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Grüne Lunge der Erde: Deutschland gibt 35 Millionen Euro für Regenwald-Schutz frei

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Von: Manfred Niekisch

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) mit dem brasilianischen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva nach dessen Amtseinführung im Präsidentenpalast in Brasilia.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) mit dem brasilianischen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva nach dessen Amtseinführung im Präsidentenpalast in Brasilia. © Guido Bergmann/dpa

Deutschland muss Präsident Lula in Brasilien kräftig unterstützen, um den Amazonaswald zu retten. Es gibt eine erfolgreiche Vorgeschichte unter Helmut Kohl. Die Kolumne.

Brasilia – Das Mitbringsel von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) für Brasilien war mehr als nur eine schöne Geste. Mit Amtseinführung des wieder gewählten Präsidenten Lula da Silva gibt Deutschland 35 Millionen Euro frei für den Schutz der Wälder Amazoniens.

Die finanzielle Unterstützung war ausgesetzt worden, als der mächtigste Feind des Waldschutzes, Jair Bolsonaro, als Präsident Brasiliens gewählt worden war. Die deutsche Regierung musste davon ausgehen, dass das Geld unter ihm nicht sinnvoll eingesetzt werden würde. Doch Bolsonaro wurde nicht wiedergewählt. Nun keimt Hoffnung auf, denn Lula will ernsthaft versuchen, den Schutz von Wald und Klima zu einem zentralen Thema seiner Politik zu machen.

Brasilien: Präsident Lula bekommt 35 Millionen von Steinmeier, die Vorgänger Bolsonaro nicht erhielt

Das deutsche Geldpaket ist zwar weitaus kleiner als die Mittel, welche die Bundesrepublik als Hauptgeber schon 1992 in ein Programm einzahlte, zu dem sich die sieben reichsten Industrieländer, die G-7, und die Europäische Union bekannt hatten. Dieses Pilotprogramm zum Schutz der brasilianischen Tropenwälder, kurz PPG7, hatte seinen wichtigsten Fürsprecher im damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl.

Dass Olaf Scholz (SPD) sich seinen Vorvorgänger zum Vorbild nimmt, ist kaum zu erwarten. Braucht er nicht und soll er auch gar nicht. Aber Brasilien beim Schutz seiner auch für unser Klima bedeutsamen Wälder zu unterstützen, kann jetzt wieder ein Schwerpunkt deutscher Entwicklungszusammenarbeit werden und muss vom Kanzler engagiert mitgetragen werden. Es wird viel Geld nötig sein, um die von Bolsonaro angerichteten Schäden zu reparieren.

Brasiliens Präsident Lula: Schutz von Menschenrechten und Wäldern

Dabei geht es noch nicht einmal zu allererst um Wiederaufforstungsmaßnahmen, sondern um den Wiederaufbau der Umweltverwaltungen und Stärkung der Politikinstrumente sowie der für die Indigenen und ihre Territorien zuständigen nationalen Behörde Funai. Die Aktivitäten mit Bezug auf diese Gebiete waren einer der Haupt-Ansatzpunkte von PPG7.

Der war sehr erfolgreich. Die Flächen unter indigener Verwaltung sind weitaus größer als die Naturschutzgebiete und für den Waldschutz mindestens so bedeutsam. Die Ausweisung neuer und Erhaltung bestehender Territorien, die Selbstbestimmung der ethnischen Minderheiten, die Bewahrung ihrer selbstgewählten Entwicklung, ihres Wissens, wie Wälder geschützt und genutzt werden können, all das war eine gelungene Verknüpfung von Schutz der Menschenrechte und der Wälder.

Brasilien – Lula benötigt neben Geld auch Rückhalt der Bevölkerung zum Schutz der Wälder

Es geht um nachhaltige Entwicklung und Nutzung im besten Sinn. Erst lange nach Beginn der Tropenwaldforschung reifte die Erkenntnis, dass die ungestörten Naturwälder, die Primärwaldgebiete über weite Strecken nur scheinbar vom Menschen unberührt sind. Die traditionell dort lebenden Völker haben sie so geschickt genutzt, dass es den forschenden Augen westlicher Wissenschaft schlichtweg verborgen geblieben ist.

Freilich wird Geld allein nicht reichen, um Lulas angekündigte Politik zum Erfolg zu führen. Er hat gegen erhebliche Widerstände zu kämpfen. Eine Bevölkerung und das Parlament, die bei weitem nicht ungeteilt hinter der neuen Politik stehen, können es Lula schwer machen, seine Pläne umzusetzen. Mit klaren Absprachen muss er den Eindruck vermeiden, andere Länder mischten sich von außen in innerbrasilianische Angelegenheiten ein.

Brasilien dabei unterstützen, dass es souverän den Schutz seiner Wälder voranbringt, die unverzichtbar sind für das weltweite Klima und die Biodiversität, muss die diplomatische Linie jedes Geberlandes sein. Kein Platz für große Gesten und Dankesreden. Bundespräsident Steinmeiers Mitbringsel ist in unserem eigenen Interesse. (Manfred Niekisch, Biologe und ehemaliger Zoodirektor)

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