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Die Natur in Tansania leidet.
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Die Natur in Tansania leidet.

Kolumne

Bulldozer gegen Natur und Mensch

  • Manfred Niekisch
    vonManfred Niekisch
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Mit einem Staudammprojekt richtet der tansanische Präsident großen Schaden an. Die schlampige Planung verheißt nichts Gutes. Die Kolumne.

Er würde sich wohl im Grabe herumdrehen – Julius Kambarage Nyerere, der erste Ministerpräsident des Landes, das damals noch Tanganjika hieß. Als er 1999 starb, hatte er seine Heimat in die Unabhängigkeit geführt und sich um den Frieden in Afrika und den Naturschutz verdient gemacht, unter anderem mit der Einrichtung eines der wichtigsten Naturschutzgebiete der Welt, der Serengeti.

Heute macht sein Name aus weniger gutem Grund Schlagzeilen. Ohne sein Zutun. Das größte Wasserkraftwerk Ostafrikas wird gerade gebaut und ist nach ihm benannt. Eine über 130 Meter hohe Staumauer wird den Fluss Rufiji zu einem See aufstauen, rund dreimal so groß wie der Bodensee. Das gewaltige Projekt soll mehr als das Doppelte des jetzigen Stromaufkommens Tansanias produzieren.

Das mag in den Ohren blind wachstumsgläubiger Menschen fantastisch gut klingen, würde doch Energie im Übermaß zur Verfügung stehen in einem Land, das von Arbeitslosigkeit und Armut gekennzeichnet ist. Doch Zweifel am Gesamtkonzept sind mehr als angebracht.

Der gigantomanische Bau entsteht in einem der letzten Wildnisgebiete Afrikas, dem Selous-Schutzgebiet. Für die zahlreichen Wildtiere, unter anderem die bedeutenden Populationen von Elefanten und Giraffen, ist die Katastrophe unausweichlich. Ihre Wanderwege und Lebensräume werden überschwemmt. Viele Tiere werden dem steigenden Wasser nicht ausweichen können und jämmerlich ertrinken.

Auch für Menschen sind existenzielle Bedrohungen absehbar, und das weit flussabwärts des Dammes. Nicht nur, dass dort Wasser fehlen wird. Die Staumauer hält die Sedimentfracht zurück, welche mit ihren Nährstoffen die Grundlage des Wirtschaftens in den Mangrovenwäldern und im Rufiji-Delta darstellt, einem dicht besiedelten und landwirtschaftlich höchst produktiven Gebiet.

Versalzung der Böden, Erosion, Absterben der Wälder, Einbruch der Fischerei: Die Auflistung der Bandbreite und Komplexität vorhersehbarer Schäden liest sich wie das Who is Who der Umweltzerstörung.

Fragezeichen setzt auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens selbst. Betrieb und Unterhaltungsmaßnahmen erzeugen hohe Kosten. Wird die Bevölkerung sich so teuren Strom leisten können? In wie vielen Jahren werden die Turbinen von der Sedimentfracht lahmgelegt sein?

Bei der schlampigen Planung wurden solche Bedenken übergangen. Tansanias Staatspräsident John Magufuli drückte das Projekt rücksichtslos und um jeden Preis durch. Politische und wissenschaftliche Appelle aus der ganzen Welt, selbst Zusagen staatlicher Entwicklungshilfe für die Nationalparks, konnten ihn nicht davon abbringen.

Vor wenigen Tagen ist der Corona-Leugner Magufuli gestorben, an Corona. Zum Kampf gegen das Virus hatte er Beten und gutes Essen empfohlen. Seinen Spitznamen Bulldozer erhielt er wegen seines autoritären Führungsstiles und der massiven Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit sowie jeglicher Opposition. Der Staudamm zementiert die Berechtigung, ihn so zu erinnern. „Bulldozer-Magufuli-Staudamm“ wäre also der passende Name. Die Benennung nach Nyerere klingt wie eine Verhöhnung des charismatischen Gründungsvaters der Nation.

Im Angesicht des Staudammes dürfen Regierungen und internationale Naturschutzorganisationen weiche Knie bekommen und sollten sich nicht aus der Unterstützung der Schutzgebiete Afrikas zurückziehen.

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