiker führen angeblich „Aufträge“ aus

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Den ehemaligen Eintracht-Profi Thomas Berthold zieht es auf die Bühne der „Querdenker“ und will Zivilcourage zeigen.

Nein, ein Verschwörungstheoretiker will Thomas Berthold nicht sein. Und ein Corona-Leugner? I wo! Angst nehmen will der gebürtige Hanauer, Zivilcourage zeigen. Der Mann, der immerhin fünf Jahre für die Profiabteilung von Eintracht Frankfurt Fußball gespielt hat. Von 1982 bis 87 hat er in 111 Einsätzen 17 Tore geschossen, Weltmeister ist er auch geworden.

Ist schon eine Weile her, man entwickelt sich weiter. Seit der Pandemie scheint es den einstigen Abwehrmann auf die Bühne der „Querdenker“ zu ziehen. Also zu jenen, die eine Aufklärung des Volkes behaupten, wen auch immer sie dafür halten. Die natürlich nichts mit der schmuddeligen „rechten Ecke“ zu tun haben wollen. Das gilt ebenso für einen Weltmeister, kann man sich ja nicht immer aussuchen, wer einem zujubelt.

Thomas Berthold bei den „Querdenkern“ – Corona ist kein Killervirus

Und so hat Berthold am Rande der „Querdenken“-Demo in Stuttgart ein wegweisendes Interview gegeben. In „Aufklärungsmission“ begreift er sich, wenn er vor der Menge sagt, was Sache ist. Das ist, was von Hildmann, Wendler et al. in Wort und Schrift unters wissbegierige Volk getragen wird: Eine Pandemie existiert nicht, circa 2,86 Millionen weltweit an Corona gestorbene Menschen sind „vergleichbar mit einer normalen Grippesaison“, und überhaupt sei Corona kein „Killervirus“.

Er ist aber „kein Corona-Leugner“. Was daran liegt, dass das „Virus noch gar keiner entdeckt“ habe. Unentdecktes lässt sich schwer leugnen. Außerdem sei Corona „in seiner Gesamtstruktur noch aus keinem Körper entfernt“ worden.  „Wir reden immer nur von Algorithmen …“. 

Gegenfragen: Wie soll ein Virus „in seiner Gesamtstruktur“ aus einem Körper entfernt werden? Ist ja kein Krebsgeschwür. Und was haben Algorithmen mit dem Coronavirus zu tun? Beziehungsweise wer redet darüber? Ich kenne Algorithmen in erster Linie durch Google. Berthold vermutet deshalb: nix bewiesen, nix dramatisch, außer, dass „unsere Freiheit“ hops gehe. Wo nun ist der Bezug zur deutschen Politik?

Thomas Berthold bei den „Querdenkern“: Politiker führen Aufträge aus

Hier wird der Weltmeister etwas vage, spekulieren wolle er nicht. Dennoch gebe es große Turbulenzen auf dem Globus, Machtverschiebungen und eine Digitalisierung, die „wir nicht mehr aufhalten können“. Heruntergebrochen hängt das wohl alles mit dem US-Finanzsektor zusammen, den „großen Hedgefonds“, ergo den Strippenziehern. „Unsere Politiker führen da ihren Auftrag aus.“

Uups, auch wenn Verschwörung generell bäh ist, könnte ab jetzt einer mit einem Trump-QAnon-T-Shirt zu Recht jubeln. Weil, nach was klingt das denn anderes als nach den berühmten gewählten Marionetten in den Fängen des Großkapitals?

Mit Corona hat das nicht viel zu tun. Es wird nur mit Unfug ein Beweis zu erbringen versucht, dass diese Republik mithilfe der Handlanger um eine ferngesteuerte Kanzlerin Merkel im Auftrag von Black Rock in eine digitalisierte Diktatur brettert.

Thomas Berthold bei den „Querdenkern“: Plötzlich passen sie, die Reichsflaggen

„Wir“ sind aufgefordert, unsere Freiheit zu verteidigen, die insbesondere in Stuttgart wieder mit Füßen getreten wurde – als Tausende durch die City marschierten, ohne sich an Corona-Regeln zu halten. Hätte Berthold mit seinen Befürchtungen auch nur in Virusgröße recht, das Interview hätte er nie gegeben.

Es sei an dieser Stelle an ein Buch erinnert, das Berthold 1999 als sein „Lieblings-Fachbuch“ auf einer Onlineseite empfahl: „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert“ vom antisemitischen Bestsellerautor Jan Udo Holey alias Jan van Helsing. Das Machwerk wird als eine modernisierte Version rechtsextremer Weltverschwörungstheorien eingeordnet, der Autor gilt als rechtsextremer Esoteriker. Und plötzlich passen sie, die Reichsflaggen. (Katja Thorwarth)

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