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Die Israelis haben beim Impfen die Nase klar vorn.
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Die Israelis haben beim Impfen die Nase klar vorn.

Kolumne

Ein Piks zum Glück

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Die Corona-Impfquote in Israel ist vergleichsweise hoch – auch weil die Menschen im Land zu improvisieren wissen. Die Kolumne.

Fühlt sich verdammt gut an, mein linker Oberarm. Etwas druckempfindlich, wie nach der jährlichen Grippeimpfung, aber sonst? Keine Beschwerden. Was für einen Glücksmoment so ein Piks auslösen kann, als ob ein schwerer Stein mir nichts, dir nichts vom Herzen gefallen wäre. Übermütig witzele ich mit meinem Freund auf der Heimfahrt vom Jerusalemer Impfzentrum, dass wir jetzt noch den Chip loswerden müssten, der uns womöglich mit dem Biontech-Vakzin eingepflanzt worden sei.

Es fällt leicht, sich über Verschwörungsvernarrte lustig zu machen, wenn man nicht nur gegen sie immun ist, sondern dank der gerade verpassten ersten Dosis des Covid-19-Impfstoffs auch schon weitgehend gegen eine Infektion. Dass ihre Schauermärchen nicht weiter verfangen, zeigt der allenthalben eingesetzte Run aufs Impfmaterial.

Die Israelis haben dabei die Nase klar vorn. Was sich Premier Benjamin Netanjahu persönlich zugutehält. „Bibi“, so sein Spitzname, hat von den Herstellern Pfizer und Moderna gekauft, so viel er nur konnte. Politische Nebenwirkung: „Bibis“ Chancen auf eine Wiederwahl im März sind gestiegen, wer weiß, vielleicht sogar seine Aussichten, am Ende als Retter vor der Pandemie Gnade im laufenden Korruptionsprozess zu erlangen.

Die Erfolgsstory der massiven Impfkampagne hat allerdings vor allem mit dem israelischen Improvisationstalent zu tun. Bürokratie wird zwar großgeschrieben, aber ähnlich wie die Halacha – der jüdische Religionskodex – mitunter recht findig umgangen. Im Hinblick auf Corona funktioniert das so: Alle über Sechzigjährigen können sich derzeit in Israel einen Impftermin geben lassen oder es auf gut Glück versuchen. Damit keine der an diverse Impfzentren verteilten Tagesrationen verfällt, wird der Rest in der Spätschicht dem Jungvolk injiziert, das draußen ansteht wie sonst vor der Disco.

Auch vor der ambulanten Klinik im arabischen Viertel Scheich Jarrah warten einige jüngere schläfengelockte Juden und wollen wissen, ob für sie eine Impfdosis übrig bleibt. Zumal die Ost-Jerusalemer Palästinenser der Generation sechzig plus besonders impfskeptisch sind. Die Impfquote in dieser Altersgruppe im Westteil ist jedenfalls drei- bis viermal höher.

Leider habe ich hier zunächst Pech. Das Pflegepersonal studiert zwar ausgiebig den Brief vom israelischen Gesundheitsministerium, den mir das Government Press Office gemailt hat, verbunden mit dem Hinweis, akkreditierte Auslandskorrespondenten über 60 Jahren (zu denen ich gehöre) seien ebenfalls zur Covid-19-Impfung berechtigt. Aber ich habe keine israelische Identitätsnummer, die vor Verabreichung der Injektion in den Computer eingetippt werden muss. Wenigstens kommt mein palästinensischer Freund dran.

Unser Ansteckungsrisiko hat sich bereits halbiert. Und beim zweiten Anlauf im Impfzentrum am Stadion klappt es auch in meinem Fall. Nach ein wenig Hin und Her bekomme ich eine fiktive ID-Nummer verpasst und gleich darauf den Stich in den Oberarm.

„Bald können wir unbesorgten Zeiten entgegensehen“, begeistere ich mich. Na ja, nicht ganz so bald. Seit Mitternacht gilt ein in Israel nochmals verschärfter Lockdown. Die Infektionszahlen sind erneut in die Höhe geschnellt. Dass rund 15 Prozent der Israelis geimpft sind, ergibt eben noch keine Herdenimmunität. „Wenigstens bist Du in Jerusalem im richtigen Alter“, beneidet mich eine Freundin aus Bonn am Telefon. In Deutschland könne man sich derzeit nur wünschen, „schon über 80 zu sein“.

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