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Blutgrätsche im Artenschutz

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Von: Manfred Niekisch

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Geht es nach der Regierung von Simbabwe, wird der Handel mit Elfenbein freigegeben.
Geht es nach der Regierung von Simbabwe, wird der Handel mit Elfenbein freigegeben. Was heißt das für die afrikanischen Elefanten? © Dai Kurokawa/dpa

Bei der Konferenz zum Artenschutz in Panama sollen viele Tiere und Pflanzen besser geschützt werden. Doch es gibt auch Anträge, die gefährlich sind.

Oh wie schön ist Panama. Ob die bedrohten Tiere und Pflanzen der Erde das auch so empfinden werden wie ihre literarischen Kollegen, der kleine Tiger und der kleine Bär, die das im preisgekrönten Kinderbuch fröhlich vor sich hinträllern? Denn um bedrohte Arten geht es bei der nächsten Konferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen, international als Cites abgekürzt, die im November in Panama stattfindet.

Es geht darum, welche Arten künftig besser vor dem Handel geschützt werden sollen und bei welchen Arten der bestehende Schutzstatus herabgestuft werden kann, weil sich die Populationen erholt haben. Cites bezieht sich auf Tiere und Pflanzen, die international handelsrelevant sind. Vor und hinter den Kulissen werden die Anträge dazu bereits heftig diskutiert, die Lobby-Apparate von Naturschützern und von am Handel Interessierten laufen auf Hochtouren.

Manche Länder beziehungsweise ihre Politikerinnen und Politiker, sowie Fachverwaltungen scheinen aus der Vergangenheit wenig oder nichts gelernt zu haben. Dazu gehört Simbabwe, das eine Freigabe des Handels mit Elfenbein von Elefanten aus vier Ländern des südlichen Afrikas beantragt.

Dabei wissen wir doch seit Jahrzehnten, dass auch nur die Aussicht auf eine Lockerung des Handelsverbotes sofort die Wilderei in die Höhe schnellen lässt. Elfenbein kann man prima vergraben, lagern. Wird der Handel freigegeben, lässt sich mit jedem legalen Stoßzahn gewildertes Elfenbein legalisieren. Deswegen hilft den rapide an Zahl abnehmenden Afrikanischen Elefanten nur ein Ende des Handels mit ihren Stoßzähnen.

Andere Länder vom gleichen Kontinent haben dies erkannt und passgenau den Gegenantrag eingereicht. Ähnlich verhält es sich mit der Forderung nach Freigabe des Handels mit dem Horn der Nashörner, den Eswatini, das frühere Swasiland, eingereicht hat.

In Asien als vermeintliches Mittel für männliche Potenz und gegen Krebs gefragt, hat das Horn dieselbe Wirkung wie gekaute Fingernägel, nämlich keine. Aber mit dem Glauben daran lässt sich viel Geld verdienen, bis auch noch das letzte Nashorn geschossen ist.

Doch es geht nicht nur um große Tiere, auch für Glasfrösche, Sumpfschildkröten, einen bei Aquarianern beliebten Wels aus dem Amazonas, für Haie und viele andere soll der Schutz verbessert werden, es geht um hunderte von Arten. Damit spiegeln viele Anträge für die Konferenz auch wider, wie miserabel es um die Arten der Erde bestellt ist.

Dann gibt es da noch einen besonders bemerkenswerten Vorschlag von Botswana, Eswatini, Kambodscha, Namibia und Simbabwe, den man im Fussballjargon ohne weiteres als Blutgrätsche bezeichnen würde. Ein infamer Anschlag auf den Artenschutz.

Der Vorschlag zielt darauf ab, die Ernährungssicherung in die Entscheidungen darüber einzubeziehen, ob und wie stark eine Art geschützt wird. Mit dem Totschlagargument der Bekämpfung des Hungers lässt sich jede Bemühung um Artenschutz moralisch disqualifizieren.

So als ob der Hunger der Welt beseitigt werden kann, indem wir bedrohte Arten und die letzten ihrer Art aufessen. Es ist peinlich, dass sich eine so große und wichtige Konferenz mit so einem hanebüchenen Unsinn befassen muss. Da ist es egal, wie schön Panama ist.

Manfred Niekisch ist Biologe

und ehemaliger Zoodirektor.

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