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Boris Rhein löst Volker Bouffier ab – Auf ein Elend folgt das nächste

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Von: Katja Thorwarth

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Der enge Bouffier-Vertraute und Ex-Innenminister Rhein folgt dem engen Koch-Vertrauten und Ex-Innenminister. Die Kolumne.

Es ist schon ein Elend in Hessen. Sage und schreibe elf Jahre lang war Roland Koch Ministerpräsident, nachdem er sich 1999 trotz eines an Niedertracht kaum zu toppenden Wahlkampfs ins Amt hatte wählen lassen. Hetze als politisches Geschäftsmodell ist seitdem eng mit seinem Namen verknüpft, schließlich konnte Koch erfolgreich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft agitieren und sämtliche deutschnationalen Ambitionen aus dem Wahlvolk herauskitzeln.

2010 wurde es im Land nicht besser. Zwar kündigte Roland „brutalstmögliche Aufklärung“ Koch nach der Spendenaffäre folgerichtig eine Karriere in der Wirtschaft an, präsentierte aber ausgerechnet seinen „Schwarzen Sheriff“ Volker Bouffier als Nachfolger. Die Liste der „Kontroversen“ ist zu lang für diese Textsorte, festhalten lässt sich jedoch, dass Bouffier mit seiner Macht jenseits des politischen Auftrags stets umzugehen wusste.

Boris Rhein übernimmt das Steuer von Volker Bouffier

Und nun? Vermeldet auch der einstige Mann fürs Grobe nach 13 (sic) Jahren seinen Rückzug; auch wer auf ihn folgt, gilt als gesetzt. Es ist – Tataa – Boris Rhein. Der war eigentlich völlig zu Recht weggepackt worden, aber in Wiesbaden ziehen sie ihr famoses Buddy-wechsel-dich-Spielchen konsequent durch.

Boris Rhein
Boris Rhein (CDU). © Arne Dedert/dpa

Der enge Bouffier-Vertraute und Ex-Innenminister löst den engen Koch-Vertrauten und Ex-Innenminister ab, auf dass der Kontinuitätsfluss niemals versiege. Boris Rhein, das sei neidlos anerkannt, hat gerade als Innenminister bewiesen, dass er sich hinter seinem väterlichen Vorgänger nicht zu verstecken braucht. Frankfurter:innen erinnern sich eventuell noch an 2012, als Boris Rhein sich anschickte, Oberbürgermeister der Stadt zu werden. Übrigens ein Ereignis, dass Abgründe bei den Frankfurter Grünen offenbarte, schließlich waren es in Teilen deren Funktionsträger*, die den Bouffier-Buddy in der Stichwahl gegen Peter Feldmann unterstützt hatten. Geschenkt, denn mit der Aussicht auf Rhein als neuem OB konnten Interessen-Koalitionen das Schlimmste verhindern.

Boris Rhein: Krönung zum König von Frankfurt bleibt aus

„Ob SGE, ob FSV, Boris Rhein will keine Sau“, hieß es etwa vonseiten ortsansässiger Fußballfans, mit denen er es sich auf alle Zeiten verscherzt haben dürfte. Bereits 2011 hatte Rhein sich den „Problemfan“ als Populismusfeld herausgepickt, ohne jemals mit konstruktiven Vorschlägen jenseits der einstudierten Hardliner-Rhetorik etwas gerissen zu haben.

Nach seiner OB-Wahlschlappe verbot er dann im Mai 2012 eine Blockupy-Demo, als hätte er die ausgebliebene Krönung zum König von Frankfurt einfach nicht verkraftet. Aber dem linken Gesocks konnte Rhein es natürlich auch weiterhin von Wiesbaden aus besorgen. Unvergessen seine Rede im hessischen Landtag, als er die Polizei potenziell durch eine linke „Tsunami-Welle“ geflutet sah. Oder 2013 der „Frankfurter Kessel“: 1000 Demonstrant:innen mussten neun Stunden auf Anordnung verharren, wobei der Herr Innenminister die Maßnahme als durchaus angemessen einordnete. Viel mehr Schneid geht nicht.

Boris Rhein und das Klapperfeld

Umso erstaunlicher, wie wenig der Mann des Volkes seine Fremdwahrnehmung einzuschätzen vermag. Kann natürlich auch sein, dass gnadenlose Ignoranz Boris Rhein dazu veranlasste, im Oktober 2017 vor dem linken Kulturzentrum „Klapperfeld“ aufzuschlagen und in Begleitung angetrunkener Kameraden Einlass zu begehren. Doch so wenig, wie die Menschen aus dem „Frankfurter Kessel“ kamen, so wenig kam Rhein ins Klapperfeld rein. Am 31. Mai soll er gewählt werden, natürlich mit den Stimmen der Grünen. Aber bei denen muss er sich wohl keine Sorgen machen. Es bleibt ein Elend. (Katja Thorwarth)

* Transparenz: Nicht die Frankfurter Spitze hat sich für Boris Rhein ausgesprochen, die haben sich enthalten, sondern Teile der Funktionsträger. Rhein-Befürworter waren unter anderem Olaf Cunitz und Sarah Sorge.

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