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Kolumne

Corona in Israel: Die Pandemie scheint dank der Impfkampagne auf dem Rückzug

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Die unendliche Saga der Regierungsbildung mit Tricks und Kapriolen hält in Israel das geneigte Publikum wie ein Politthriller in Bann. Die Kolumne.

Tel Aviv - Hier in Israel wird wieder viel Gesicht gezeigt. Ein Mund-Nase-Schutz wegen des Coronavirus ist nur noch in Geschäften oder bei Behördenbesuchen obligatorisch. Im Freien reicht es, ihn in der Tasche zu haben. Die Pandemie scheint auf dem Rückzug, dank weitgehender Immunisierung der Bevölkerung mit Pfizer/Biontech-Vakzinen, die Premier Benjamin Netanjahu in einem seiner hellsten Momente frühzeitig und massenhaft beschafft hat.

Klar doch, das wissen Sie längst, liebe Lockdown-Geplagte, die damit hadern, dass Merkel, Spahn und diverse Länderfürsten in dieser Angelegenheit zu lange auf der Leitung standen. „Was ist das für ein Balagan bei euch in Deutschland“, fragen mich denn auch öfters Jerusalemer Bekannte. Aber meist springt das Gespräch schnell über zum aktuellen israelischen Balagan. Ein Begriff, der übers Jiddische ins Hebräische eingewandert ist und in etwa schwer entwirrbares Durcheinander meint.

In Israel ist die Corona-Pandemie dank einer guten Impf-Kampagne auf dem Rückzug.

Corona in Israel: Netanjahus Impfkampagne verschafft ihm keinen Wahlsieg oder politische Immunität

Mittendrin in diesem Balagan steckt Netanjahu, der sich nicht damit abfinden mag, dass seine weltmeisterliche Impfkampagne ihm weder einen klaren Wahlsieg noch politische Immunität verschafft hat. Und so hält die schier unendliche Saga der Regierungsbildung, ein Koalitionspoker voller Tricks, Raffinessen und erstaunlichen Kapriolen, das geneigte Publikum wie ein Politthriller in Bann.

Themenseite zur Pandemie:

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Auch in Staffel vier dieser turbulenten Serie – analog zu den vierten, unentschieden geendeten Wahlen binnen zwei Jahren – ist der Ausgang ungewiss. Hauptdarsteller „Bibi“ zieht alle Register, um an der Macht beziehungsweise in der Premiersresidenz zu verbleiben. Schon weil Ehefrau Sara, so heißt es, auf keinen Fall gewillt sei auszuziehen – im Unterschied etwa zu Melania Trump, die sichtlich erleichtert schien, als sie an Donald Trumps Seite dem Weißen Haus den Rücken kehren konnte.

In Israel spielt sich ein wahrer Politthriller ab, der einfach nicht zu lösen scheint.

Natürlich spielt auch Netanjahus Korruptionsprozess eine Rolle, warum er fast jedem Rivalen, der ihm die fehlenden Stimmen verschaffen könnte, das Blaue vom Himmel verspricht. Sogar das Regierungsbüro (nur nicht die Residenz!) würde er in diesem Fall für ein Jahr mal abtreten, hat „Bibi“ beteuert.

Corona in Israel: Die Corona-Pandemie scheint in Israel auf dem Rückzug

Was allerdings wenig glaubwürdig rüberkommt, nachdem er bereits mit einer ähnlichen Zusage den jetzigen Verteidigungsminister Benny Gantz zu einer Partnerschaft überredete, ohne je zu beabsichtigen, sich an das gesetzlich abgesicherte Rotationsmodell zu halten.

Bluff oder nicht. Die Lockangebote machen dem Anti-Netanjahu-Lager Dampf, geführt von „Zukunft“-Parteichef Jair Lapid. Sein ambitioniertes Unterfangen, aus sieben Fraktionen – zwei davon aus der politischen Mitte, zwei aus dem linken und drei aus dem rechten Spektrum – eine Koalition der nationalen Einheit zu schmieden, die zu alldem von arabischen Abgeordneten toleriert werden müsste, galt bislang als „Mission Impossible“. Seit dem Treffen zwischen dem stramm rechten Naftali Bennett, der in dieser Konstellation Premier werden soll, und dem islamistischen Realo Mansour Abbas wird allerdings nichts mehr für unmöglich gehalten.

„Bibi“ versucht derweil, nach Kräften dazwischenzufunken. Viele Israelis haben ihn bereits im Verdacht, zum fünften Mal in Folge Neuwahlen anzetteln zu wollen. Solange es keine neue Regierung gibt, bleibt Netanjahu schließlich Premier.

Zugegeben, klingt ganz schön kompliziert, aber vermittelt zumindest eine Vorstellung davon, was ein echter Balagan ist.

Inge Günther ist Autorin.

Rubriklistenbild: © Kfir Sivan

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