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„Die Partei“ ist nichts weiter als selbstherrlich.
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„Die Partei“ ist nichts weiter als selbstherrlich, sagt unser Kolumnist.

Kolumne

Bundestagswahl 2021: „Die Partei“ stellt sich in eine Reihe mit den Rechtsradikalen

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Nichts mehr ist ernst, also machen wir Spaß und haben Spaß - auch vor der Bundestagswahl. Es könnte einem egal sein, doch es ist brandgefährlich. Die Kolumne.

Eigentlich kann man ja so ziemlich alles mit Humor nehmen. Nirgendwo wird zum Beispiel so viel gelacht wie auf Beerdigungen. Lachen ist eine befreiende Gefühlsäußerung und dem Weinen sehr nah. Bei beidem kommen einem bekanntlich die Tränen. Deswegen fand ich auch befremdend, Armin Laschet für dessen Lachen bei seinem Besuch in einem Flutgebiet zu verdammen. Wenn man nichts zu lachen hat, tut es gut, es zu tun.

Grenzwertiger wird es bei der Definition von Humor. Meine Miene zum Beispiel versteinert sich selten so sehr wie beim Betrachten einer Karnevalssendung. Andererseits schätze ich Witze, die kurz sind und erst nach einigem Nachdenken lachen machen, etwa „Hier stand das Dynamitmuseum“.

Zynismus wird bei „Die Partei“ oft mit Satire verwechselt

Kritisch wird es, wenn sogenannter „Humor“ zynisch wird. Zynismus wird oft mit Ironie gleichgesetzt; das ist falsch. Zynismus ist böse, hämisch, zerstörerisch und verletzend und ergeht sich nicht selten auf Kosten derer, die sowieso nichts zu lachen haben und deswegen umso verwundbarer sind.

Bestes Beispiel dafür ist die berühmt gewordene, aber armselige Idee eines Satire-Magazins, im Wendejahr 1989 eine „Zonen-Gaby“ auf dem Titel abzubilden, die eine Salatgurke in Händen hält und diese als „meine erste Banane“ bezeichnet. Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek soll das Werk sogar als „Highlight des politischen Witzes“ bezeichnet haben. Ich fand es einfach nur geschmacklos. Satire darf alles, nur nicht auf Schwächeren herumtrampeln und somit eine Situation verhohnepipeln, die dafür zu ernst ist.

Bundestagswahl: „Die Partei“ - eine Zusammenrottung selbst ernannter Spaßvögel

Ein weiteres, bedeutend gravierenderes Beispiel sehen wir nun wieder im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021. „Die Partei“ ist bekanntlich eine Zusammenrottung selbst ernannter Spaßvögel, die es sich zum Ziel setzen „die Politik“ an ihrem eigenen Beispiel ad absurdum führen. Das mag ein witziger Ansatz sein, ist in der Konsequenz aber fatal.

Unser Land, unsere Gesellschaft, sogar unsere ganze Welt befinden sich in gerade in einem äußerst fragilen Zustand – und damit auch unsere demokratischen Werte. Politikverdrossenheit greift mehr denn je um sich und äußert sich in Totalverweigerung des Urnengangs oder der Wahl von Parteien, die ohne vernünftigen Lösungsansatz lediglich umherpoltern (wie die AfD) oder belanglos rumhampeln wie „Die Partei“. Beides wird dem Ernst der Lage nicht gerecht.

Bundestagswahl 2021: Die „Partei“ setzt Demokratie aufs Spiel

Da helfen auch Legitimierungsversuche wie „besser, die Leute wählen uns als die AfD“ nicht. Sie sind eher ein Zugeständnis des eigenen Unwohlseins – stellt man sich doch im Geiste in eine Reihe mit den Rechtsradikalen.

Andererseits spricht es für den Zustand unserer Gesellschaft, dass kluge Köpfe, wie sie in der „Partei“ zweifellos vorhanden sind, überhaupt auf die Idee kommen, unser demokratisches System leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Nichts mehr ist ernst, alles ist Fun, also machen wir Spaß und haben Spaß. Dass das dekadent ist, könnte einem egal sein. Doch es ist auch brandgefährlich.

Und eines muss man zur Vorbeugung einer Verwechslung unbedingt festhalten: Was „Die Partei“ als Selbstverständnis formuliert, hat nichts, aber auch rein gar nichts mit einem gesunden Anarchismus zu tun. Der hat klare Ziele, nämlich die herrschaftslose Freiheit aller. „Die Partei“ hingegen ist nichts weiter als selbstherrlich. (Michael Herl)

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