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Kolumne

Bratsche und Brotbaum

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Die neueste Erhebung offenbart den schlimmen Zustand unserer Wälder. Monokulturen werden sich ändern und die Baubranche auch.

Als die Schäden im Wald noch nicht so schlimm waren, hieß er noch Waldschadensbericht. Jetzt, da das Sterben des Waldes überall sichtbar wird, heißt er freundlich Waldzustandsbericht. Gutes zu vermelden hat seine neueste Ausgabe jedenfalls wieder nicht. Im Gegenteil, so schlimm wie in der aktuellen Erhebung war der Zustand des deutschen Waldes noch nie.

Trockenheit und Stürme als Folgen des Klimawandels läuten seit Jahren ein zweites Waldsterben ein. Als in den 1980er Jahren großflächige Waldschäden sichtbar wurden, war der saure Regen schnell als Hauptschuldiger identifiziert. Rauchgasentschwefelung und andere gesetzliche und technische Maßnahmen zur Reduktion von Schadstoffen in der Luft brachten vorläufige Entspannung. Doch jetzt rollt die nächste Welle. Und die hat viel weitreichendere Folgen als das erste Waldsterben.

Denn dem Klimawandel ist nicht so leicht beizukommen, und die deutsche Forstwirtshaft wird sich grundlegend umstellen müssen, um den geänderten Gegebenheiten gerecht zu werden. Strittig und noch lange nicht entschieden sind die Diskussionen, inwieweit dazu künftig statt heimischer Arten vermehrt nichtheimische Baumarten zum Einsatz kommen sollen, die mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkommen.

Mischwälder mit vielen Laubbaumarten sind jedenfalls unverzichtbar. Dann fände auch der Borkenkäfer keine so üppige Grundlage für sein Dasein. Es kann ihm doch niemand ernsthaft seinen Erfolg anlasten, denn schließlich hat der Mensch diesem ungeliebten Insekt mit Monokulturen und Dürre solch paradiesische Lebensbedingungen erst geschaffen.

Von den Waldschäden ist die Fichte besonders schwer getroffen, also just der Baum, mit dem Waldbesitzer bisher das meiste Geld verdienten. Sie drohen ihren Brotbaum zu verlieren. Sein Holz eignet sich als Brennmaterial und zur Papierherstellung, für Kochlöffel und Dachbalken bis hin zum Bau von Bratschen.

Wegen dieser vielfältigen Verwendbarkeit wurden seit Jahrhunderten großflächige Fichten-Monokulturen angelegt und die einstigen Waldbaumarten zurückgedrängt. Noch immer ist die Fichte in Deutschland die häufigste Baumart, doch der Umbau zu ihren Lasten hat inzwischen begonnen.

Bei aller Romantik, die mit ihm verbunden ist, bleibt der deutsche Wald über weite Strecken ein Wirtschaftsfaktor. Die moderne Holz- und Forstwirtschaft darf auf neue ökonomische Impulse aus der Bauwirtschaft hoffen.

Die Baubranche sollte dazu übergehen, beim Hausbau vermehrt auf Holz zu setzen. Mehr Holz am Bau schafft gutes Klima im Wohnbereich und für die gesamte Umwelt. Denn der im Bauholz gespeicherte Kohlenstoff bleibt der Atmosphäre langfristig entzogen.

Der Einsatz von energieintensiven und deswegen klimaschädlichen Baumaterialien wie Beton und Zement muss ohnehin dringend reduziert werden, um die menschengemachte Erderwärmung einzudämmen. Auch die grün durchgestylten Werbebroschüren der Ton- und Ziegelindustrie führen in die Irre.

Wer das Märchen vom klimaneutralen Ziegel glaubt, darf auch annehmen, das RTL-“Dschungelcamp“ sei ein Beitrag zum Tropenwaldschutz. Doch dazu ist es am besten, unseren Holzbedarf aus heimischen Quellen zu decken.

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