Boris Palmer schaut mit Anzug in die Kamera
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Boris Palmer von den grünen hat sich wieder einmal den Groll seiner Parteigenossinnen zugezogen.

Kolumne zu Rassismus aus der Mitte

Boris Palmer stellt rassistische und diskriminierende Tendenzen offenherzig zur Schau

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Boris Palmer, der „grüne Sarrazin“, hat mal wieder zugeschlagen. Um seine Adressaten konkurriert er offenbar mit Leuten wie Jörg Meuthen. Die Kolumne.

Um rassistische Tendenzen bei Boris Palmer – auch liebevoll „Sarrazin der Grünen“ genannt – auszudeuten, muss man keine investigative Spurensuche betreiben. Allzu offenherzig bringt der „Anti-Anti-Rassist“ (B. P.) seine Haltung zu Papier respektive in die sozialen Netzwerke, als dass sie von der Öffentlichkeit unbemerkt bliebe.

Bevorzugt markiert Palmer die in seiner Wahrnehmung Nicht-Deutschen als die Übeltäter, die sich im Land des Gastgebers gefälligst zu benehmen hätten. Da reicht gerne die Hautfarbe, um den vermeintlichen Gast als solchen zu markieren.

Boris Palmer: Behauptung eines Rassismus gegen Weiße auf Facebook

Seine inhaltliche Nähe zum AfD-Chef Jörg Meuthen konnte Palmer erst kürzlich wieder belegen, als er subtextuell einen Rassismus gegen Weiße behauptete. „Ist ‚Kanake‘ rassistisch und ‚Kartoffel‘ voll ok?“, fragte er auf Facebook, und hier gilt das Gleiche wie für Meuthen: Rassismus funktioniert vonseiten derjenigen, die mehrheitsgesellschaftlich eine Machtposition innehaben – ganz abgesehen davon, dass Unterdrückung und Diskriminierung von Schwarzen prägende Elemente der Geschichte sind.

Geschenkt, beide Politiker dürften eine Zielgruppe im Visier haben, die das Deutschsein in der 88. Generation als Wertigkeit begreift. Emanzipatorische Bewegungen, die ein gleichberechtigtes Miteinander und Selbstbestimmung einfordern, sind ein maximaler Störfaktor.

Dass sich der Tübinger Oberbürgermeister um die Emanzipation anderer herzlich wenig schert, ist in neuer Qualität auf Facebook nachzulesen. Dort holte er seinen „FAZ“-Gastbeitrag von 2015, „Entspannt Euch!“, aus der Mottenkiste, in dem er explizit die LGBTI-Bewegung zur Mäßigung aufruft. Ein „gesellschaftlicher Wandel“ sei erreicht, das wollten die aber einfach nicht wahrhaben. Dabei würde man „in die Mitte der Gesellschaft“ rücken, nähme man den „sicheren Platz in derselben“ endlich zur Kenntnis; „der jeweilige Widerpart (finde sich) längst … am gesellschaftlichen Rand“.

Andere Politiker werfen Boris Palmer Rassismus vor

Das war und ist natürlich grober Unfug, und den Beweis dafür lieferte Palmer selbst. Maike Pfuderer, Stuttgarter Grünen-Politikerin und lesbische transsexuelle Frau, bezeichnete seinen Post als „alten Käse“, weiter warf sie ihm „Alltagsrassismus“ vor. Palmer reagierte nicht in der Sache, sondern stellte vielmehr ihre Geschlechtszugehörigkeit infrage: „Ich kenne ihn gar nicht … Pfuderer (war) ein Mann, als ich in Stuttgart OB-Kandidat war …“.

Sauber, da fabuliert er von gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich Diskriminierung und demonstriert parallel, wie sie sich in der sogenannten Mitte der Gesellschaft artikuliert.

Aber Palmer wäre nicht der grüne Sarrazin, zeigte er sich nicht wie stets keiner Schuld bewusst. „Seit Jahren“ überziehe Pfuderer ihn „mit Verleumdungen“, heißt es später, stets habe er sie „toleriert“, sie hingegen eine Anzeige angekündigt. Abgesehen davon, dass es schlicht unwahr ist, dass er „ihn“ nicht kennt, müsste selbst dem OB der Unterschied zwischen Diskriminierung und Beleidigung bekannt sein.

Rassismus: Diskriminierende Attitüden scheinen bei Boris Palmer nicht verhandelbar

Im erstgenannten Fall wertet jemand einen Menschen aufgrund normativer Vorstellungen ab, um sich, wie hier, populistisch zu positionieren. Das Gegenüber hat in der Regel keine Möglichkeit zum adäquaten Konter, weil: Der als diskriminierend missbrauchte Sachverhalt ist nicht verhandelbar.

Rassistische Attitüden sind es hingegen durchaus, aber nicht bei Boris Palmer. Der dürfte sich bezüglich seiner Adressaten längst festgelegt haben.

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