Michael Herl über die Wehrpflicht

Bundeswehr? Dann doch lieber Feuerwehr!

  • Michael Herl
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Das Projekt einer deutschen Armee war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Jetzt fliegt es uns endgültig um die Ohren. Die Kolumne.

Eigentlich steckte in dem Satz mehr Wahrheit, als Franz Josef Strauß wahrhaben wollte. Der nämlich antwortete auf die Frage, was er denn tun würde, wenn das österreichische Bundesheer nach Bayern einzumarschieren gedenke, in gewohnter Schnodderigkeit: „Dafür wäre dann die Freiwillige Feuerwehr Freilassing zuständig.“

Ein Haufen bierseliger Freizeitlöscher holt also zum alles entscheidenden Schlag aus, spritzt eine hochgerüstete Armee mit drei C-Rohren zurück ins Nachbarland, kippt noch eine Ladung Jauche hinterher – un guad is.

Strauß kannte sich da aus. Er war schließlich mal Militärminister und als solcher verantwortlich für den Wiederaufbau einer deutschen Streitkraft. So entstand eine neue Armee, besetzt auf den meisten höheren Ebenen mit ehemaligen Nazis, denen man nicht genügend Schandtaten nachweisen konnte.

Wie auch sonst, das war bei Richtern und Lehrern nicht anders. Es war ja sonst keiner da – außer Kommunisten, doch die kamen schon mal gar nicht infrage. Da vertraute man lieber bewährten Schergen. Die waren schließlich darin erprobt, Anordnungen auszuführen, ohne nachzudenken. Es kam also nur darauf an, was man ihnen befahl.

Das klappte, hüben wie drüben. Im Westen wieselte man ein Wirtschaftswunder zusammen, im Osten exerzierte man preußisch korrekt einen sozialistischen Musterstaat. Beide Unterfangen gingen schief. Das Ostgebäude krachte um 1990 zusammen, das im Westen fliegt uns gerade um die Ohren.

Der Zerfallsprozess ist am Beispiel Bundeswehr zu beobachten. Wie jede Armee dieser Welt war sie schon immer überflüssig, spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges bemerkten dies auch Militärnarren – wahrhaben wollten sie es nicht.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Hätte man die Feuerwehren über Jahrzehnte so lausig ausgerüstet wie die Bundeswehr, wäre Zauberland längst abgebrannt. Mit veraltetem oder töricht konstruiertem Gerät und Kampfklamotten vom Discounter sollten militärische Ziele verfolgt werden, die einem „Asterix“-Heft entstammen könnten. Man nehme nur „die Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch“.

Versuche, die tumbe Truppe aufzupeppen, erinnern an das Implantieren eines Herzschrittmachers in eine Mumie. Ungediente Damen zu Militärministerinnen zu machen war ein netter Versuch mit hohem Spaßfaktor. Auch die Zulassung von Frauen fürs Geschütz änderte nichts. Die Frau von heute kann mindestens so viel saufen wie ein Kerl – und kennt womöglich auch die rassistischen Witze.

Am gründlichsten schief ging der vermeintlich entscheidende Schlag zur Erneuerung, die Abschaffung der Wehrpflicht. Nachdem immer weniger Heranwachsende ihre Jugend an der Waffe verschwenden wollten, setzte man auf eine Berufsarmee. Die Folgen waren damals schon klar, nun werden sie eingestanden: Die Bundeswehr wurde zum Tummelpool von Rechten. Man kann halt einen braunen Wurm, der seit Ewigkeiten in einer Armee haust, nicht mal eben vergrämen.

Was aber tun? Ein Zurück zur Wehrpflicht wäre so unsinnig wie unmöglich. Eine Demokratisierung von Hohlköpfen ebenso. Bleibt nur die Überprüfung der tatsächlichen Notwendigkeit einer deutschen Armee – und daraus folgend die Renovierung des Kameradschaftshauses der Freiwilligen Feuerwehr Freilassing.

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