Um im Bild psychopathologischer Deutung zu bleiben, sprechen nun viele davon, dass einer wie Trump nun einmal nicht zu verlieren gelernt habe.
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Um im Bild psychopathologischer Deutung zu bleiben, sprechen nun viele davon, dass einer wie Trump nun einmal nicht zu verlieren gelernt habe.

Kolumne

Brechts Botschaft

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Jedes Spiel endet in der sozialen Wirklichkeit. Dem versucht sich Trump derzeit zu entziehen. Die Kolumne.

Der römische Kaiser Gaius Caesar Augustus Germanicus (12-41), genannt Caligula, galt vielen Geschichtsschreibern durch die Jahrhunderte als geisteskrank. Seneca beschrieb ihn als Sadisten, Flavius Josephus charakterisierte ihn als wahnsinnig.

Erst in jüngerer Zeit hat sich eine Lesart durchgesetzt, die Caligula, der den römischen Senat verspottete und sein Pferd zum Konsul erhob, als zynischen Machtmenschen begreift, der mit Kalkül und Bedacht regierte. Gerade deswegen war es für viele lebensgefährlich, die dieser Macht zu nahe kamen.

Hatte jemand gelobt, sein Leben für die Genesung des Kaisers zu geben, so konnte es geschehen, dass der genesene Caligula auf die Einhaltung des Gelübdes pochte. Dem Kaiser beliebte es, eine redensartliche Geste wörtlich zu nehmen.

Die Strategien des bösen, aber vernunftbegabten Kaisers, der schließlich am 24. Januar des Jahres 41 von seiner Prätorianergarde ermordet wurde, hat niemand so überzeugend dargestellt wie der Freiburger Historiker Aloys Winterling. In seiner Caligula-Biografie beschreibt Winterling, wie der junge Kaiser mit rücksichtsloser Konsequenz die Widersprüche und Auflösungserscheinungen der alten römischen Oberschicht nutzte, um eine brutale Alleinherrschaft durchzusetzen.

Wer nach aktuellen Parallelen sucht, wird sie mühelos im aberwitzig stockenden Machtübergang in den Vereinigten Staaten von einem gewählten US-amerikanischen Präsidenten auf den nächsten entdecken können. Schon möglich, dass man Donald Trump zu viel der Ehre und auch der Vernunft erweist, indem man sein erratisches Treiben in Winterlings Caligula-Bild überblendet.

Es ist jedoch überfällig, jene Vorstellung vom Antipolitiker Donald Trump abzuschütteln, in der er als konzeptloser Trottel reüssiert. Die nun als würdelos empfundene und demokratische Regeln verletzende Blockadehaltung jedenfalls hat der noch amtierende Präsident Trump von langer Hand rhetorisch und wohl auch verfahrenstechnisch vorbereitet.

Um im Bild psychopathologischer Deutung zu bleiben, sprechen nun viele davon, dass einer wie Trump nun einmal nicht zu verlieren gelernt habe. Wie diese Vorstellung vom Zwang, gewinnen zu müssen, ausgehen kann, hat Bertolt Brecht in seiner Parabel „Vier Männer und ein Pokerspiel“ ausgeführt. „Sie fängt an mit Zigarrenrauch und Gelächter und endet mit einem Todesfall“, heißt es darin.

Johnny Baker ist ein Kurzstreckenschwimmer, dessen sportlicher Erfolg stets von sagenhaftem Glück begleitet war. Die Gunst des Schicksals blieb ihm auch dann noch hold, als während einer Schiffsreise nach einem Wettkampf, den er einmal mehr glücklich gewonnen hatte, zum Zeitvertreib eine Pokerpartie begonnen wurde.

Obwohl Johnny das Spiel nur unvollkommen beherrschte, gewann er eine Partie nach der anderen und erleichterte seine Mitspieler um deren gesamtes Vermögen. „Aber so gut kann einer gar nicht schwimmen“, heißt es schließlich, nachdem Johnny von seinen Mitspielern über Bord geworfen worden war und diese sich fragen, ob er ebenso gut schwimmen wie pokern könne, „dass er sich vor den Menschen rettet, wenn er auf der Welt zu viel Glück hat“.

Brechts Botschaft besteht wohl darin, dass jedes Spiel irgendwann in der sozialen Wirklichkeit mündet. Eine, der sich Trump mit aller allmählich schwindenden Macht zu entziehen versucht.

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