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Kolumne

Populismus vor der Bundestagswahl: Markus Söder und der Genderstern

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Der CSU-Politiker verwechselt politische Inhalte gerne mit Populismus – auch beim Thema geschlechtergerechte Sprache. Die Kolumne.

Noch dreimal schlafen, dann endlich ist sie da, die Bundestagswahl 2021. Vorbei ist die Zeit der neusten Umfragen, die über Loser und Siegertypen Zeugnis ablegen. Vorbei sind all die Trielle, Wahlarenen, Klartext-Tempel, also all jene temporären Stelldichein, die Verzweiflung, Intrige und Lüge als politische Leidenschaft verkaufen.

Spätestens am Montag werden wir aus dem Fenster blicken, werden die wärmenden Sonnenstrahlen absorbieren, ganz so, als berge jedes Ende den Anfang eines erweiterten Seins. Vielleicht werden wir kurz zurückblicken, uns an den vergangenen Wahlkampf erinnern und an die intellektuelle Marter, die so manche Protagonistin uns zuzufügen im Stande war.

Bundestagswahl: Viele innenpolitische Probleme stehen auf dem Index

Man verdrängt ja so schnell, daher sei an die Gender-Fixierung der Unionsparteien und ihrer politischen Influencerinnen erinnert. Kinderarmut, Not der Geflüchteten, Pflegenotstand, Hartz IV, Altersarmut, AfD – wahrlich genug innenpolitische Probleme, die jedoch bei den potenziellen Regierungsparteien auf dem Index zu stehen scheinen. Zumindest war diesbezüglich kaum mehr zu vernehmen, als der ein oder andere Nebensatz in einem Klartext-Tempel.

Markus Söder: Gendern als Volksbedrohung markiert.

Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder beispielsweise musste – der Arme ist durch seine CSU gleich doppelt im Umfragetief – innerhalb einer Woche zweimal das Gendern als Volksbedrohung markieren. Mitte September hatte er die bayrischen Universitäten ermahnt, „kein Gender-Gesetz und keine Gender-Strafzettel“ zu akzeptieren. Wobei Söder Sprachleitfäden meint, die seit Jahren an den Hochschulen Usus sind. Aber geschenkt, wenn’s eng wird, sind kalte Kartoffeln im Kampf um die Macht eben heiß genug.

Rechts und extrem rechts sind miteinander verwandt

Bislang hat sich noch keine bayrische Studentin über schlechte Noten wegen eines fehlenden Gendersternchens beschwert. Auch könnte der „Gender-Strafzettel“ direkt bei der AfD abgeschrieben sein, aber das verwundert nicht weiter: Rechts und extrem rechts sind halt miteinander verwandt.

Wenige Tage später ein weiterer Schlag gegen das Gender-Kartell. „In Bayern wird es keine Gendersternchen, Sprachersatz oder Sanktionen in Prüfungen geben“, heißt es gar auf Söders Twitter-Account. Keine Gender-sternchen? In ganz Bayern? Was mit „Sprachersatz“ gemeint ist, dürfte Söder selbst nicht wissen.

Ist auch egal, denn ihn umtreibt nichts anderes, als ein Phantom zu konstruieren, das er öffentlichkeitswirksam zu bekämpfen gedenkt. Söder, der blau-weiße Ritter, der sein Volk vor dem Todesstern zu retten vermag, während die linksrotversifften Grünen die Sprachpolizei schließlich erfunden haben. Ein billiger Trick, den bereits Aufpeitscherinnen der AfD, Friedrich Merz oder etwa Birgit Kelle regelmäßig bemühen.

Gendern ist ein emanzipatorisches Anliegen

Ihnen ist gemein, Gendern in eine Gaga-Ebene zu überführen, die lediglich in ihrer Maskulinistenblase existiert. Über „Kinder und Kinderinnen“ lachen vermutlich außer Merz und Kelle noch Alice Weidel, alle anderen dürften nur so tun.

Beim Gendern geht es jedoch um eine geschlechtergerechte Sprache, die den Fakt, dass nicht mehr nur traditionelle Geschlechterrollen existieren, sprachlich in der Gesellschaft abbildet. Es ist also ein emanzipatorisches Anliegen, da kann das Gefolge aus der Patriarchatsecke zetern wie es lustig ist.

Söder hingegen hat kurz vor der Ziellinie wieder einmal demonstriert, dass er politische Inhalte gerne mit Populismus verwechselt. Aber was schert den König von Bayern sein Geschwätz von gestern. Am Montag ist eh alles vorbei. (Katja Thorwarth)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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