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Die Spieleindustrie ist ein großer Gewinner der Pandemie.
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Die Spieleindustrie ist ein großer Gewinner der Pandemie.

Kolumne

Mit Brettspielen gegen die Lockdown-Depression? Das alleine hilft nicht

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Krisen lassen sich spielerisch verarbeiten. Mit diesem Mittel allein kommt man aber nicht aus jeder emotionalen Schieflage heraus. Die Kolumne.

Krise? Welche Krise? Entgegen anderslautender Vermutungen, dass Medienredaktionen von schlimmem Mainstreamdenken geprägt seien, in dem eine schlechte Nachricht der anderen zu folgen habe, gibt es dort in schöner Regelmäßigkeit die reflexhaft gestellte Frage: „Wo bleibt das Positive?“

Die Spieleindustrie ist ein großer Gewinner der Pandemie

Mit Blick auf den Kulturbetrieb wird dann also nicht nur über verschlossene Theater und Kinos berichtet, es ist auch Platz für Nachrichten wie diese: Die Spieleindustrie ist ein großer Gewinner der Pandemie. Kinderspiele seien in diesem Jahr bisher zu 13 Prozent mehr gekauft worden, sagt etwa der Verband der Spieleverlage, aber noch besser läuft’s bei den Erwachsenenspielen, da waren es nämlich 30 Prozent mehr.

Familientherapeuten begrüßen das. Gegen die in der Pandemie sprungartig angewachsene Gefahr depressiver Stimmungen bieten Gesellschaftsspiele die Möglichkeit, aktiv etwas zu tun. Wer vor der Entscheidung steht, diese oder jene Karte ablegen zu müssen, hat die Chance, aus der Falle der empfundenen Machtlosigkeit herauszukommen. Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis, flexibles Denken – Spiele vertreiben nicht bloß die Zeit, sondern trainieren auch wichtige, für die innere Stabilität notwendige Anlagen.

In der Krise in den Wald, Bäume umarmen

Allein mit spielerischen Mitteln aber kommt man nicht aus der emotionalen Schieflage heraus. Beim Jahreskongress der Psychiater und Psychotherapeuten ging es zuletzt auch um „ecological grief“, eine sogenannte ökologische Trauer. Mit dem Begriff wird das Phänomen beschrieben, dass immer mehr Menschen auf extreme Wetterlagen mit posttraumatischen Belastungsstörungen reagieren. Das weltweite Ansteigen des Wasserspiegels stellt demnach nicht allein ein Umweltproblem dar, das ganz nach oben auf die politische Agenda gehört, es kann auch krank machen.

Manche scheinen sich intuitiv dagegen zu wappnen, es zieht sie in den Wald, um Bäume zu umarmen. Nicht einfach so, längst gibt es professionell betriebene Anleitungen, um die heilende Wirkung der Bäume in sich aufzunehmen.

Der Journalist und Schriftsteller Wolfgang Büscher hat sich zuletzt weniger aus einem esoterischen Wohlgefühl heraus in den Wald begeben. Bei seinem eremitischen Versuch, ein knappes Jahr allein in einer Waldhütte zu verbringen, machte er sich auch auf in eine psycho-historische Exkursion in die Landschaft seiner Kindheit und Jugend ins Nordhessische. Der Wald als Seelenraum, der mehr über Deutschland und seine Menschen verrät, als die meisten Aktivisten einer rechten Fixierung aufs Nationale erahnen.

Einheit von Naturverbundenheit und Konservativismus

Die vermutete Einheit von Naturverbundenheit und Konservativismus jedenfalls präsentiert sich derzeit in widersprüchlicher Gestalt. Der womöglich sogar bis zur Krankheit gesteigerten Sorge ums Klima (ecological grief) steht ein Abwehrverhalten gegenüber, in dem Wetterveränderungen kurzerhand geleugnet werden.

Umwelt ist demnach nicht etwas, mit dem wir uns im permanenten Austausch befinden. Es soll vielmehr das unveränderliche Andere sein. Der deutsche Wald als Symbol eines völkischen Urquells.

Zusammen ergeben Naturmythos und das Phänomen der ökologischen Trauer, die ja nicht nur ein Spleen ist, sondern tatsächlich krank macht, ein schwer zu durchdringendes Paradox. Die Idee, es spielerisch aufzulösen, sollte nicht nur für Monopoly und Schach gelten.

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