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Es ist davon abzuraten, in der Bar des Münchner Nobelhotels Bayerischer Hof nachts um drei betrunken die Füße auf den Cocktailtisch zu legen.
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Es ist davon abzuraten, in der Bar des Münchner Nobelhotels Bayerischer Hof nachts um drei betrunken die Füße auf den Cocktailtisch zu legen.

Kolumne

Brexit: Rausfliegen ist fürchterlich

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Den Brexit müssen alle Briten mitmachen. Egal, ob sie wollen oder nicht. Für letztere ist das gar nicht schön. Die Kolumne.

Eigentlich soll man ja nicht vom Kleinen aufs Große schließen – und erst recht nicht andere Leute in Versuchung führen, dies zu tun. Aber wenn doch das Kleine so amüsant ist? Lesen Sie selbst und entscheiden Sie.

Brexit: Mitgegangen, mitgefangen

Vor Jahren war es, da fuhr ein Freund nach Nepal, einen Berg zu besteigen. Ich weiß, das soll man nicht tun, doch was soll ich machen, er hat es nun mal getan. Der macht übrigens noch ganz andere Sachen. Zum Beispiel in der Bar des Münchner Nobelhotels Bayerischer Hof nachts um drei betrunken die Füße auf den Cocktailtisch legen. Ich war dabei, tat dies selbstverständlich nicht, flog aber dennoch mit raus. Aber das nur am Rande.

Jener Freund bestieg also einen Berg. Keinen hohen für den man Seile, Sauerstoff und Sherpas benötigt, aber immerhin ein Berg, den ich nie besteigen würde (nie zuletzt, weil ich generell nie grundlos Berge besteige).

Oben angekommen öffnete er eine eigens mitgebrachte Dose Dortmunder Bier (er kommt aus dem Ruhrgebiet, was auch die Sache mit den Füßen in der Bar erklärt) und ließ sich dabei von den ihn begleitenden Steigern (Ruhrgebiet!) vor dem malerischen Panorama des Himalayas fotografieren.

Brexit: Zwei Schotten auf den Berg

Dann rauchten sie und erspähten währenddessen unten zwei Punkte, die langsam größer wurden. Zwei weitere Menschen mühten sich also ebenfalls den Berg herauf. Oben angekommen versetzten sie die Dortmunder Zecher (Ruhrgebiet!) in blankes Erstaunen. Die zwei, ein Mann und eine Frau, beide groß, hager und fortgeschrittenen Alters, sahen aus, als wären sie geradewegs einem Luis-Trenker-Film entsprungen.

Sie trugen Knickerbocker, grobstollige, handgenähte Stiefel aus derbem, sorgsam gefettetem Rindsleder und braune Rucksäcke aus Segeltuch. Man begrüßte sich, die Neuankömmlinge stellen sich als aus Schottland kommend vor und waren der Landesüblichkeit entsprechend zurückhaltend und ausnehmend höflich.

Doch nicht lange. Als der Mann nämlich hörte, die neuen Bekannten kämen aus Deutschland, verfinsterte sich unversehens seine Miene. Die gerade noch geselligen Trinker bereiteten sich schon auf Beschimpfungen wie „Krauts“ oder „Nazis“ vor (was kein Wunder gewesen wäre, die beiden waren schließlich gekleidet, als stünde der Zweite Weltkrieg unmittelbar bevor), doch es kam anders. „Germany?“ grummelte der Alte, „you come from Germany?“.

Brexit: „Do you play England?“

Dann wurde er lauter und zischte: „Do you play England?“. Die verdutzten Dortmunder wussten nicht, wann Deutschland wieder gegen England spielt, und zuckten mit den Schultern. Egal. Da war der betagte Schotte nämlich schon in Rage und gebot mit lauter Stimme: „If you play England – beat them!“ Er hatte also, um es vornehm britisch auszudrücken, keine besonders gute Meinung von seinen Nachbarn.

Doch wie gesagt, man soll ja nicht vom Kleinen aufs Große schließen. Und unsereins sollte sich mit einem nicht wohlwollenden Urteil über England sowieso vorsehen – trotz guter Gründe.

Aber Schotten sind weise, und sie sind dichter dran an England, sie trennt kein Kanal. Und sie wissen, was ihnen am nächsten Freitag bevorsteht. 48 Prozent der Briten stimmten gegen den Brexit. Sie sind schuldlos und fliegen nun dennoch aus der europäischen Familie. Ich weiß, wie das ist. Man denke nur an die Bar in München. Es ist fürchterlich. (Michael Herl)

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