Ein Paar geht händchenhaltend - beide tragen Schutzhandschuhe.
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Krisen, Krisen, Krisen: Viele Menschen verlieren die Kontrolle über das Leben, trotzdem gibt es einen anderen Weg als den Griff zur Jogginghose.

Kolumne von Michael Herl

Hoffnungslos wegen Corona und anderen Krisen? Tragen Sie trotzdem keine Jogginghose!

  • Michael Herl
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Zu dem Beinkleid greift, wer die Zuversicht, Lebenslust und dann die Kontrolle verliert. Das muss allerdings verhindert werden. Die Kolumne von Michael Herl.

Eigentlich ist es schon ein wenig verständlich, wenn heutzutage jemand in aller Öffentlichkeit Jogginghose trägt. Tut er das nämlich, so hat er laut dem 2019 verstorbenen deutschen Philosophen Karl Lagerfeld die Kontrolle über sein Leben verloren. Dies gilt es unbedingt zu verhindern, denn sonst traue ich mich nicht mehr auf die Straße, weil mir sonst übel wird, und das ist nicht schön.

Corona und andere Krisen: Die Stunde des Kontrollverlusts über das Leben – und die Stunde der Jogginghose

Also befragte ich einige mir bekannte Fachleute aus dem psychosozialen Bereich, warum üblicherweise Menschen ihr Leben aus dem Ruder läuft, und weiß nun, dass dies geschieht, wenn sie zuerst den Überblick verlieren, dann die Zuversicht, dann die Lebenslust, dann die Kontrolle – und schließlich die Notwendigkeit, sich etwas Anständiges anzuziehen.

Es fehlt also der Überblick, und um den wiederzuerlangen, helfe häufig das Erstellen einer Liste. Also machte ich mich daran, als kleine Handreichung zur Vermeidung von Jogginghosen mal eine solche zu erstellen. Fangen wir an, der Einfachheit halber erst mal nur in Form von Stichworten in willkürlicher Reihenfolge.

Corona, Wirecard, Trump, Bolsonaro, Polizei-Rassisten: Die Liste der Krisen ist lang

Das also kam binnen kurzer Zeit über uns: Metoo-Debatte, Flugschämen, Amoklauf eines Nazis in Halle, Fridays für Future, neue Radwege überall im Land, Videokonferenzen statt Dienstreisen, Insektensterben, sinkender Fleischkonsum lange vor Tönnies, Grillverbot, Vernichtung Tausender Tonnen französischen Rohmilchkäses aufgrund geschlossener Restaurants, Abkehr vom Auto, Kurzarbeit, Maskenpflicht, katholische Kirche vertuscht immer noch Kindesmisshandlung.

Berliner Flughafen wird überflüssig und dennoch eröffnet, Tempo 130 auf deutschen Autobahnen steht kurz bevor, Black Lives Matter, Klimawandel, Nazis in der Bundeswehr, temporäre Klopapierknappheit, Xavier Naidoo erklärt sich endgültig als bescheuert, Singvögelsterben, Kreuzfahrtschiffe sind eingemottet, Immobilien sinken im Wert, Amoklauf eines Nazis in Hanau.

Corona ist nur der Katalysator für viele Krisen

Wirecard-Manager lassen (oh Wunder) Kleinanleger verarmen, Bestatter melden wegen sinkender Zahl von Operationen Kurzarbeit an, der Wald stirbt, zigtausende Idioten demonstrieren gegen Maskenpflicht, Formel 1 stirbt auch, es gibt kaum noch Fische ohne Mikroplastik im Bauch, angesichts von Leuten wie Orban, Trump, Bolsonaro und Erdogan avanciert Kim Jong Un zum Ehrenmann, Lufthansa stirbt ebenfalls, dennoch wird in Frankfurt ein Terminal 3 gebaut, Rassisten bei der Polizei, Nazi ermordet Politiker in Kassel, Irrsinn der Produktion in Billiglohnländern offenbart sich endgültig und, ach ja, nennen wir es auch mal beim Namen, Covid-19.

Letzteres aber, auch wenn es so übermächtig erscheint, ist bei den allermeisten angeführten Punkten nicht der Auslöser, sondern bestenfalls ein Katalysator. Vieles wäre auch ohne das Virus geschehen, nur mit Verzögerung und nicht geballt mit allem anderen.

Corona und andere Krisen: Greifen Sie bald zur Jogginghose?

Schuldnerberater empfehlen ihren Klienten, sich dazu zu zwingen, die ganzen Berge von Rechnungen und Mahnungen zu öffnen, zu sortieren und aufzulisten. Dann gehe es ihnen auf einen Schlag besser, denn das bedrohende, schwarze Ungewisse erhalte ein Antlitz und wirke bekämpfbarer.

Geht es Ihnen nun auch so? Sehen Sie Licht am Ende des Elends – oder greifen Sie dennoch bald zur Jogginghose? Tun Sie’s nicht. Es gibt immer einen Weg. (Michael Herl)

Die Corona-Krise hat so manche Fernbeziehung entzweit. Vor allem für Unverheiratete fehlen Ausnahmen bei Reiseauflagen. Die Kolumne.

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