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Claus Strunz‘ Hetze gegen Geflüchtete – Der Bild-Chef ist ein Wiederholungstäter

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Von: Katja Thorwarth

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Claus Strunz, hier am 4. September 2022 beim German Boxing Award in Berlin.
Claus Strunz, hier am 4. September 2022 beim German Boxing Award in Berlin. © Imago

Wieder einmal wird dieser Tage mächtig Stimmung gegen Menschen gemacht, die in Deutschland Schutz suchen. Und Bild-Chef Claus Strunz ist vorne mit dabei. Die Kolumne.

Berlin – Claus Strunz ist Wiederholungstäter. Der „Boulevard-Journalist“, wie Wikipedia ihn schmeichelhaft einordnet, fiel schon mehrfach durch Hetze gegen Geflüchtete oder ein entsprechendes Framing auf, sodass man häufig meinen könnte, er schreibe aus internen AfD-Chats ab. Dieser Eindruck dürfte den „Klassensprecher aller Populisten“ (Übermedien) nicht grämen, schließlich ist Strunz seit 2021 „Bild“-Moderator und verantwortlich für jenes Schmuddelangebot, das den gewohnten Krawalljournalismus der Springer-Postille in Textform über den Bildschirm jagt.

Seit dem Rauswurf von Julian Reichelt sitzt er in der „Bild“-Chefetage, ist also einer von drei Nachfolger:innen – und die Fußstapfen, die Neu-Youtuber Reichelt nach all den Jahren in Sachen Hetze hinterlassen hat, dürften ordentlich groß sein. Aber Strunz wäre nicht „Populismus ist das Viagra einer erschlafften Demokratie“-Strunz, wenn er sich diesbezüglich würde lumpen lassen.

„Bild“-Chef Claus Strunz hetzt vor sich hin

Entsprechend adressiert er auf Twitter die Wutbürger:innen, also jene, die ihre Zustimmung dann bekunden, wenn nach unten getreten werden kann. Ordentlich Stimmung gegen Menschen zu machen, die am allerwenigsten zu melden haben, und sie dann noch gegen eine andere Gruppe auszuspielen, war der „Bild“ aber halt noch nie zu billig.

So hetzt Strunz lustig vor sich hin, wenn er von einem „zweiten 2015 – nur schlimmer“ orakelt, um Rentner:innen zu instrumentalisieren, die angeblich demnächst potenziell „wegen hoher Energiekosten zu Hause erfrieren oder verhungern“. Ansonsten wären da noch Familien, die „pleitegehen“, während, Achtung, „illegale Einwanderer in warmen Unterkünften warmes Essen bekommen“. Das nun gefährde „den sozialen Frieden“. Aha.

Strunz baut ein „Horrorszenario“ auf

Jetzt sind wir also wieder mal bei den „illegalen Einwanderern“. Das alles wird orchestriert von einem Artikel, der – „Und jetzt auch noch die Russen?“ – wegen geflüchteter 1,1 Millionen Menschen Alarm schlägt, jedoch die Zahl der Ukrainer:innen mit mehr als 992 000 mitmeint. Übrigens: Der Mediendienst Integration vermeldet für das erste Halbjahr 2022 110 162 in Deutschland gestellte Asylanträge – bei einer Schutzquote von lediglich 53,5 Prozent.

Strunz baut hier also auf ein „Horrorszenario“, das mit „2015“ und „illegale Einwanderer“ die Leute vorauseilend triggern soll. Der Randrechte und dessen Agitationsbasis brauchen die Legende vom „illegalen Einwanderer“, der der Seniorin die Hühnersuppe wegisst. Er braucht es wohl, auf Kosten marginalisierter Menschen gegen die Leute zu agitieren, die Asyl als Menschenrecht begreifen, auch wenn der Fluchtgrund kein Angriffskrieg von Putin ist. Schließlich muss er einer „Linken“, womit er vermutlich alle links von der Union meint, noch hobbyprosaisch kommen und von „naiven Träumen“ quasseln, die an der „Wirklichkeit zerschellt“ seien.

Wenn die ersten Flüchtlingsheime brennen, will es keiner gewesen sein

In „Bild“-TV wird Strunz ausführlich, während ein Kollege am Prager Bahnhof von 150 Schutzsuchenden berichtet, hingegen die Kollegin „Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge“ subtextuell als die Schmarotzer festlegt, die ihre Heizung vom Staat bezahlt bekommen.

Und warum das alles? Damit das Wutvolk möglichst aufgepeitscht Claus Strunz als Meinungsführer huldigt. Aber wenn dann die ersten Flüchtlingsheime brennen, will es wieder keiner gewesen sein. (Katja Thorwarth)

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