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Auch Hunde und kleine Löwen tun es und können 1,5 Stunden etwas hinterherrennen.
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Auch Hunde und kleine Löwen tun es und können 1,5 Stunden etwas hinterherrennen.

Kolumne

Fußball in Zeiten der Pandemie: Den Irrsinn stoppen

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Trotz Virus rollt der Fußball wieder, und es werden gigantomanische Pläne geschmiedet. Es gibt nur einen Weg, diesen Irrsinn zu beenden. Die Kolumne.

Eigentlich – sind wir doch mal ehrlich – ist es schon befremdlich genug. Da rennen 22 erwachsene Männer anderthalb Stunden lang einem Stück Plastik hinterher und schreien sich dabei immerzu an. Zu ihrer Ehrenrettung könnte man zwar sagen, dass Hunde das auch tun und kleine Löwen ebenfalls. Das macht die Sache jedoch nicht wesentlich nachvollziehbarer. Man könnte höchstens anführen, dass Letztere solches üben müssen, da sie tagtäglich ihrem Essen hinterherrennen, es fangen und gegebenenfalls gegenüber anderen verteidigen müssen. Männer müssen das nicht. Jedenfalls sieht man selten ein Exemplar durch den Supermarkt pirschen, dann regungslos vor einem Regal lauern – um im entscheidenden Moment eine Dose Ravioli zu schlagen.

Corona und Fußball: Es läuft aus dem Ruder

Es kommt noch doller. Die 22 sind mit ihren Jagdübungen nämlich nicht alleine. Drei weitere passen auf sie auf, und einige andere rufen ihnen Hinweise und Befehle zu. Dem nicht genug. Etliche andere schauen nämlich aufmerksam zu, trinken dabei Bier und schreien sich die Seele aus dem Leib. Manchmal sind dies zehn oder zwanzig, manchmal Hunderte, manchmal Zigtausende. Gelegentlich sogar Millionen, denn das Gerenne wird im Fernsehen gezeigt. Es scheint also etwas Faszinierendes zu haben. So tut es nicht Wunder, dass das Treiben seit einigen Jahrzehnten mit Geld in Verbindung gebracht wird. Mit viel Geld. Alles, was Menschen haben oder sehen wollen, taugt schließlich zum Geschäfte machen – und in aller Regel sind es nicht die Redlichsten, die sich dabei die Taschen füllen. Und da unsere Welt nun mal so ist, wie sie ist, ist das Ganze seit einiger Zeit vollkommen aus dem Ruder gelaufen.

Trotz der Pandemie: Pickelgesichter fahren Maserati

Das Big Business Fußball drohte an seiner eigenen Raffgier zu ersticken. Schmiergelder sind schon lange mindestens üblich, nicht erst seit den spektakulären Fällen in den Siebzigern. Gehälter stiegen ins Astronomische, Fernsehgelder explodierten, demzufolge auch die Sponsorengelder. Vielen Kommunen ist es wichtiger, Stadien zu bauen statt Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Vereine verpflichten halbe Kinder für Millionen, Scouts betreiben eine neue Form des Kolonialismus und sichten Talente auf afrikanischen Dorfplätzen, die Taschen voller Glasperlen. Pickelgesichter fahren Maserati, tragen Juwelen in den Ohren und lassen sich Steaks mit Blattgold servieren. Selbst Schlitzohren wie Uli Hoeneß gelten als das gute Gewissen der Branche, und in Verbänden jagt ein Skandal den nächsten. Das Ende des Niedergangs war mit dem Verkauf einer Weltmeisterschaft nach Katar noch lange nicht erreicht.

Corona stoppt den Fußball nicht

So war es bis vor einem Jahr. Dann kam das Virus. Zunächst stand alles still, noch immer steht alles still – einzig der Fußball rollt wieder. Auf wundersame Weise hat sich der Zirkus Balla Balla Virenfreiheit verordnet, was erstaunlicherweise auch funktioniert, man frage nicht warum. So schmiedet man auch wieder gigantomanische Pläne. The Show must go on, auch wenn Vereine wie der FC Barcelona bereits eine Schuldenlast von über einer Milliarde Euro drückt. Der Wahnsinn scheint unaufhaltsam – doch eine Schwachstelle hat er. Er funktioniert nur mit Zuschauerinnern und Zuschauern. Im Stadion oder am Bildschirm. Da lauert die Chance, den Irrsinn zu stoppen. (Michael Herl ist Autor und Theatermacher)

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