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Kolumne

Corona: Das Impfdilemma hält weltweite Pandemiepolitik in Atem – Über ein gekränktes Impfego

  • Richard Meng
    vonRichard Meng
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Beim Blick auf eine Weltkarte des Impfens erkennt man, dass ein großer Teil der Menschheit so schnell kein Vakzin sehen wird. Die Kolumne.

  • Neben der Corona-Krise generell, ist aktuell der Impfstoff Thema Nummer 1.
  • Ein großer Teil der Menschheit wird noch lange auf einen Impfstoff warten müssen – Grund liegt bei Pharmafirmen.
  • Eine Kolumne über das gekränkte Impfego.

Frankfurt – Liebe Leute, bitte blickt noch mal kurz zurück – es könnte hilfreich sein. Denn wochenlang hatte es – vor der neuen Öffnungsdebatte – nur ein Thema gegeben: Impfchaos, Impfversagen, Impfdesaster. Keine Empörungssteigerung, die allseits nicht gerne mitgemacht wurde. Dass es in Deutschland nicht schnell genug voranging, dass Deutschland zu spät dran war.

Armes Deutschland. Aber wegen dieser Art Debatte: Zu billig war sie, liebe Leute. Trotz der Schwächen und Pannen, die es gab und gibt. Trotz des Wegkaufens durch Briten, US-Amerikanern und Israelis. Trotz der Einflusssicherung via Impfstoff, die autoritäre Regime von Moskau bis Peking gerade vorführen.

Corona-Impfstoffe: Viele Menschen werden lange kein Vakzin sehen

Fangen wir innereuropäisch an. Niemand hat es kritisch hinterfragt, als die EU tagelang das Hauptproblem darin sah, dass Großbritannien von Lieferkürzungen verschont blieb. Mit der Konsequenz, dass dort nun hoffentlich einige ältere Menschen weniger sterben und in EU-Europa womöglich noch einige mehr. Doch wer mag fordern, dass es umgekehrt sein müsste?

Weltweit werden so schnell nicht sehr viele Menschen geimpft werden.

Es ist auch nicht beruhigend, wenn der Gesundheitsminister ankündigt, für gut 80 Millionen Menschen (pro Nase zwei Impfungen) seien dank deutscher Euro-Milliarden über 650 Millionen Impfdosen bestellt. Eine Rechnung mit vielen Unbekannten, offenbar. Aber gut fürs gekränkte Impfego. Womöglich sogar eine nach dem Prinzip: Wenn etwas übrig bleibt, ist der Rest der Welt auch mal dran.

Gesundheitskapitalismus: Pharmafirmen hätten auf Patentschutz verzichten sollen

Vielleicht habt ihr, liebe Leute, ja irgendwann auf eine Weltkarte des Impfens geschaut. Da erkennt man, dass ein großer Teil der Menschheit so schnell keinen Impfstoff sehen wird. Dass also nur die Reichen gestritten haben und mit ihren Aufkaufprogrammen dafür sorgen, dass anderswo weiter gestorben werden muss. Obwohl alle wissen, dass ein Virus erst besiegt sein kann, wenn es überall besiegt ist. Was zugleich der zentrale Schwachpunkt des gerade wieder verlängerten deutschen Lockdowndenkens ist.

Die schwache WEU-Kommissionschefin hat den Kernpunkt beim Impfdilemma ausgesprochen, bezeichnenderweise hat es niemanden interessiert: Das Versagen ist und bleibt, zwar die Impfstoffentwicklung massiv zu fördern, aber nicht gleichzeitig Produktionskapazitäten aufzubauen. Was – das sagt sie nicht – aber nur funktioniert hätte, wenn man die Pharmafirmen von Beginn an gezwungen hätte, auf Patentschutz zu verzichten und stattdessen in öffentlicher Kontrolle Lizenzen zu vergeben. Das wurde nie ernsthaft diskutiert, weil es nicht in die wirtschaftsnahe Glaubenswelt passt.

Es ist schwer, diese Denke zu ändern. Das beginnt, wenn wieder in einem Impfzentrum ein Vorsteher wegen ausbleibender Ampullen in eine Kamera schimpft. Dann, liebe Medienleute, bitte nicht nur draufhalten. Auf den Kern zu sprechen kommen, den Mangel und seine Ursache. Zu oft kreist sonst die durstige Karawane nur um das nationale Wasserloch, statt einen Weg für alle zu suchen.

Corona: Impfstoff steckt wegen Gesundheitskapitalismus im Dilemma

Es ist dies ein Lehrbeispiel, zu welchen Fehlwahrnehmungen Gesundheitskapitalismus führt. Mit demokratischen Staaten empfunden als Konkurrenten, die übereinander herfallen, die EU schwankend mittendrin. Deshalb, liebe Leute, lief die deutsche Impfdebatte so schief. Ihr habt es geschehen lassen.

P.S.: Ja, auch um die Demokratieverträglichkeit von Pandemiepolitik geht es da. Unwahrscheinlich, dass sich in den beginnenden Wahlkämpfen jemand traut, den Corona-Ego-Blick zu überwinden. Unklar, ob so jemand belohnt oder bestraft würde. Eure Entscheidung. (Richard Meng)

Rubriklistenbild: © DEMY SANJAYA

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