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Beim Thema Corona-Impfstoff geht es um Vertrauen.
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Beim Thema Corona-Impfstoff geht es um Vertrauen.

Kolumne

Corona-Impfstoff: In der Corona-Krise braucht es Vertrauen

  • vonRichard Meng
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Beim Thema Impfen tun alle, was sie selbst am wenigsten massiver Kritik aussetzt.

Ist Haareraufen das richtige Wort? Heimlich taten sie es in diesen Tagen gewiss in der EU. In Sachen Impfstoffzulassung hatten sie ein Verfahren verabredet, das Europa wochenlang zum Zuschauen – verdammt, muss man da ja wohl sagen. Bis es mit dem Impfen losgeht, wird statt Neujahr nun zwar nur Weihnachten vorbei sein. Aus gut drei Wochen Verzögerungszeit wurden zwei. Doch bis dahin werden sich trotzdem sehr viele Menschen infizieren und viele sterben.

Corona-Impfungen: Alle meinen es gut

Natürlich gab es gute Argumente – wie immer, wenn vernunftgeleitete Systeme logisch entscheiden. Besser ein Verfahren für alle statt ein nationaler Notzulassungswettlauf. Besser ausführliches Prüfen statt eines Schnellschusses, um des Vertrauens willen. Solidarität und Vertrauen, Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Aber es gibt eben doch so etwas wie Systemblindheit.

Alle meinen es gut. Und alle tun, was sie selbst am wenigsten massiver Kritik aussetzt. Zumal alle inzwischen wissen, wie schwer auffindbar politisches Vertrauen geworden ist, selbst in Zeiten der Weltgesundheitskrise. Also: bloß keine Datenschutzrisiken bei der Warn-App. Bloß keine offensivere Auseinandersetzung mit der AfD und sonstigen Anti-alles-Leuten, speziell im Osten. Im Ergebnis ist alles korrekt und integrativ angelegt, aber von ausbaufähiger Effektivität.

Corona-Impfungen: Ein einziges verbindliches und transparentes Zulassungsverfahren muss her

Lockdownpolitisch gilt nun das Prinzip: Wenn alle möglichst ausnahmslos betroffen sind, ist der Ärger am geringsten. Gleichheit im Leid stärkt die Akzeptanz, nicht zuletzt vor Gericht. Aber da ist eine Nebenwirkung: Unbeweglichkeit. Die runtergefahrene Gesellschaft verliert Dynamik.

In der nächsten Woche wird auch die EU den Impfstoff zulassen. Was denn auch sonst, verehrte Fachleute? Wobei wieder einmal deutlich wird, welch ein Unfug es ist, nicht endlich – im Rahmen der WHO – weltweit ein einziges verbindliches und transparentes Zulassungsverfahren für Medikamente einzuführen. Es würde nur eines dazu brauchen: Vertrauen.

Aber jede Wette: Eher nationale Erleichterung wird die Weihnachtsstimmung prägen, nicht internationaler Aufbruch. Lob wird es geben für die Sicherung möglichst vieler Impfdosen, die Europa den Menschen anderswo wegkauft. Zur Systemblindheit zählt auch die Trägheit der sonst so kritischen Öffentlichkeit in solchen Fällen.

Corona-Impfungen: Hoch lebe die Scheinobjektivität

Wer traut sich, gerade jetzt ein Weltgesundheitssystem voranzubringen? Wer traut sich, gute eigene Standards mal zurückzustellen, weil es für alle eilt: Das ist beim Gesundheitsschutz nicht viel anders als beim Arbeits-, Daten- oder Denkmalschutz. Wer Ausnahmen vorschlägt, ist im Normalfall verdächtig. Und wenn’s mal kein Normalfall mehr ist? Es dauert wohl, das zu merken, siehe Europas Medikamentenzulassungsdesaster. Und stets kann es ja auch richtig sein, trotzdem beim Prinzip zu bleiben.

Derweil wird weiter darüber schwadroniert, das Virus unter Kontrolle bringen zu wollen. Hoch lebe die Scheinobjektivität, sie hilft wenigstens gegen die Angst. Aber sonst? Erst wenn Hochbetagte und Risikogruppen geimpft sind, lässt sich absehen, mit welchem Infektionsniveau die Gesellschaft leben kann und muss. Wer sich heute schon auf Obergrenzen festlegt (wie die allseits vorgebetete 50er-Inzidenz), macht es sich zu einfach.

Nicht Kontrolle ist der richtige Zielbegriff, sondern Gesundheit. Es gab schon einmal ein böses Spiel mit dem Begriff Kontrolle, im Fluchtsommer 2015. Da kippte die Stimmung genau dann, als die Konservativen einen Kontrollverlust für das größte Problem erklärten, wichtiger als jedes humanitäre Argument. Instinktpolitik war das, ziemlich niedere, leider wirkungsvoll. Die Emotion dieser trüben Vorweihnachtstage mit den vielen Toten – hoffentlich bleibt sie stabiler als damals. Vertrauen könnte helfen.

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