Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Phänomen, das sonst nur an Silvester zu beobachten ist: Altglascontainer quellen so über, dass die Menschen ihre leeren Flaschen danebenstellen.
+
Ein Phänomen, das sonst nur an Silvester zu beobachten ist: Altglascontainer quellen so über, dass die Menschen ihre leeren Flaschen danebenstellen.

Kolumne

Corona: Im Lockdown trinken die Menschen zu Hause

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
    schließen

Tag für Tag am Container zu sehen: Die Menschen trinken weiter, und sie trinken mehr. Leidtragende sind diejenigen, die aufräumen müssen. Die Kolumne.

  • Corona macht es einem nicht leicht - die Wirtshäuser sind geschlossen.
  • Der Lockdown hat Auswirkungen. Man sieht es an den Altglascontainern.
  • Wie viele Container müssen pro Tag geleert werden? Und was macht das mit den Menschen?

Eigentlich scheint die Erklärung ja logisch. Wenn die Wirtshäuser geschlossen sind, trinken die Leute mehr zu Hause, heißt es. Das sei der Grund, weswegen dieser Tage die Altglascontainer so überquellen, dass die Menschen ihre leeren Flaschen danebenstellen. Ein Phänomen, das sonst nur an Silvester zu beobachten ist, der „langen Nacht der Amateure“, wie Berufstrinker wie Harald Juhnke und Harry Rowohlt befanden. Es ist aber auch ein Elend mit dieser laienhaften Sauferei. Geschicktes Trinken ist halt nicht jedem gegeben, aber das ist ein eigenes Thema.

Corona: Saufen die Menschen mehr?

Im Übrigen scheint mir die These mit dem Home Drinking in Pandemiezeiten nicht schlüssig, jedenfalls sehe ich nicht den Zusammenhang mit geschlossenen Lokalen. Gastronomen entsorgen ihre leeren Flaschen schließlich auch in den Containern, jedenfalls jene für Wein und Schnaps. Bier kommt in Mehrweggebinden, aber genauso ist es bei den Leuten daheim ja auch. Es dürfte also kein gestiegenes Aufkommen an Leergut zu verzeichnen sein, es sei denn, die Menschen saufen mehr – und so wird es wohl auch sein.

Ich bin zwar kein Maßstab, aber bei mir ist das anders. Ich stellte fest, durch ausbleibende Lokalbesuche plötzlich mehr Geld zur Verfügung zu haben. Zuerst irritierte mich das, dann änderte ich mein Konsumverhalten. Ich erklärte die großen Gewächse, die ich mir früher nur zu besonderen Gelegenheiten gönnte, kurzerhand zu Alltagsweinen und schuf so wieder ein finanzielles Gleichgewicht. Ich halte das übrigens für ein taugliches Beispiel für bereits erwähntes geschicktes Trinken und außerdem einen vernünftigen Umgang mit der Pandemie. Man muss halt flexibel sein und ein wenig Fantasie walten lassen – und schon verliert das Virus etwas von seinem Schrecken.

Home Drinking in Zeiten von Corona: Es wird anders getrunken

Ich trinke also nicht mehr als früher, nur anders und anders als die Mehrzahl der anderen. Von ihnen stammen besagte Flaschenmeere neben den Altglascontainern. Mehr dieser Behältnisse aufzustellen, scheint offensichtlich nicht möglich zu sein. Vielleicht reicht der Platz nicht, oder die Hersteller können so schnell nicht nachliefern. Sei’s drum. Jedenfalls sehen sich die Entsorgungsfirmen einer neuen Herausforderung gegenüber, der sie offensichtlich nicht gewachsen sind. Die Leidtragenden sind diejenigen, die aufräumen müssen, in diesem Fall die Containerleerer. Ich beobachte das häufig, wie sie mit sensiblen Fingern den schwankenden Haken ihres Krans an einem kleinen Hebel zielgenau in eine Öse an dem Container jonglieren, um anschließend die Flaschen mit lautem Geklirre in ihren Lastwagen zu entleeren. Drei Mal machen sie das, denn jeder Container hat drei Fächer, für grüne Flaschen, für weiße und für braune.

Früher habe ich diese Männer bewundert, heute bemitleide ich sie. Nun müssen sie sich nämlich nach jeder erfolgten Leerung noch Hunderte Male bücken, um die einzelnen Flaschen auf dem Boden aufzusammeln. Wie viele Container leeren sie pro Tag? Fünfzig? Achtzig? Rechnet man das hoch, lautet das Ergebnis sehr schnell: fürchterliche Kreuzschmerzen, Abend für Abend. Sie tun das für uns, damit wir uns täglich gepflegt einen hinter die Birne bügeln können. Ihnen gebührt also unermesslicher Dank. Auch sie sind stille Helden der Krise! (Michael Herl)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare